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Für die Person, um die es in der Geschichte geht, habe ich eine Gedenkseite erstellt. Wer mag, kann dort einen lieben Gruß für ihn hinterlassen oder eine Kerze anzünden.
Diese Geschichte ist meiner ersten Liebe gewidmet. Der Schmerz des Verlustes, tut auch heute noch weh, doch ich werde ihn immer im Herzen tragen.
Diese Geschichte ist zum Ende hin emotional und tut nicht nur mir weh.
Stella kauft sich ein Haus, doch dieses Haus braucht auch jemanden, der es herrichtet. Für sie alleine ist das nicht machbar.
Durch Zufall lernt sie Bobby kennen, der ein geschickter Handwerker ist und ihr zur Seite steht. Auch wenn es am Anfang alles gut läuft, so kommen doch kleine Dinge dazwischen und die Freundschaft droht zu brechen.
Eines Tages zieht Stella in eine Wohnung um und sucht sich Hilfe bei ihm, doch dass sie dabei ihre große Liebe kennenlernt, das hätte sie sich nicht träumen lassen. Sie führen über Jahre unbemerkte, heimliche Liebe, die so herzerwärmend ist, dass beide ihr Glück kaum fassen können.
Bis Stella eines Tages ein schwerer Schicksalsschlag trifft, der ihr Herz zerbricht. Dies so plötzlich und unverhofft, dass sie es nicht glauben kann. Doch sie kämpft weiter für das, was sie noch hat. Auch wenn die Chancen nicht gut aussehen und er mehr als nur einige Probleme hatte.
"Gib niemals auf. Es ist nur ein neues Kapitel, was in deinem Leben anfängt, doch es ist noch längst nicht das Ende. Eines Tages wirst du dich an diese Momente erinnern und lächeln, denn im Herzen wird er immer für dich weiterleben. Dort kann ihn dir niemand wegnehmen."
Man hörte Schritte. Kleine Schritte und große Schritte. Die Hufe eines Pferdes glitten über das Gras, begleitet von den Schritten einer jungen Frau. Die Frau trug einen weißen, mit Rüschen besetzen Mantel und hatte lange weißblonde Haare. Sie führte ihr weißes Pferd im Mondschein durch einen Wald. Es schien, als würde sie einen Spaziergang in der Dunkelheit machen, doch sie hatte ihr Ziel genau vor Augen.
„Ich werde ihn finden. Mein Herz gehört nur ihm. Er ist der, den ich wirklich liebe. Er ist es, der es geschafft hat, mein Herz für sich zu gewinnen.“
Der Weg schien nicht enden zu wollen, doch sie lief unbeirrt weiter. Sie störte sich nicht daran, wie lange es dauern würde, sie wollte nur das Eine.
Schon bald kam ihr in der Ferne etwas Kleines, Unscheinbares entgegen. Ein schwarzer Kater sah sie mit seinen funkelnden blauen Augen an.
Er sprach zu ihr: „Der schlimmste Abschied ist, wenn man einen Menschen zum letzten Mal sieht und das nicht weiß.“
Die junge Frau blieb stehen und Tränen stiegen ihr in die Augen. Ihr wurde es nun bewusst. Es war wie ein schneller Rückblick, der sich nun in ihrem Kopf abspielte. Vom ersten Augenblick an bis zum letzten Moment.
„Bobby, was ist nur geschehen, dass es so ist? Ich möchte, dass du wieder da bist. Bitte komm zurück und lass mich nicht alleine.“
Sie hörte den Kater erneut sprechen: „Wenn die Sonne des Lebens untergeht, leuchten die Sterne der Erinnerung.“
„Das kann doch jetzt nicht wahr sein.“
Ein Mann mittleren Alters, gekleidet in einem blauen Arbeitsanzug, welcher seine schmale, fast schon dünne Figur etwas verbarg, stieg von seinem Moped und schimpfte vor sich hin. Seine grauen Haare fielen ihm dabei störend ins Gesicht. Seufzend ging er zu seinem Gepäckkasten und schaute etwas nach. Doch leider fand er auch dort nicht das, wonach er suchte.
„Dann werde ich wohl wieder zurückfahren müssen und schauen, ob mein Schlüssel hoffentlich noch da ist“, murmelte er.
Mit diesen Worten setzte er sich wieder auf sein Moped und fuhr los. Für ihn dauerte es eine Weile, doch schon bald erreichte er sein Ziel.
Er parkte das Moped genau an der Stelle, wo er vorhin auch gestanden hatte. So schien es, als hätte der Parkplatz noch auf ihn gewartet.
Nun stieg er wieder aus und machte sich auf den Weg zu dem Gebäude. Eigentlich war es eine nette kleine Feier gewesen, die er dort erlebt hatte, doch seine Hoffnung, wieder jemanden kennenzulernen, war leider nur ein leeres Versprechen gewesen.
Er hatte bereits schlimme Schicksale hinter sich: seine erste Frau war fremdgegangen und die zweite durch eine Krankheit verstorben. Trotzdem hatte er nicht aufgegeben – denn er war ein Mensch, der nicht gerne alleine war und jemanden suchte, den er an seiner Seite haben konnte.
„Aber warum sollte ich ausgerechnet jemanden finden, der zu dieser kleinen Feier geht? Das war vielleicht etwas zu weit gedacht von mir. Ich hätte wohl auch nicht nur rumsitzen sollen.“
Von der Entfernung her, war ihm diese Ortschaft mit seinem Moped allerdings nicht zu weit weg. Er konnte sich kein Auto leisten und sein Moped hatte er schon seitdem er noch ein Jugendlicher war.
Bis jetzt hatte es ihn auch noch nie im Stich gelassen, daher war er froh, dass er wenigstens dieses hatte, um mal rauszukommen.
Inzwischen war er in dem Gebäude angelangt. Er wusste, dass er die meiste Zeit über nur am Tresen gesessen hatte und etwas gegessen hatte, daher sollte er seinen Schlüssel auch dort vergessen haben.
Er ging dorthin und wollte schon den Barkeeper fragen, ob dieser ihn gesehen hatte. Doch da fiel ihm eine junge blonde Frau auf, die ihm die ganze Zeit nicht aufgefallen war.
Warum hatte er sie nicht gesehen, obwohl man von diesem Platz aus alles gut überblicken konnte?
Sie musste wohl erst jetzt gekommen sein und schien mit dem Barkeeper zu reden.
„Sie müssen wissen, ich bin nicht hier, um eine Beziehung zu suchen. Ich suche nur eher jemanden, der mir helfen könnte, ein bisschen etwas an meinem Haus zu machen, was renovieren und so betrifft.“
Die Frau hatte ein Glas in der Hand und trank einen Schluck.
„Ich habe mir ein älteres Haus gekauft, doch erst hinterher feststellen müssen, dass dort eigentlich noch viel zu viel zu machen ist und ich das als Frau schon gar nicht schaffe. Noch dazu bin ich zu jung und unerfahren. Kennen Sie vielleicht jemanden, der ein Handwerker ist oder mir da helfen könnte?“
Der Barkeeper sah nun auf und antwortete ihr rasch:
„Wärst du mal etwas eher gekommen. Vor einer halben Stunde war jemand hier. Er hat ganz lange hier gesessen und – ach, sieh an. Er ist wohl doch noch da.“
Sein Blick fiel nun auf ihn, welcher die beiden etwas wie versteinert ansah.
Die junge Frau drehte sich nun auch zu ihm um. Da bemerkte er, wie jung und hübsch sie war. Ihre langen blonden Haare trug sie zu einem Zopf, welcher ihre zierliche, schlanke Figur noch mehr betonte. Sie war auch klein und wirkte eher wie ein Kind von ihrer Größe her, doch sie hatte etwas an sich, das ihm im ersten Moment die Sprache verschlug.
„Na, habe ich da etwas Verkehrtes gesagt?“, weckte ihn der Barkeeper aus seinen Gedanken.
Nun kam er auch endlich zu Wort:
„Nein, ist alles okay. Ich bin ein Handwerker, das hast du richtig gesagt.“
Er machte eine kurze Pause und holte Luft.
„Ich könnte mir das Haus einmal ansehen, dann könntest du mir zeigen, was ich dir da machen soll. Mehr kann ich dir nicht anbieten.“
Er war selbst etwas erstaunt darüber, dass er plötzlich so viele Worte sprechen konnte.
Die junge Frau antwortete ihm gleich:
„Das würde mich freuen, wenn du mir da behilflich sein könntest. Damit würdest du mir einen großen Gefallen tun.“
Das ließ er sich nicht zweimal sagen.
„Dann sag mir, wo du herkommst und ich komme mit dir mit. Da hast du Glück gehabt, dass ich nochmal hierhergekommen bin, weil ich meinen Schlüssel vergessen habe.“
Der Barkeeper lächelte ihm entgegen und klimperte dabei hörbar mit etwas.
„Wie gut, dass ich diesen an mich genommen habe. Aber ich hätte ja nicht gewusst, zu welchem Haus er passt. Da hätte ich wohl lange probieren müssen“, sagte er etwas amüsiert.
Die junge Frau lachte über seinen Humor und auch er schmunzelte.
***
Wenige Minuten später standen beide vor einem Haus, welches von außen noch ganz gut wirkte. Der Putz war zwar etwas alt und die Ziegel auch nicht mehr die Neusten, doch das war wohl weniger das Problem. Es regnete nicht rein und es war auch kein Loch im Dach. Das waren die wichtigsten Punkte, was große Arbeiten anbelangte.
Die junge Frau führte ihn zu der Eingangstür, eine große, weiße mit einem Kunststofffenster. Davor blieb sie jedoch stehen und lächelte ihn verlegen an.
„Tut mir leid. Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Ich heiße Stella.“
Darauf stellte auch er sich ihr vor: „Ich heiße Bobby und freue mich, wenn du mir zeigst, wobei ich dir helfen kann.“
Sie öffnete ihm nun die Tür.
„Dann komm erstmal rein und dann erzähle ich dir ein bisschen über dieses Haus.“
Stella ließ ihn hinein und schloss die Tür hinter sich. Die beiden befanden sich im Flur des Hauses, welcher relativ schmal war. Daher wirkte es von Anfang an gleich etwas sehr klein. Viel konnte man daran auch nicht ändern. Man könnte höchstens noch einen Raum als Veranda anbauen, damit es etwas größer wirkte.
„Dieses Haus, welches ich nun mit meiner Mutter erworben hatte, ist doch nicht im besten Zustand, so wie wir es erst gedacht hatten. Durch die Fenster zieht der Wind durch, die Wasserleitung kleckert und die Fenster in den oberen Zimmern sind noch alte Holzfenster, demnach sollten sie ersetzt werden“, zählte sie die Dinge auf, die gemacht werden sollten. „Das sind noch nicht alle Dinge, die zu tun sind, aber ich möchte dich nicht gleich damit überfallen.“
Einen Moment hielt Bobby inne.
Ihre Mutter?
Das hieß wohl, in dem Haus war noch jemand.
„Wir wussten, dieses Haus war trotzdem das Traumhaus – allein schon der Garten mit der Trauerbirke. Das hat seine ganz besondere Ausstrahlung.“
Passend dazu führte sie ihn in die Küche, wo er vom Fenster aus die Trauerbirke sehen konnte. In der Küche saß auch eine weitere Person, vermutlich handelte es sich dabei um ihre Mutter.
„Hallo, nett, dass du gekommen bist“, wurde er begrüßt.
Er grüßte zurück und stellte sich erneut vor. Nachdem er das getan hatte, nahm sie sich das Wort: „Bestimmt hat Stella dir schon erklärt, um was es grundlegend geht. Wir wären dir sehr dankbar, wenn du uns dabei helfen könntest. Tapezieren und ein paar kleinere Veränderungen sollten reichen. Mehr können wir auch nicht erwarten.“
Sie sah ihn unter ihren halb langen braunen Haaren an und lächelte.
„Wir können dir vielleicht nicht viel zahlen, doch was wir dir zahlen, das kommt von Herzen.“
Bobby lächelte.
„Da kann ich nicht nein sagen. Ich werde euch helfen. Ihr seid zwei Frauen, die alleine sind, allein das ist schon ein Grund, hilfsbereit zu sein.“
Die beiden freuten sich über seine Zustimmung und von nun an begannen die Arbeiten an dem Haus.
„Was ich euch noch sagen sollte“, fügte er hinzu. „Ich bin aus der gleichen Ortschaft wie ihr es seid. Ich wohne nur ein paar Häuser weiter weg.“
„Na das ist ja ein schöner Zufall“, lachte Stella. „Dann kann ich dich auch mal besuchen kommen.“
„Wenn du wissen möchtest, wo ich wohne, kannst du das gerne tun“, freute er sich.
„Aber, dass wir dich dann noch nicht gesehen haben?“, fragte sie laut.
Darauf antwortete er: „Ich wohne alleine und so oft bin ich auch nicht auf der Straße. Wenn ich rausgehe, dann eher in meinen Garten und diesen kann man von der Straße aus nicht sehen.“
„Dann bist du wohl eher der schüchterne Typ?“, fragte sie weiter.
„Wenn du es so siehst, dann ja“, sagte er etwas verlegen.
Nun mischte sich ihre Mutter ein.
„Du kannst ihn doch nicht gleich mit deinen Fragen überfallen. Nicht, dass wir ihn abschrecken“, sagte sie zu Stella.
Er entgegnete schmunzelnd: „Ist schon gut. So kann ich euch ein bisschen kennenlernen. Außerdem ist es viel schöner, nicht den ganzen Tag alleine sein zu müssen.“
Bobby kam demnach seit diesem Tage und begann mit seinen Handwerkskünsten. Zuerst sollte er das Schlafzimmer tapezieren und auf dem Fußboden Laminat verlegen. Er ahnte jedoch nicht, dass dieses Haus so viele Stellen hatte, die man beheben musste, dass es sich demnach nicht nur um die Wände und den Fußboden drehte.
Als er schon mit der Hälfte der Tapete fertig war, da stellte er fest, dass er für jede neue Bahn ein Stück mehr brauchte als zuvor. So hatte er auch immer mehr Reste übrig.
Als Stellas Mutter ihm dabei zusah, was er dort getan hatte und sie natürlich diese vielen Reste entdecke, da fragte sie ihn: „Was hast du denn gemacht, dass hier so viel übrig ist und du für jede Bahn eine neue Tapete angefangen hast?“
Bobby hielt noch die eine Bahn mit dem Kleister in den Händen, doch trotzdem drehte er sich zu ihr um und antwortete: „Ich kann dir das auch nicht sagen, doch die Wände sind schief. Ich habe das auch nachgemessen. Das stimmt.“
Er klebte nun die Tapete ran und sie verließ das Zimmer mit den Worten: „Wirklich sonderbar dieses Haus.“
Nachdem er nach zwei Tagen das Zimmer fertig tapeziert hatte, kümmerte er sich um das Laminat. Er legte erst die Trittschalldämmung aus und dann das eigentliche Laminat. Er bekam das auch ganz gut hin, doch es dauerte für normale Verhältnisse etwas lange, denn er brauchte eine ganze Woche dafür.
Na gut, er war ein lieber Kerl und machte es für eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen, daher sollte man nicht meckern und es gelassen sehen.
Immerhin war es auch für die beiden schön, dass sie überhaupt jemanden gefunden haben.
So freuten sich auch die beiden Frauen immer mehr darüber, wie die Fortschritte waren und sie zeigten ihm ihre Dankbarkeit auch sehr deutlich.
Er blieb manchmal sogar bis zum Abend und gönnte sich noch etwas Essen, ehe er wieder nach Hause ging. Nur zum Vorteil, dass sein Zuhause nicht so weit weg war, daher kam er auch immer mit dem Fahrrad.
Sie redeten miteinander und lernten sich besser kennen – zumindest Bobby und Stellas Mutter.
Denn als es mit den beiden oberen Zimmern weiterging, da wollte auch sie mal mitanfassen. So nahm sie sich einen Spachtel und etwas Spachtelmasse, um die Löcher im Holz zu reparieren.
Bobby sah ihr im ersten Moment zu, doch danach ging er langsam auf sie zu und nahm ihr vorsichtig den Spachtel ab.
„Du füllst erstmal die Löcher, danach kannst du es glattstreichen“, mit diesen Worten zeigte er ihr den Vorgang.
Er drückte ihr den Spachtel wieder in die Hand und lächelte, doch dabei schien sie in der Hocke das Gleichgewicht verloren zu haben und so kamen sie sich ganz nah – so nah, dass es für einen Kuss gereicht hätte.
Doch es war beiden etwas peinlich, denn sie sagten nichts zueinander und machten danach auch weiter. Auch wenn Bobby sich im Inneren noch erhoffte, dass er vielleicht eine Familie finden könnte. Er mochte die beiden zu diesem Zeitpunkt schon. Vom Alter her würde Stellas Mutter auch gut zu ihm passen.
„Vielleicht finde ich hier doch noch das Glück, wonach ich suche“, dachte sich Bobby hoffnungsvoll.
Weiter ging es dann mit dem Tapezieren von einem der beiden oberen Zimmer.
Doch dieses Mal war das Ganze etwas schwieriger, denn die Tapete ließ sich nicht so einfach abziehen, sondern klebte regelrecht an der Wand.
Nun hatte auch Stella den Mut, etwas Hand anzulegen, da auch sie in diesem Zimmer schlafen wollte – doch unter diesen Umständen ging das alles andere als leicht. Denn die alte Tapete war eine alte Papiertapete mit Ölfarbe. Mit Wasser besprühen und nach und nach abreißen, das half da nicht.
Die Tapete mit Spülmittel und Wasser nass machen, half genauso wenig. Sie war da etwas überfragt und dachte schon, dass sie etwas falsch machen würde.
„Tapete abreißen sieht so einfach aus, wenn Bobby das macht. Warum bekomme ich das nur nicht hin und reiße jedes Mal nur ein Stück von 5x5 cm ab? Bei der Raumgröße von 8qm, da steh ich dann noch eine Weile“, sagte sie zu sich selbst.
Stella fand sich schon mit dem Gedanken ab, dass es tatsächlich so war, doch da kam Bobby in das Zimmer und er brachte ihr die Idee.
Nachdem auch er ihr auf normalem Wege versuchen wollte zu helfen, so nach dem Motto: Zu zweit geht es schneller, riet er ihr nun: „Wir sollten es mit Nagellackentferner probieren, dann sollte es klappen. Das ist durch die Ölfarbe, dass wir sie nicht abbekommen.“
Demnach besorgte ihre Mutter wenige Stunden später das gewünschte Mittel und siehe da: Die Tapete ging fast wie von selbst ab.
Stella sagte belustigt zu ihm: „Wenn wir das doch nur vorher gewusst hätten, dann hätte ich mich jetzt nicht so gequält, eine ganze Seite mit 5x5 Stücken abzureißen.“
Er schmunzelte.
„Ja, manchmal ist es nicht leicht und man muss erst überlegen, wie man es sich leicht machen kann.“
In den oberen Zimmern begann er nun mit dem Einbau von beiden Fenstern. Die Holzfenster waren zwar nicht kaputt, doch man merkte, dass es kalt war, daher sollten da Kunststofffenster rein.
Leider hatte er sich etwas vermessen, was die Größe anbelangte und so war das Fenster in etwa halb so groß wie das Alte – damit konnte man jedoch noch leben. Das war wohl seine Art, dass er das nicht ganz genau messen konnte.
Er war extra noch mit Stellas Mutter zu dem Geschäft gefahren, um das neue Fenster zu holen und als sie ihn nachfragte, ob das denn wirklich die richtigen Maße waren, hatte er es immer wieder bestätigt.
Na gut, wie hieß es doch, über ihn konnte man nicht meckern.
Der Einbau dauerte auch gar nicht so lange wie erwartet. Er brauchte zwei Tage für jedes Fenster bis es drin war. Auch wenn ein richtiger Fensterbauer beide Fenster wohl in einem Tag geschafft hätte. Als die Fenster dann auch eingesetzt waren, war es zwar etwas dunkler in dem Raum, doch es wirkte zugleich ganz anders, wärmer und gemütlicher.
Die Zeit mit der Arbeit war vergangen und dieses Mal bedanken sich die beiden sogar mit einer ganzen Tüte voller Schokolade für ihn.
„Das wäre doch nicht nötig gewesen“, sagte er etwas verlegen.
„Doch, du hast schon viel für uns gemacht, daher bekommst du mal etwas mehr. Wir könnten da schon fast sagen, dass du zur Familie dazugehörst“, erklärte ihm Stellas Mutter.
„Genau“, betonte Stella, „du bist ein lieber Onkel.“
„Das hat schon lange niemand mehr zu mir gesagt“, dachte er sich und er fühlte zugleich, wie sich sein Herz erwärmte.
***
So konnte er dann auch oben endlich mit dem Tapezieren beginnen. Der Boden bekam einen Teppich, daher erwies sich weiteres Vorgehen nicht als schwierig. Der wurde einfach nur ausgerollt, hingelegt und fertig.
Das kleinere Zimmer sah auch gut aus. Stella hatte sich von Anfang an darin wohlgefühlt mit der Muscheltapete und dem gelben Teppich, der wie Sand wirkte. Dies wurde letztlich ihr Schlafzimmer, in dem sie sich sehr wohlfühlte.
Das andere Zimmer war etwas größer und es sah genauso aus, nur das der Teppich dort blau war und nicht gelb – gut, das war dann wohl das Wasser.
Dieses Zimmer nutzte sie erstmal als ihr Wohnzimmer oder auch für Gäste, sollten sie mal welche bekommen.
Jedenfalls waren das nun zwei schöne Räume geworden, mit denen Stella sehr zufrieden war.
„Ein Dankeschön bekommt er da von mir“, mit diesen Gedanken legte sie noch am gleichen Abend los und schnappte sich Backutensilien.
Dafür backte sie ihm extra einen Quarkkuchen, was sein liebster Kuchen war.
Als sie zum Kaffee in der Küche saßen, holte sie diesen hervor und schnitt ihm zwei Stück davon ab.
„Den hast du doch nicht extra für mich gebacken?“, fragte er etwas ungläubig nach.
„Doch, das habe ich. Weil auch ich dir einmal danke sagen wollte“, lächelte sie und stellte ihm den Teller mit den zwei Stücken auf den Tisch.
„Ich danke dir, meine Süße“, erwiderte er ihr Lächeln.
Er begann sich langsam auch wohlzufühlen bei den beiden und freute sich, dass er sie kennengelernt hatte.
„Ich glaube, da könnte wirklich etwas Schönes auf mich warten mit den beiden. Ich bin wieder glücklich. Das war ich schon seit Jahren nicht mehr.“
Als nächstes war das Wohnzimmer dran zum Tapezieren, doch dort begann er einen großen Fehler, worüber sich Stellas Mutter sehr ärgerte. Er riss die Zierleisten, die an den Ecken von den Deckenplatten befestigt waren, ab, nur um besser tapezieren zu können. Obwohl sie das vorher noch gesagt hatte, dass sie diese gerne behalten wollte.
Als sie dann mal nach dem Rechten gesehen hatte und ihr das aufgefallen war, war ihr Ärger nicht zu überhören: „Was soll das denn? Mit den Zierleisten sah es viel schöner aus. Warum hast du die abgemacht, ohne mich zu fragen? Ich habe doch gesagt, dass ich die nicht abmachen möchte.“
„Das war leichter für mich mit der Tapete, als wenn die Leisten dran gewesen wären“, antwortete er.
Verständlich, weil seine Antwort schon etwas blöd war, dass sie sich deshalb etwas aufregte.
Trotzdem konnte man sich nicht lange über ihn aufregen, dazu hatte er schon viel gemacht und kam auch inzwischen schon vier Monate zu ihnen.
Daher war der Vorfall schnell vergessen.
Die Stunden am Abend verbrachte er auch manchmal noch sehr lange, indem er ihre Mutter mit seinen langen Geschichten bis 23h aufhielt, da er einfach nicht nach Hause gehen wollte.
Er redete und redete, bis ihr die Augen zufielen und er trotzdem nicht aufhörte – das zeigte, dass er nicht gerne alleine war und die Nähe suchte.
Er hatte die Hoffnung noch längst nicht aufgegeben, denn er mochte die beiden sehr und fühlte sich bei ihnen wohl, daher wollte er auch nicht gehen.
„Wo ist denn eigentlich Stella?“, wollte er eines Abends beim Essen wissen.
Ihre Mutter antwortete ihm: „Sie wird immer recht schnell müde, daher geht sie zeitig ins Bett. Du brauchst dich da nicht wundern. Das hat sie schon immer so gemacht.“
Er kaufte ihr das zwar nicht ganz ab, doch was sollte er tun? Er hätte auch gerne mit ihr gemeinsam gegessen, doch wenn das so war, dann war das so.
Stella war das zu dem Zeitpunkt noch recht egal, sie ging um 20h in ihr Bett und dann war Schluss. Zumindest mit der Arbeit. Im Bett spielte sie noch etwas mit ihrem Computer.
Immerhin war sie auch noch eine junge Erwachsene und musste sich nicht den ganzen Tag mit älteren Leuten beschäftigen – oder?
Stella hatte vor Kurzem jemanden kennengelernt, mit dem sie nun gemeinsam ihre Dorfrunde machte (einen Ausritt mit ihrem Pony). Das bereitete ihr nicht nur Freude, so stellte sie auch dabei fest, dass Bobby zu einem anderen Nachbarn ging und diesem etwas bei der Arbeit half.
Eines Tages war es sehr heiß, es waren an die 37 Grad und da staunten beide nicht schlecht, als sie ihn sahen, wie er eine Mauer mittels Kärcher säuberte.
„Das ist doch Wahnsinn“, meinte ihre Begleitung.
„Ja, das ist Wahnsinn“, stimmte Stella zu.
Als sie ihn darauf am Abend angesprochen hatte, da meinte er dazu: „So schlimm war das nicht. Durch den Kärcher habe ich auch etwas abbekommen und dann ging das schon.“
Wahrscheinlich war er das gewohnt, sonst hätte er so nicht geantwortet.
Einen anderen Tag, da hörte sie das Geräusch eines Winkelschleifers. An sich nichts Besonderes, da das Gerät auch viel Krach machte, doch hinterher war es etwas Besonderes, als Bobby zu ihnen kam und sich einen Verband umgewickelt hatte.
„Was hast du denn angestellt?“, wollte Stella von ihm wissen und sah sich seine Hand an.
Er drehte seine Hand etwas und sie bekam den Schreck schon vorher, ehe er etwas sagte.
„Du hast dir doch wohl nicht die Hand abgeschnitten?“, fragte sie entsetzt.
Etwas unbehagen antwortete er ihr: „Nicht ganz, aber fast.“
Er hob den Verband etwas hoch und darauf erkannte Stella, dass sich eine tiefe Wunde in seinem Handgelenk befand, bei welcher wirklich nur wenige Zentimeter fehlten, dass die Hand fast durchgeschnitten wäre. Sie machte sich Sorgen.
„Möchtest du da nicht zum Arzt gehen? Da kann auch Schmutz reingekommen sein oder etwas anderes“, begann sie vorsichtig.
„Ach, das heilt schon wieder“, winkte er ab.
„Wirklich nicht?“, fragte sie nach.
Er blieb bei seinen Worten.
„Das wird schon, glaube mir. Ich habe schon schlimmere Dinge hinter mir.“
„Was denn für schlimmere Dinge?“, wollte sie nun wissen.
Darauf erzählte er ihr, was ihm alles einmal widerfahren war.
„Ich bin schon einmal ein Stück vom Dach gefallen, weil die Ziegel noch etwas nass waren und ich das verkehrt eingeschätzt habe, da konnte ich mich aber noch halten. Ich hatte nur ein verstauchtes Bein.
Dann hatte ich mal zu viel getrunken, bin mit meinem Fahrrad nicht mehr bis nach Hause gekommen und habe dann auf dem Feld geschlafen.“
„War das da nicht kalt gewesen?“, fragte sie ungläubig nach.
„Ein Glück war es Sommer, aber ich hatte auch so viel getrunken, dass ich das nicht so mitbekommen habe. Mich hat es nur gewundert, dass da so viele Autos auf der Straße fuhren und dann wusste ich, dass es ja schon frühmorgens war“, erklärte er.
Er holte Luft und machte weiter: „Dann habe ich mal nicht aufgepasst, als ich mein Moped starten wollte und das Ding ist dann alleine losgefahren. Da musste ich schon ordentlich hinterherrennen. Als ich es dann eingeholt hatte, bin ich damit auch noch umgefallen, aber sowas kann schon mal passieren.“
Stella schmunzelte.
„Du hast wirklich Geschichten hinter dir. Da finde ich die letzte noch am Amüsantesten.“
„Das stimmt, das sah bestimmt auch lustig aus, wenn man zugesehen hätte“, meinte er.
Die Schwierigkeiten in dem Haus waren nichts im Vergleich zu dem, was Bobby erwartete – oder das was Stella eines Tages beobachtet hatte, nachdem sie eine kleine Dorfrunde mit ihrem Fahrrad machte.
Sie entdeckte Bobby, wie er Säcke mit Klamotten und einen Computer zu einer Abfallsammlung trug. An sich nichts Besonderes, doch ihr kam es trotzdem seltsam vor, was er machte.
„Er hat doch gar nicht so viele Sachen bei sich, warum räumt er das dann aus? Ach, ich mach mir da zu viele Gedanken. Vielleicht wollte auch er mal bei sich aufräumen“, dachte sie sich, während sie aus der Ferne ihm dabei zuschaute und nach einigen Sekunden weiterfuhr.
Am nächsten Tag, als sie die Zeitung aus dem Briefkasten holte, da kam jedoch der große Schreck. Schon gleich als sie durchblätterte, auf der 4. Seite, da stand eine Mitteilung zu einer Zwangsversteigerung. Bereits als sie nur das Foto des Hauses sah, spürte sie, wie ihr Körper zuckte.
Zwangsversteigerung
Haus in der Blumenstraße 13 zu versteigern
Verkehrswert: 30.000€
Darunter stand noch etwas zu weiteren Daten wie Grundstücksfläche, Versteigerungsart und Besichtigungsart sowie eine Kurzbeschreibung, um was es sich für ein Objekt handelte.
Mehr als den Titel brauchte sie nicht lesen, ehe sie aufgeregt zu ihrer Mutter eilte.
„Du wirst mir nicht glauben, was ich hier gelesen habe. Bobbys Haus wird versteigert“, sagte sie aufgeregt.
Sie hielt ihr die Zeitung hin, welche sie ihr entgegennahm. Nachdem auch ihre Mutter das gesehen hatte, war sie entsetzt.
„Ich gehe jetzt zu ihm und frage ihn, was da los ist. Ich glaube schon fast, dass er irgendwas gemacht hat, was nicht stimmt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er so viele Schulden hat, dass er sein Haus verlieren wird. Sowas geht doch gar nicht.“
Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, da machte sie sich auch schon auf den Weg zu ihm.
„Hoffentlich wird alles wieder gut. Es würde mir leidtun, wenn er plötzlich nichts mehr hätte. Er hatte schon so eine schlimme Vergangenheit hinter sich“, dachte sich Stella, als sie ihre Mutter aus der Tür gehen sah.
Diese nahm sich ihr Fahrrad und fuhr zu ihm. Es dauerte nicht mal fünf Minuten, da kam sie bei ihm auf dem Hof an.
„Wer kommt denn um die Zeit kurz vor Mittag zu mir? Eigentlich wollte ich anfangen mit Essen“, mit diesen Gedanken ging Bobby zur Tür, als es klingelte.
Erstaunt sah er Stellas Mutter in der Tür stehen, welche auch gleich loslegte: „Sag mal, was hast du denn gemacht, dass dein Haus zur Versteigerung steht?“
Erst sagte er gar nichts, sondern sah sie nur an.
„Nun sag schon. Ich möchte dir helfen“, hakte sie nach.
Bobby antwortete mit etwas Ärger in der Stimme: „Das geht dich eigentlich nichts an. Das ist doch mein Problem. Außerdem wollte ich Mittag essen.“
Darauf nahm ihre Stimme auch einen gewissen verärgerten Ton an: „Was soll das heißen, das geht mich nichts an? Willst du dein Haus verlieren? Entschuldige, ist dir Mittagessen wichtiger, als dein Haus?“
Er sagte wieder nichts darauf, sondern sah sie nur an.
„Willst du dein Haus verlieren?“, fragte sie erneut schon fast mit einer forschen Stimme.
„Nein“, antwortete er kurz und knapp.
„Dann komm mit mir mit“, forderte sie ihn auf.
„Dann lass mich wenigstens noch mein Mittagessen essen“, brummte er.
Sie stimmte zu.
„Wenn du soweit bist, dann komm raus. Ich hole das Auto, dann können wir gleich los.“
Während sie wieder hinausging, ging er in die Küche. Er nahm sich einige Kartoffeln aus dem Topf, legte diese auf den Teller, holte anschließend eine Schachtel Kräuterquark aus dem Kühlschrank, machte sich dazu etwas auf den Teller und vermischte diesen im Anschluss mit etwas Leinöl – eine ausreichende und sättigende Mahlzeit für ihn. Er hatte keine Gedanken, er aß lediglich sein Essen, auch wenn er nicht wirklich Ruhe hatte. Sein Bauchgefühl verriet ihm etwas Ungutes. Es dauerte nicht lange, da hörte er ein Auto. Er warf einen Blick zum Fenster. Es war Stellas Mutter. Sie war passenderweise erschienen, als er mit seinem Essen fertig war.
Auch wenn ihm das in diesem Moment nicht gefiel, so stellte er seinen leeren Teller in den Abwasch, schnappte sich einen kleinen Rucksack, ehe er sein Haus verließ und stieg zu ihr in das Auto. Sie fuhr mit ihm zum Amtsgericht.
Während der Fahrt über redeten sie nicht miteinander, was Bobby auch beruhigte, denn er wusste nicht wirklich, wie er es ihr erklären sollte, was genau passiert war. Ihm war das ganze mehr als nur unangenehm. Am liebsten wäre er erst gar nicht mitgefahren, doch er wusste auch, dass er dann im schlimmsten Falle wirklich kein Haus mehr hätte.
Vor dem Gerichtsgebäude angekommen, stiegen sie aus. Während Stellas Mutter vorauseilte, so dackelte er etwas hinterher. Es war wirklich nicht zu übersehen, dass ihm das alles sehr unangenehm war und er wie ein kleiner Junge wirkte, den die Mutter hinter sich herzog, doch dazu war es nun zu spät und er sollte die Sache durchziehen.
Nachdem sie beide eingelassen wurden, als sich Stellas Mutter erkundigt hatte, wer denn der Ansprechpartner für diesen Fall war, saßen sie weniger Minuten später vor einem Raum.
Eine ältere Dame mit einer schwarzen Brille hatte sie gebeten, einen Moment zu warten. Die Dame wirkte nicht nur wie eine Frau von einer Behörde, sie sah auch noch so streng aus und dies gefiel Bobby überhaupt nicht.
„Worauf habe ich mich hier nur eingelassen? Na gut, es geht um mein Haus, ich möchte es nicht verlieren“, dachte er sich, ehe sie wenige Minuten später in den Raum gingen.
Sie setzten sich vor einem großen Tisch, welcher so voller Akten war, dass man die ältere Dame kaum dahinter sehen konnte.
Stellas Mutter eröffnete das Gespräch: „Nun erklären Sie mir mal bitte, was es mit der Zwangsversteigerung des Hauses auf sich hat. Der Eigentümer sitzt neben mir und ist alleine nicht in der Lage, diese Sache zu klären, daher hat er mich um Hilfe gebeten.“
Die Frau unterbrach sie jedoch mit einer Zwischenfrage an Bobby: „Sind Sie damit einverstanden, dass die Dame für Sie reden darf?“
Einen kurzen Moment dauerte es bis er sagte: „Ja, sonst hätte ich sie nicht mitgebracht.“
Innerlich seufzte Stellas Mutter.
„Gut, dann können Sie mir nun erzählen, um was es geht“, bestätigte sie.
Die Frau zögerte nicht lange, sie öffnete eine Akte.
„Es geht um eine offene Forderung einer Frau Birke, mit der sie gemeinsam gelebt hatten. Sie haben weder auf Briefe, noch auf Mahnungen reagiert. Demnach mussten wir eine Zwangsvollstreckung anordnen, weil die Behörde uns dies so mittelgeteilt hatte. Sie hätten sich wenigstens mal äußern können.“
Die Frau sah zu ihm, während sie in der Akte weiterblätterte.
„Nun sitzen Sie hier vor mir, während ihr Haus eigentlich schon zur Versteigerung freigegeben ist. Da wird es schwierig für sie, das wieder hinzubiegen, wenn so viel Zeit vergangen ist.“
Nun hatte Stellas Mutter dazu eine Frage: „Sie sagten, es ginge um eine Frau Birke, mit der er zusammengelebt hatte, soll das bedeuten, dass sie dachten, er war mit ihr verheiratet?“
Die Frau antwortete: „Ja, davon sind wir ausgegangen.“
Der Blick von Stellas Mutter war nun entsetzt. Sie sah zu Bobby.
„Warst du mit ihr verheiratet gewesen? Du hast doch erzählt, ihr wolltet heiraten, nicht, dass ihr das schon wart?“
Bobby sah erst zu der Frau zu ihr.
„Wir waren auch nicht verheiratet, das habe ich nie gesagt.“
Nun sah man, wie der Frau die Worte fehlten und sich ihr forscher Ausdruck schlagartig veränderte und es ihr unangenehm war.
„Oh“, begann sie. „Dann lag hier wohl ein Fehler vor. Die Schulden betreffen nur die Frau Birke. Da wir davon ausgegangen sind, dass sie verheiratet waren, hätten sie auch für ihre Schulden verantwortlich sein müssen, doch nun ist das nicht mehr der Fall.“
Demnach löste sich die ganze Sache in Luft auf – nur weil ein Fehler der Behörde vorlag.
Stellas Mutter konnte es kaum glauben, doch sie bliebt gelassen und sagte: „Gut, wenn Sie das so sagen, dann nehmen wir das doch gerne an, wenn keine Schulden mehr fällig wären.“
Die Frau blätterte nochmal schnell die Akte durch.
„Ja, erfreulicherweise kann ich Ihnen das so sagen. Aber es würde eine kleine Summe übrigbleiben, die sie zahlen müssen, damit die Sache auch aus der Grundschuld gelöscht wird“, sagte sie und machte darauf die Akte zu.
Stellas Mutter sah zu Bobby: „Denkst du, dass du das schaffst?“
Bobby sah zu der Frau.
„Ja, das sollte für mich machbar sein“, betätigte er.
Die Frau beendete das Gespräch mit den Worten: „Sehr gut, dass wir eine Lösung gefunden haben.“
Wenige Minuten später, saßen Stellas Mutter und Bobby wieder im Auto und unterhielten sich.
Bobby trug jedoch daran auch eine gewisse Schuld, weil er hätte sich vorher schon an jemanden wenden können, ehe es bis zu diesem Verfahren gekommen ist, doch immerhin war seine Existenz nun gerettet und er musste nicht ausziehen.
Nachdem Bobby den größten Teil geschafft hatte, den sie sich erhofft hatten, was das Haus anbelangte, kam ein weiterer Zwischenfall. Als wenn die schlimme Sache mit seinem Haus noch eins obendrauf setzen wollte.
Stella besaß zwei Pferde. Diese zwei Pferde standen auf einer Fläche, welche sie schon jahrelang benutzen durfte. Inklusive Unterstand und Schatten.
Diese Fläche wurde zuvor jahrelang nicht genutzt und vom damaligen Bürgermeister bekamen sie persönlich die Genehmigung, dass die Pferde dort stehen konnten, wenn sie die Fläche pflegten.
Nun kam es jedoch dazu, dass ein Herr mit seinem Tiny House Laden mehr Fläche benötigte und auf einmal sollte es genau dieses Stück Land sein.
Stella und ihre Mutter hatten Diskussionen und sogar persönliche Gespräche, es brachte alles nichts. Der neue Bürgermeister blieb stur.
Um nicht lange drumherum zu reden, es musste ein neuer Pferdestall her. Bobby war der erste, der sich dafür anbot und die beiden fanden sogar noch jemanden aus dem Nachbardorf sowie einen anderen.
Mit den dreien lief der Anfang auch noch ganz gut, wäre da nicht der neue Freund von Stellas Mutter hinzugekommen, der alles durcheinanderbrachte.
Bobbys Hoffnungen, dass er noch eine Chance hätte, einmal mit ihr seine Träume zu durchleben, schienen nun geplatzt zu sein.
Er war traurig, doch er ließ sich nichts anmerken und machte weiter, denn er wusste, dass er so auch niemanden weiter in seiner Nähe hatte. Ein bisschen Hoffnung hatte er immer noch, denn vielleicht würde ihrer neuer Freund auch wieder gehen, wenn die Sache mit dem Bauen vorbei wäre.
Deswegen war es wahrscheinlich auch so, dass er auf einmal etwas gereizter wirkte als vorher, ebenso die beiden, die ihm mithalfen.
Doch der neue Freund setzte noch eins obendrauf. Er führte sich auf wie ein Chef und diktierte den anderen, was sie tun sollten – wobei man sagen musste, dass er leider nicht viel Ahnung vom Handwerk hatte, auch wenn er das behauptete.
„Ich bin gelernter Tischler“, sagte er eines Tages.
„Wenn er gelernter Tischler ist, dann muss er aber geschlafen haben bei seiner Ausbildung“, sagte Bobby zu Stella, welche sich darüber amüsierte.
Das sagte er deshalb, weil er einen Balken nicht richtig platziert hatte, dieser in der Luft schwebte und die anderen Balken auch nicht richtig ausgerichtet waren.
Da war es schon seltsam, was er von sich behauptete.
So passierte es dann, dass er erst den einen, dann den anderen Mann aus dem Nachbardorf verjagte und letztlich ging er auf Bobby los.
Inzwischen hatten sie es jedoch mit Ärger und Krach geschafft, das Grundgerüst des Stalles zu bauen, so waren es zumindest nur noch Kleinigkeiten, die gemacht werden mussten.
Doch genau dort begann der Streitpunkt.
Er hatte ihn niedergemacht mit einer Aussage, dass er zu blöd sei, die Wasserleitung richtig anzubringen. Stella war außer sich vor Wut, weil sie gesehen hatte, dass er es nicht besser konnte (Obwohl dies angeblich sein zweites Fachgebiet war und er das hätte können müssen) und griff ihn mit Worten an.
„Was fällt dir ein, Bobby so zu beleidigen? Du wirst dich bei ihm entschuldigen, denn er hat dir nichts getan. Im Gegenteil, er hilft dir.“
„So schaut das aber nicht aus, was der da macht. Ein reinstes Provisorium aus Rohren ist das. Da kann er es auch lassen“, konterte er.
„Du kannst es nicht mal besser, obwohl du vom Fach bist. Denk mal darüber nach. Vielleicht fällt es dir dann auf“, machte sie weiter.
Darauf begann dann der Streit. Leider lag ihrer Mutter wohl so einiges an ihm, deshalb kam er trotzdem immer wieder und Bobby traute sich langsam nicht mehr auf den Hof.
Die Situation war blöd geworden für beide. Nicht mal Stella fühlte sich noch wohl. Doch ihr kam da eine Idee. In der Ortschaft war eine Wohnung freigeworden, welche man nutzen konnte, wenn man Bedarf hatte – das hieß ohne Kosten.
Stella machte sich weiter darüber schlau, wie sie zu dieser Wohnung kommen könnte. Sie sprach mit dem Herrn, dem diese Wohnung gehörte und so bekam sie heraus, wie das möglich war.
Zumal sie sich auch nicht mehr wohlfühlte, da der Freund ihrer Mutter sie seit dem Tag nicht mehr leiden konnte. Sie steckte in einer blöden Situation und wollte einen Ausweg finden. Auch wenn sie ihr eigentliches Traumzuhause nicht verlassen wollte, hatte sie keine Wahl.
***
So waren es nur wenige Wochen später bis sie vor der Tür ihrer neuen Wohnung stand. Doch diese Wohnung war leer – zu leer und sie war demoliert. Darin hatte schon lange niemand mehr gewohnt und die, die darin gewohnt hatten, waren auch nicht die feinsten Leute gewesen.
Die Fensterrahmen waren vergilbt, man roch etwas Muffiges und die Tapete, da war erst keine dran. Ganz zu schweigen vom Fußboden. Das war der blanke Beton, auf dem man herumlief.
Demnach ging die Arbeit fast wieder von vorne los.
Aber für Stella war das kein Hindernis. Sie wusste, wen sie fragen konnte und damit zögerte sie auch nicht lange. Sie schrieb ihm eine Nachricht, ob er sich einmal ihre Wohnung ansehen würde.
„Natürlich, das kann ich machen. Morgen komme ich mal rum“, schrieb er ihr.
„Ich danke dir, lieber Onkel“, schrieb sie ihm zurück.
Die Zeit verging und der morgige Tag war ran. Stella wartete auf sein Erscheinen. Sie wusste, dass es viel Arbeit war, aber sie wusste auch, dass sie nun selbst Hand mitanlegen konnte und das motivierte sie etwas.
Passenderweise hatte der Mann zwei Wohnungen, die er vermieten wollte, so entschied sie sich erstmal in der oberen zu bleiben, die untere zu renovieren, um dann in diese zu ziehen, da dies ihre Traumwohnung werden sollte.
Ehe sie sich versah, da sah sie ihn kommen. Er stellte sein Fahrrad ab und sie ließ ihn in das Haus hinein. Sie begann mit dem Wohnzimmer.
Bobby sah sich das Wohnzimmer in Ruhe an.
„Tapeziert möchtest du es haben und Laminat als Fußboden, richtig?“
Stella antwortete ihm: „Ja, genau. Ich hätte da auch schon passende Tapete und das Laminat würde ich kaufen.“
Er ging weiter zum Schlafzimmer.
„Hier möchte ich es genauso haben. Laminat und Tapete.“
Er ging in das Kinderzimmer.
„Hier möchte ich es genauso haben. Laminat und Tapete.
Er ging in den Flur.
„Auch nur Laminat und Tapete.“
Im Badezimmer gab es nichts zu machen, daher ging er in die Küche.
„Hier brauchst du nur tapezieren“, sagte sie lächelnd.
„Bist du dir da sicher? Wirklich kein Laminat?“, fragte er spielerisch nach.
„Ja, da bin ich mir sicher. Der Fußboden hier ist zwar nicht der Schönste, doch der kann bleiben. Laminat gehört nicht in die Küche.“
„Du bist mir eine, eine Süße, nicht wahr?“, sagte er schmunzelnd.
Stella konnte seinen Humor jedoch gut teilen. Sie fand sofort die passende Antwort darauf:
„Und du bist ein lieber Onkel, nicht wahr? Dann lass uns mal loslegen, lieber Onkel.“
So holte Stella einen Tapeziertisch hervor, etwas Kleister und die Tapete. Bobby ging in das Bad, um etwas Wasser in einen Eimer zu füllen und den Kleister anzumischen.
Mit dem Eimer mit dem Kleister ging er ins Wohnzimmer. Dort lagen schon die Tapezierbürste und die ausgerollte Tapete bereit.
Kaum hatte er den Eimer abgestellt und wollte sich bei Stella bedanken, dass sie es bereits so schön vorbereitet hatte, da sagte diese: „Ich werde dir noch eine Leiter holen. Die Wände hier sind ganz schön hoch. Da kommst du nicht so schnell ran.“
Kaum war sie weg, war sie auch schon wieder da und stellte die Leiter auf. Die beiden waren jetzt schon ein gutes Team.
Bobby freute sich. Auch wusste er nun, dass seine Entscheidung nicht verkehrt gewesen war, zu ihr zu kommen und ihr zu helfen.
„Das hat sie von ihrer Mutter, dass sie das gut vorbereiten kann. Wie schön.“
Die beiden hatten gemeinsam viel Spaß an dem Tag und witzelten rum.
Stella kam einige Stunden später eine Idee. Sie hatte etwas Glitzer für die Tapete besorgt, damit diese an einigen Stellen nicht so leer wirkte und etwas von dem Glitzer schmierte sie nun auf Bobbys Arbeitsjacke.
„Jetzt mag ich dich gleich noch viel lieber, denn du tust glitzern“, sagte sie zufrieden.
Er schubste sie vorsichtig an.
„Ich bin doch aber kein Mädchen.“
„Dann hast du aber jetzt etwas von einem Mädchen an dir dran“, verbesserte sie.
Ihm gefiel das, auch wenn er es nicht zugab.
„So habe ich immer etwas von ihr an mir dran.“
Dies ging bis spät in den Abend hinein, wo Stella ihm dann, wie gewohnt von ihrer Mutter, Abendessen machte als Dankeschön.
In der oberen Wohnung natürlich, denn dort hatte sie auch schon einige Küchenmöbel und ein Bett zu stehen.
Bobby staunte nur nicht schlecht, als sie ihm fast ein Buffet vor die Nase stellte. Er wusste gar nicht, was er zuerst essen sollte, so viel stand vor seiner Nase.
„Sie macht das schön. Aber hier steht nur ein Teller? Isst sie denn nicht mit mir mit?“
Das wollte er genauer wissen.
„Hast du das alles nur für mich gemacht, weil hier nur ein Teller steht?“
Sie setzte sich auf einen Stuhl.
„Das hast du richtig gesehen. Ich esse abends nichts, weil ich Probleme mit meinem Magen habe und das geht schon eine ganze Weile so. Man hat nie richtig herausgefunden, warum das so ist, aber ich habe letztlich für mich herausgefunden, dass das besser ist“, erklärte sie ihm.
„Deswegen warst du immer müde und hast nicht mit Mutti und mir zusammen in der Küche gesessen“, schlussfolgerte er.
„Ja“, bestätigte sie ihm, „das war auch ein wenig anders gewesen als jetzt. Da hatte ich mich noch nicht so dafür interessiert, was Renovieren und das alles angeht. Doch inzwischen finde ich das ganz interessant und schau dir gerne dabei zu. Auch wenn ich eine Frau bin, kann ich vielleicht etwas lernen.“
Er schmunzelte: „Du kannst mir glauben, du kannst jetzt schon viel. Eine Frau macht normalerweise den Haushalt, während ein Mann sich um die Arbeit kümmert und das Geld verdient.“
Er biss ein Stück von seiner belegten Brotscheibe ab.
„Du mähst den Rasen, kümmerst dich draußen um alles, benutzt sogar den Trimmer und hilfst mir mit. Auch wenn das nur Kleinigkeiten sind, sind das eigentlich Männerarbeiten.“
Stella überlegte kurz gedanklich bei dieser Aussage.
„Er hat recht, anders kann ich das auch nicht sagen, das ist wirklich eine schöne Äußerung.“
„Ich helfe dir gerne dabei. Es macht mir auch Spaß. Außerdem lerne ich dann etwas dazu und kann deine Assistentin sein“, antwortete sie darauf. „Dann lass es dir mal schmecken, lieber Onkel.“
„Das finde ich erstaunlich, dass du so denkst. Nicht jede Frau würde einfach so mitanfassen, besonders dann nicht, wenn es dreckige Arbeit ist“, gab er zu.
Nun redeten sie noch etwas, bis er fertig war mit essen und wieder nach Hause fuhr. Auf seinem Weg dorthin, kamen ihm erste Gedanken.
„Sie ist süß, anders kann ich das nicht sagen. Sie ist meine Süße. Da bin ich schon fast etwas stolz darauf, ihr helfen zu dürfen.“
In Erinnerung an Gaby. Sie hat mich oft zum Lachen gebracht.
Der nächste Tag wurde etwas anders als geplant, denn Gabi war mal wieder zu Besuch und dieses Mal war sie auch bei Stellas Mutter unerwünscht, denn sonst konnte sie sich nicht erklären, wie sie den Weg zu ihr in die Wohnung gefunden hatte.
Jedenfalls war sie an diesem Tag auch da und sorgte nicht nur für Unordnung, sondern auch für Spaß.
„Erstaunlich, dass sie mich gefunden hat“, sagte Stella noch zu Bobby.
„Das muss sie wohl irgendwie mitbekommen haben, dass du nun hier bist.“
„Hallo!“, rief es schon von weitem. „Na, wie geht’s?“
Gabi war auch wirklich unverkennbar und einmalig. So jemanden wie sie, den konnte man nicht überhören.
Allerdings wurde sie von einem Bewegungsmelder erwischt. Dies war ein Vogel, der zwitscherte, sobald man in seine Nähe kam.
„Blöder Vogel, sei ruhig!“, schimpfte sie.
„Hallo Gabi“, begrüßte Stella sie. „Du hast wohl gewusst, dass ich hier bin.“
„Ja, ich habe dich hier gesehen, wie du hierher gefahren bist. Hast aber eine schöne große Wohnung“, antwortete diese und lief schon los, um sich alles anzusehen.
Stella eilte ihr schnell hinterher, ehe etwas passierte. Viel stand nicht in der leeren Wohnung herum, doch wenn sie den Eimer mit dem Kleister umgeschüttet hätte, wäre das nicht so toll gewesen.
Dann hätte die Wohnung geklebt und Gabi vielleicht auch noch am Fußboden.
Doch Gabi hatte da eine andere Idee. Scheinbar hatte sie schonmal gesehen, wie man tapezierte, so nahm sie die Bürste in die Hand, pinselte damit ein kleines Stück Tapete ein und klebte dieses an die Wand.
„Fertig!“, rief sie dann glücklich. „Da kann ich aber noch ein bisschen mehr helfen. Das ist noch nicht schön.“
So nahm sie sich das nächste Stückchen Tapete und klebte das an die Wand.
„So schlecht schaut das gar nicht aus. Eine Wand voller kleiner Tapetenstücken, das hat niemand“, sagte Stella belustigt zu Bobby, welcher nun auch in der Wohnung war.
„Lass sie machen. Ist nicht weiter schlimm. Solange es ihr Spaß macht“, meinte er.
So machte Gabi auch weiter, bis sie nach sechs Tapetenstücken keine Lust mehr hatte und ins nächste Zimmer ging. Doch sie stellte schnell fest, dass alle anderen Zimmer leer waren und es dort nicht viel zu sehen gab.
„Hier ist ja noch gar nichts. Nicht mal ein Stuhl zum hinsetzen“, sagte sie laut.
„Wir sind hier auch noch am Renovieren. Das dauert noch etwas bis wir fertig sind und es hier schöner aussehen wird“, erklärte ihr Stella.
Da kam Bobby eine Idee und er machte einen Witz.
Er nahm seinen Bleistift und malte an die eine noch leere Wand einen Kreis durch den ein Strich verlief. Stella wusste sofort, was er meinte und schmunzelte.
Er fragte Gabi, was das sein sollte, welche keine Antwort darauf wusste und er schließlich selbst die Antwort gab: „Das ist ein Mexikaner auf dem Fahrrad.“ ( -o- )
Gabi lachte in ihrer Manier darauf laut los: „Hahaha.“
Bis sie die beiden ansteckte und sie sich danach wieder beruhigten.
„Dann könnte ich doch mal nach draußen gehen und schauen. Vielleicht ist da was zu tun.“
Stella und Bobby gingen ihr hinterher und schon bald entdeckten sie sie, wie sie auf dem Hof in einen Schuppen hineinging.
„Pfui ist das schmutzig hier!“
Zufälligerweise stand in dem Schuppen ein Besen, welchen sie sich nahm und so begann sie etwas zu fegen, beziehungsweise, Schmutz aufzuwirbeln.
Die beiden amüsierten sich darüber, was sie tat, doch es dauerte nicht lange, da hatte sie anscheint schon genug und suchte sich das nächste Erlebnis.
In der linken Ecke des Hofes war jedoch nichts weiter bis auf drei Stühle und ein Tisch.
So ging sie in die andere Ecke des Hofes, wo ein Tor war, welches auf das Feld hinausführte.
Dieses öffnete sie, doch auch da stellte sie fest: „Viel zu hoch das Gras hier, da kann ich nicht laufen.“
So drehte sie wieder um, ging auf die beiden zu und sagte: „Ich geh wieder heim. Ist langweilig hier. Tschüss.“
Mit diesen Worten und großen Schritten lief sie wieder in Richtung Zuhause.
„Gabi ist einzigartig“, begann Bobby.
„Ja, das ist sie. Jemanden wie sie kann man nicht so schnell vergessen“, bestätigte Stella, während sie zusahen, wie sie langsam in der Ferne verschwand.
Es gab eine Zeit, da war es in dem Dorf sehr still, zu still, um es genau zu sagen. Nichts tat sich mehr, keine Feier, kein Ereignis, die älteren Leute verstarben nach und nach und man glaubte auch, dass das Dorf aussterben würde.
Doch es sollte sich ändern, als ein jüngerer Mann sich entschied, in dem Dorf wieder für etwas Leben zu sorgen. Es war die Zeit vor Weihnachten und was würde sich da besser anbieten, als einen Weihnachtsmarkt für die Leute zu organisieren?
Demnach lag eines Tages ein Flyer in Stellas Briefkasten. Das brachte sie auf eine Idee.
Als Bobby am Nachmittag wieder zu ihr kam, fragte sie ihn: „Möchtest du mit mir auf den Weihnachtsmarkt gehen?“
Etwas fraglich schaute er sie an.
„Wie sollen wir denn auf den Weihnachtsmarkt kommen? Ich habe nur mein Moped und das ist bei dem Wetter ganz schön kalt, um damit zu fahren.“
Laut seinen Worten hatte er wohl nicht mitbekommen, dass es in dem Dorf war, demnach klärte Stella ihn auf: „Der Weihnachtsmarkt ist hier am Gutshaus. Da brauchst du doch kein Moped, um dahinzufahren. Da können wir beide auch hinlaufen.“
„Das habe ich noch gar nicht mitbekommen. Warum sollte ich dann eine Einladung von dir ausschlagen? Ich komme gerne mit dir mit“, stimmte er nun zu.
Stella freute sich und konnte es kaum erwarten, bis der besagte Tag gekommen war.
So wartete sie auf ihn, bis er zu ihrer Wohnung kam und dann gingen sie gemeinsam zu dem Weihnachtsmarkt. Dieser war zwar etwas klein, aber was sollte man bei einem Dorf auch erwarten?
Obwohl er klein war, war es gemütlich. Stella und Bobby fanden sich schnell an der Feuerstelle wieder und auch einige Leute, mit denen sie sich unterhielten. Ganz zu schweigen vom Glühwein, denn Bobby war der erste, der schon nach zwei Gläsern leicht angetrunken war.
Stella merkte es daran, wie fröhlich er war und an seiner Aussprache.
„Es ist schön, dass du mich eingeladen hast, meine Süße. Das Feuer ist warm und diesen Tag mit dir werde ich nicht so schnell vergessen“, sagte er zu ihr.
„Ich wusste, dass dir das guttun würde und ich freue mich auch, dass ich mit dir hierhergekommen bin“, freute auch sie sich.
Allerdings entdeckte Stella nach wenigen Minuten, dass auch ihre Mutter auf den Weihnachtsmarkt gekommen war. Nicht, dass sie sie stören würde, aber sie hatte ihren Freund dabei, welcher den beiden einen bösen Blick zuwarf.
„Na toll. Mutti hat auch den mitgebracht“, flüsterte sie zu Bobby.
Er drehte sich um und meinte: „Solange, wie der kein Ärger macht, muss sie doch wissen, was sie macht.“
Ärger machte der auch nicht. Ihm schien der Weihnachtsmarkt nicht zu gefallen, denn er lief die ganze Zeit über nur mit einem verzogenen Gesichtsausdruck durch die Gegend und blieb auch nicht lange. Stellas Mutter wäre wahrscheinlich noch etwas länger geblieben, doch scheinbar konnte er nicht alleine nach Hause gehen, daher verschwand auch sie wieder nach kurzer Zeit.
So verbrachten sie noch einige gemütliche Stunden am Feuer, sahen zu, wie einige der Männer von ihren Frauen nach Hause geführt wurden, weil diese gar nicht mehr wussten, wo sie hinlaufen mussten, bis sie sich schließlich wieder selbst auf den Heimweg machten.
Stella begleitete ihn erst zu seinem Zuhause. Dort angekommen, verabschiedete sie sich und er sagte noch zu ihr: „Schreib mir bitte, wenn du Daheim bist. Ich möchte es wissen, dass du gut angekommen bist und ich mir keine Sorgen machen muss.“
Sie lächelte.
„Das mache ich.“
Mit diesen Worten machte sie sich auf den Weg und als auch sie ihr Zuhause erreicht hatte, nahm sie sich ihr Handy und schrieb ihm: „Ich bin gut Daheim angekommen.“
„Ich danke dir, Süße und dann wünsche ich dir eine schöne gute Nacht“, schrieb er.
„Wünsche dir auch eine schöne gute Nacht. Es war schön mit dir gewesen.“
Mit diesen Worten beendete sie den heutigen Tag und legte sich in ihr Bett, voller Vorfreude auf den nächsten Tag.
Der nächste Tag brachte Stella ein großes Problem. Als sie früh zu ihren Ponys ging, da erkannte sie schon, dass es bei ihrem einen Pony etwas nass war, wenn nicht sogar zu nass.
Sie hatte ein beheiztes Wasserleitungssystem für den Winter und dieses auch angeschaltet, doch warum war die Wasserleitung nun geplatzt?
Sie kontrollierte das Gerät, es war nicht an.
„Dann kann wohl nur ein Stromausfall gewesen sein und es ist klar, dass es friert und kaputt geht.“
Die Sache war nun ärgerlich, zumal sie jetzt erstmal kein Wasser hatte. Sie drehte die Wasserleitung zu, damit das Wasser nicht noch mehr aus dem Rohr lief und danach schrieb sie Bobby an.
„Du, ich weiß, dass es heute kalt ist, aber ich habe ein großes Problem. Die Wasserleitung bei den Ponys ist geplatzt und nun müsste diese repariert werden.“
Seine Antwort ließ etwas auf sich warten.
Bei den Temperaturen war er auch nicht gerne draußen, doch er überwand sich und so schrieb er ihr:
„Ich bringe meine Heißluftpistole mit und dann komme ich hin.“
Etwas erstaunt, dass er gleich zugestimmt hatte, weil sie eigentlich damit gerechnet hatte, dass er ablehnen würde bei der Kälte, antwortete sie: „Das ist sehr lieb von dir. Ich danke dir und warte hier.“
Als er vor ihr stand, hielt er zwei Wasserpumpenzangen in der Hand und eine Heißluftpistole. Sie erahnte, was er wollte.
„Ich nehme die Heißluftpistole und erwärme etwas die Kunststoffrohre, dass du diese leichter abbekommst“, sagte sie laut.
„Gut mitgedacht“, freute er sich.
Darauf nahm Stella sich das Stromkabel, steckte den Stecker für die Heißluftpistole hinein und hielt diese wie einen Föhn auf die Rohre.
Die Wasserleitung war aus Edelstahlrohren, auf diesen befand sich ein Stromkabel, welches das Wasser erwärmte, darum etwas Isolationsmaterial und darauf nochmal Kunststoffrohre, damit die Ponys das nicht kaputtknabbern konnten.
Aus diesem Grund musste erst das Kunststoffrohr ab, damit sie an die eigentliche kaputte Stelle herankamen.
Doch dies dauerte und dauerte. Das Rohr wurde nicht wirklich heiß. Auch nach einer Stunde hatte Bobby immer noch Schwierigkeiten, das Kunststoffrohr abzubekommen.
Doch er blieb gelassen. Seine Gelassenheit und Ruhe, die er ausstrahlte, waren auch einer der Punkte, weshalb Stella ihn so sehr mochte. Er war ein Gemütsmensch und nicht so schnell reizbar zu bekommen.
„Mache ich irgendetwas falsch?“, fragte sie nach, als sie sah, wie sehr er sich noch immer bemühte.
„Nein, du machst das schon richtig, aber das Rohr wird nicht weich. Warum weiß ich auch nicht.“
So verging eine weitere Stunde bis sich immer noch nichts geändert hatte.
Stella schaltete die Heißluftpistole aus.
„Was machst du denn nun? So wird das doch gar nichts mehr“, sagte er etwas erstaunt.
Sie entgegnete ihm: „Ich habe einen Regler an der Heißluftpistole entdeckt. Der ist auf der geringsten Stufe eingestellt. Kein Wunder, dass dann da nichts passiert. Es ist nicht heiß genug.“
Noch erstaunter sah er sie an, wie sie den Regler nun auf Stufe drei stellte. Sie schaltete die Heißluftpistole wieder an.
„Das mir das nicht selbst nicht eingefallen ist. Ich war wohl etwas abgelenkt“, fragte er sich gedanklich.
„Oh ja, das ist jetzt wirklich heiß. Dann war das einfach nur zu wenig eingestellt“, meinte er nun.
Stella lachte.
„Ist ja nicht schlimm. Gut, dass ich es jetzt herausgefunden habe, sonst hätten wir noch weitere zwei Stunden damit verbracht.“
Fröhlich schubste sie ihn etwas an.
„Hey, du hast aber wirklich gute Laune“, sagte er und schubste sie vorsichtig zurück.
„Weil es Spaß macht, mit dir zu arbeiten. Da kann man nur gute Laune haben“, offenbarte sie.
„…und weil es schön bist, dass du da bist. Da wird mir auch bei der Kälte ganz warm. Da könnten sogar noch zwei Stunden vergehen“, dachte er sich und machte nun weiter, bis er das Rohr endlich abbekommen hatte.
Er machte die Isolation ab, zog danach das Stromkabel etwas raus, sodass er an das Edelstahlrohr herankam und schraubte dieses schließlich ab. Stella ging in der Zeit zum Schuppen und holte ihm ein neues Rohr, welches er an der Stelle befestigte. Er gab ihr das kaputte Rohr, welches sie beiseitelegte und machte sich an die Arbeit. Dieser Vorgang dauerte nicht sehr lange. Kaum war es angeschraubt, da machte er wieder das Stromkabel rauf, die Isolation und zum Schluss das Kunststoffrohr.
„Das ging jetzt schneller, als am Anfang“, stellte Stella fest.
„Manchmal ist das so. Das kann passieren, dass wir das übersehen hatten mit der Heißluftpistole. Hauptsache, die Wasserleitung ist wieder ganz“, entgegnete er.
„Genau so ist es. Ich danke dir“, freute sie sich.
„Ich habe eigentlich zu danken. Auch wenn es kalt war, so hast du mein Herz erwärmt. Ich weiß nicht warum, aber es ist so“, dachte er sich verträumt.
Es gab eine Zeit, da hatte Stella einen kleinen Hund. Diesen hatte sie sich besorgt, damit sie in ihrer Wohnung nicht so alleine war. Der Spitzname für ihren Hund war Miezi – eben, weil sie so klein war.
Eine Katze wollte sie nicht, da bei ihrer Mutter schon einige waren und sie mal etwas Neues ausprobieren wollte. Allerdings hat sie erst hinterher erfahren, dass Bobby wohl nicht so begeistert von Hunden war, da er oft genug schlechte Erfahrung mit diesen gemacht hatte.
Im Dorf hauten öfter mal einige Hunde ab. Ein Kleiner tat dies fast jeden Tag und verirrte sich dabei auch ausgerechnet immer auf seinen Hof. Dieser hat ihm zwar nichts getan, doch dafür ein viel Größerer. Der große Hund stand eines Tages genau vor seiner Haustür. Passenderweise öffnete er diese in dem Moment, wo er daran schnüffelte. Der Hund war erschrocken, bellte ihn an und sprang auf ihn zu, worauf Bobby die Tür so hastig schloss, dass die Glasscheibe zersprungen war.
Ein anderes Mal war er mit seinem Fahrrad unterwegs und da kam ihm wieder so ein großer Hund entgegen, welcher ihn ansprang und er letztlich mit seinem Fahrrad hinfiel.
Stella erhoffte sich jedoch, dass er sich nichts daraus machte. Immerhin war ihr Hund sehr klein und lieb. Er bellte nicht mal, wenn jemand fremdes kam.
Sie war mit ihrem kleinen Hund draußen, als Bobby mit seinem Fahrrad ankam.
„Komm ruhig rein. Sie ist angeleint, da brauchst du dir keine Sorgen machen, dass sie etwas tut.“
„Gut“, antwortete er.
Etwas Unsicherheit konnte man an seinem Blick erkennen, noch dazu lief er sehr langsam und vorsichtig. Stella kam etwas dichter mit der Hündin, welche aufgeregt mit dem Schwanz wedelte. Sie wartete die Reaktion von Bobby ab und war erstaunt, wie er reagierte.
Er ging auf sie zu, hockte sich hin und hielt ihr seine Hand hin, welche die Hündin schließlich ableckte und weiterhin fröhlich mit dem Schwanz wedelte.
„Du bist aber artig und schön weich“, stellte er fest.
Stella freute sich, dass er es ihr nicht Übel nahm und auch keine Angst vor ihr hatte. So nahm sie die Hündin hoch und gab sie ihm in seine Arme.
„Das freut mich, dass du keine Angst vor ihr hast“, sagte sie nun und sah begeistert zu, wie die Hündin ihn ableckte.
„Sie ist auch von dir. Warum sollte ich da Angst haben, wenn sich meine Süße einen kleinen Hund anschafft?“, entgegnete er.
Tatsächlich machte es ihm auch nichts aus. Er arbeitete wie sonst auch weiter an der Wohnung und ließ sich nicht von der Hündin abhalten. Egal, wo sie auch war und schnüffelte.
Es kam sogar der Tag, da ging er mit Stella und ihr zusammen spazieren auf dem Feld.
„Da bekommst du jetzt ein großes Kompliment von mir“, begann sie.
Erstaunt sah er sie an und blieb stehen, was sie auch tat.
„Warum das denn?“
Sie sah ihm tief in die Augen.
„Weil du keine Angst von meinem Hund hast.“
Etwas verlegen senkte er kurz den Kopf, doch dann sah auch er ihr in die Augen.
„Das liegt an dir, Süße. Du hast mich verzaubert. Daher mag ich auch das, was du magst.“
Stella lächelte und umarmte ihn schließlich.
„Ich danke dir, dass du da bist, lieber Onkel.“
Am nächsten Tag wollten sie mit ihrer Arbeit in Sachen Renovieren weitermachen, doch da kam ihnen der Herr, dem das Haus gehörte in den Weg.
Es schien schon fast so, als hätte er auf sie gewartet, als sie beide mit ihren Fahrrädern auf dem Hof ankamen.
Tatsächlich war dem auch so.
Freundlich begrüßte er die beiden, danach wand er sich Bobby zu.
„Ich habe gehört, du kennst dich aus, was handwerkliche Dinge angeht. Dann könntest du mir vielleicht behilflich sein.“
Er drehte sich einen Moment um und zeigte auf die Haustür.
„Leider ist mir der einzige Schlüssel, den ich für dieses Haus habe, verloren gegangen. Ich habe die Tür bis jetzt offengelassen, damit man nicht immer durch den Keller laufen musste. Doch langsam wird das unsicher, wenn hier noch jemand drinnen wohnen möchte.“
Er deutete auf Stella.
„Eigentlich eine ganz nette Geste“, dachte sich diese.
Bobby ließ nicht lange auf sich warten.
„Klar kann ich dir helfen. Hast du denn schon ein neues Zylinderschloss besorgt?“, fragte er ihn.
Etwas fraglich sah er ihn an.
„Ein was?“
„Oh, er kennt sich scheinbar nicht so gut aus“, amüsierte sich Stella in Gedanken.
Er erklärte ihm, was er kaufen sollte und damit war die Sache auch geklärt – oder auch nicht, denn er hatte noch einen weiteren Auftrag für ihn.
„Komm mal mit“, dieser Aufforderung folgte er und der Mann führte beide zu einem alten zerfallenen Blechschuppen.
Während Bobby sofort erkannte, was er ihn wohl fragen wollte, so überlegte Stella noch, da der ganze Schuppen für sie marode wirkte und sie ihn lieber abgerissen hätte, als aufgebaut.
„Ich würde dort gerne ein Dach raufmachen. Ich habe so viele Sachen, die ich hier unterbringen möchte, da würde sich der Platz bestens eignen“, erklärte der Mann.
Bobby nickte, auch wenn man ihm anmerkte, dass er vermutlich ähnliche Gedanken hatte, wie Stella, was den Schuppen anbetraf. Doch da er sehr hilfsbereit und es keine unmögliche Sache war, so lehnte er nicht ab.
„Sag mir nur noch, was du dafür alles bräuchtest, dann könnte ich das noch besorgen“, fragte er ihn nach.
Der Herr besorgte sich einen Zettel und einen Stift und schrieb sich auf, was er noch gebrauchen könnte.
„Dachpappe, Nägel dazu und ein paar Bretter sollten reichen“, erklärte ihm Bobby.
„Alles klar. Dann habe ich das“, bestätigte er.
Er steckte sich den Zettel und den Stift in die Tasche.
„Mal schauen, ob ich es schaffe, dass ich am Freitag kommen könnte, dann könnten wir das anfangen.“
Mit diesen Worten verschwand er wieder und Stella und Bobby gingen endlich in die Wohnung.
„Da sieht es wohl so aus, als wenn du nun noch mehr Arbeit bekommen würdest, nicht wahr?“, begann Stella, während sie die Tapete einstrich.
Bobby war da jedoch sehr entspannt.
„Das wird schon. Allerdings kann ich übermorgen nicht, da muss ich etwas bei mir machen. Also wenn der dann kommt, dann geht das nicht“, antwortete er und nahm ihr eine Tapetenbahn ab.
„Dann bin ich ja traurig, wenn du nicht kommst. Lässt mich ganz alleine hier“, sagte Stella spielerisch.
Bobby lächelte lediglich darauf und sah sie an.
„Du vermisst mich, das sehe ich dir an“, machte Stella weiter.
„Ja, damit könntest du Recht haben“, sagte er zögerlich.
„Damit habe ich auch Recht. Aber mir geht es auch schon so. Ich mag dich, lieber Onkel. Es ist schön, dass du da bist“, entgegnete sie ihm zufrieden.
Er fühlte sich geschmeichelt und fand erst keine Worte, bis er dann doch ein kaum hörbares „Danke“ hervorbrachte.
Nachdem er die Tapete angebracht hatte, da kam ihr eine andere Idee. Er mochte es nicht, wenn man ihm seine Zigarettenschachtel klaute, die in seiner Brusttasche steckte und er hatte Angst vor Spritzen. Doch Stella nutzte genau das, um mit ihm zu spielen. Erst ging sie mit einer Spielzeugspritze auf ihn zu und sagte: „Jetzt bekommst du deine Spritze, um etwas schneller arbeiten zu können.“
Er war schnell genug, riss ihr verlegen die Spritze aus der Hand und steckte diese in seine Tasche.
„Nein, nein, du weißt doch, dass ich keine Spritzen mag. Egal, was es für welche auch sind. Also lass das bitte sein“, sagte er etwas lachend.
„Ich mag aber mit dir spielen“, entgegnete sie.
Als er sich wieder mit dem Tapezieren beschäftigte, schlich sie sich an ihn ran, griff in seine Brusttasche nach seiner Zigarettenschachtel, nahm ihm diese weg und rannte um den Tapeziertisch herum.
„Nun hol dir deine Schachtel wieder“, rief sie fröhlich.
Das ließ er sich nicht zweimal sagen, so rannte er mit ihr mit um den Tapeziertisch herum.
Dies ging so lange, bis er sie schließlich einholte und sie sanft auf den Boden drückte. Er stand nun direkt über ihr und der verliebte Ausdruck in seinen Augen war nicht zu übersehen.
„Sie ist so hübsch und lieb. Es ist schön, dass sie da ist. Aber ich darf nicht daran denken. Ich bin viel zu alt für sie“, dachte er sich.
Während er sich die Worte nur dachte, so lachte sie:
„Gut, du hast deine Schachtel wieder, lieber Onkel.“
Sie gab ihm die Schachtel in die Hand, doch er konnte weiterhin kein Wort sagen.
„Du bist doch ein lieber Onkel, nicht wahr?“, fragte sie nach, ob das für ihn in Ordnung war.
Erst jetzt brachte er hervor:
„Es hat noch nie jemand zu mir lieber Onkel gesagt.“
„Dann freu dich, dass ich es dir sage, denn du bist wirklich so liebenswürdig.“
„Danke, meine Süße“, sagte er etwas verlegen.
Er nahm ihre Hand und half ihr wieder auf.
„Dann lass es uns ein bisschen gemütlicher angehen. Spielen gehört auch mit dazu“, zwinkerte sie ihm zu. „Außerdem bin ich jetzt deine Süße und du bist der liebe Onkel.“
***
Am nächsten Tag hatte der Herr die gewünschten Sachen besorgt und er war mit ihm dabei, das Dach von dem Blechschuppen zu reparieren. Stella hatte sich angeboten, diesen ein bisschen von innen zu säubern, da es darin auch nicht sehr sauber war und sie gerne etwas mithelfen wollte.
Der ganze Hof und auch das Haus waren nicht im besten Zustand. Vermutlich musste er es sehr günstig gekauft haben, so wie das aussah.
Aber es hätte auch noch schlimmer sein können. Immerhin war das Haus trocken und bewohnbar.
Während die beiden die alten Bretter nun hinunterschmissen, räumte Stella diese auf einen Haufen, damit man diese später verbrennen konnte.
Lange dauerte das zu zweit nicht, kaum waren die alten runter, da machten sie schon die neuen Bretter fest.
Ab und zu warf Stella mal einen lächelnden Blick zu Bobby, welcher diesen erwiderte. Das motivierte sie tatsächlich beide, die Arbeit noch schneller zu vollbringen.
Die Zeit verging schnell. Bald war es Kaffeezeit und Stella ging in die Wohnung, um den beiden einen Kaffee und Kuchen vorzubereiten.
Draußen stand ein kleiner Tisch und passenderweise drei Stühle. Sie stellte den beiden alles hin und rief sie danach zu sich.
„Und was ist mit dir?“, kam die Frage von Bobby. „Möchtest du keinen Kaffee trinken und keinen Kuchen essen?“
Stella antwortete rasch: „Nein, mir reicht das, wenn ich früh meinen Kaffee trinke. Kuchen muss nicht sein. Aber ich setze mich gerne zu euch.“
Bobby sagte nichts weiter dazu und dem Herrn schien das auch egal zu sein, denn auch er äußerte sich nicht dazu.
„Ich danke dir, dass du mir hilfst“, sagte er lediglich.
„Kein Problem“, bestätigte ihm Bobby.
Sie aßen gemütlich und redeten eine Weile, bis der Herr sich als erster wieder erhob und weitermachen wollte. Bobby folgte ihm, während Stella das schmutzige Geschirr in die Küche brachte und es abwusch.
Nachdem sie damit fertig war, ging sie wieder nach draußen, um zu schauen, ob sie den beiden noch etwas helfen konnte.
Erstaunt sah sie jedoch, dass diese schon angefangen hatten, die Dachpappe anzunageln, daher konnte sie ihnen erstmal nicht weiterhelfen.
„Dann werde ich etwas anderes tun, als nur hier herumzustehen“, legte sie gedanklich fest.
Nachdem sie ihnen eine Weile dabei zugesehen hatte, beschloss sie, wieder zurück in das Haus zu gehen und machte sich noch etwas ans Putzen, bis es Abend wurde.
„Morgen können wir bestimmt wieder weitermachen. Ich freue mich schon. Es macht Spaß, mit ihm zu arbeiten.“
Sie konnte jedoch nicht erahnen, dass er morgen keine Zeit hatte, um ihr helfen zu können.
„Heute ist ein Ruhetag und Bobby kommt nicht, daher könnte ich vielleicht mal kurz zu ihm gehen und ihm einen Kuchen bringen. Darüber würde er sich bestimmt freuen.“
Mit diesen Gedanken, ging Stella kurz vor Kaffeezeit zu ihm und brachte ihm ein Stückchen Kuchen vorbei. Er hatte ihr gestern Abend noch gesagt, dass er mal etwas bei sich machen müsste und dafür hatte sie Verständnis. Doch sie dachte daran, dass er keinen Kuchen bei sich hatte und wollte ihm daher etwas Gutes tun.
Sie klingelte an seiner Haustür und es dauerte nicht lange, da öffnete sich diese und ein erstaunter Bobby sah ihr entgegen.
„Na, was möchtest du denn bei mir?“
„Ich möchte dir ein Stück Kuchen bringen, dann hast auch etwas Süßes bei dir zum Essen.“
Er wirkte erstaunt und zugleich auch glücklich.
„Das ist aber lieb von dir, dass du das machst, Süße. Dass du da an mich gedacht hast.“
„Du tust mir ein bisschen leid. Du hast ja sonst nichts, wenn du alleine bist und so hast du ein bisschen etwas.“
Sie hielt ihm den Kuchen in einer Schachtel hin und er nahm ihn entgegen.
„Ich danke dir, das ist wirklich lieb von dir, Süße.“
„Das machte ich gerne für dich“, entgegnete Stella. „Dann wollte ich dich nicht weiter aufhalten. Du wolltest ja noch was bei dir machen.“
„Du hältst mich nicht auf, alles gut“, entgegnete er lächelnd.
So kam es dann noch dazu, dass die beiden doch einige Zeit miteinander redeten, ehe Stella sich wieder auf den Weg zu ihrer Wohnung machte, um weiter zu putzen.
Vermutlich hat das Reden Gefühle in ihm ausgelöst, denn sonst konnte sich Stella nicht erklären, warum er wenige Stunden später plötzlich doch vor ihrer Wohnung stand.
Sie befand sich in der Küche und säuberte den Boden, als sie auf einmal eine Stimme von draußen hörte: „Hey Süße, machst du mir einen Kaffee?“
Es war zwar schon etwas nach der eigentlichen Kaffeezeit, aber nicht ungewöhnlich.
Sie hatte das Fenster geöffnet und erkannte seine Stimme sofort. Darauf stellte sie ihren Wischer beiseite und sah aus dem Fenster.
Erstaunt antwortete sie ihm: „Ich dachte, du wolltest heute nicht kommen?“
Darauf antwortete er etwas verlegen: „Nun ja, weil wir so lange geredet hatten und daher dachte ich, ich komme mal doch nach vorne. Vielleicht braucht er noch meine Hilfe.“
Das waren seine ersten Zuwendungen zu ihr, die sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht für voll genommen hatte, weil sie sich schon zu der Zeit in dem Haus ihrer Mutter gut verstanden und herumgealbert hatten, war das nichts Neues für sie.
„Ich mach dir gerne einen Kaffee. Er ist hinten bei der Garage, da kannst du ihm helfen“, freute sie sich.
Lächelnd ging sie zurück, während er nach hinten ging.
Als die beiden fertig waren mit der Arbeit für diesen Tag und der Abend heranrückte, da wollte auch er bei Stella nicht gehen und sie redeten – allerdings ließ sie ihn um 20h gehen, denn solange wollte sie es auch nicht übertreiben.
Das ging auch die ganzen folgenden Tage so weiter, dass er kam und lange mit ihr redete, bis ihn eines Tages seine Gefühle überwältigten.
Er hatte inzwischen das Dach auf dem Blechschuppen vollendet und konnte nun bei ihr in der Wohnung weitermachen mit dem Tapezieren.
Sie saßen in der Küche, es war 19h.
Er schäkerte mit ihr.
„Sag schon, was magst du am liebsten?“, begann er.
Die beiden hatten etwas Alkohol getrunken und Stella noch etwas mehr.
„Du möchtest mich wohl anfassen? Dann zeig ich dir das, wie das geht“, sagte sie auffordernd.
Sie erhob sich von ihrem Stuhl und setzte sich auf seinen Schoß. Nun saßen die beiden sich ganz nah.
In seinen blauen Augen konnte man trotz des schwachen Lichtes sehen, dass darin die Liebe war.
Sie zappelte etwas auf seinem Schoß herum und er streichelte vorsichtig mit seinen Händen an ihrem Pullover entlang. Dabei entwickelten sich für ihn immer mehr Gefühle.
„Ich sollte es probieren. Mehr als nein kann sie nicht sagen. Was soll schon geschehen?“
Er traute sich schließlich, ihr die Frage zu stellen: „Darf ich mit dir kuscheln? Wir beide bei dir in deinem Bett, das ist etwas Schönes.“
Stella überlegte nicht lange, auch wenn sie etwas voller Alkohol war, denn sie wusste, dass er ein liebevoller und vorsichtiger Mann war, daher stimmte sie zu.
„Dann trage mich ins Bett, lieber Onkel und lass uns kuscheln“, lächelte sie ihn mit ihren blauen Augen an.
Er erwiderte ihr Lächeln und fühlte vorsichtig unter ihrem Hemd, bis er sie anfassen konnte.
Er fühlte so vorsichtig mit seinen Fingerspitzen voran, bis er an ihrer Unterhose ankam. Diese umgriff er und sie spürte einen Druck. Danach hob er sie vorsichtig hoch und trug sie in ihr Bett. Dort legte er sie schließlich hinein und sich mit dazu.
„Was ist das nur für ein schönes Gefühl. Da ist wieder jemand, auf den ich aufpassen kann“, dachte er.
In dem Raum war es dunkel. Es leuchtete nur der Vollmond in das Zimmer. Die Atmosphäre hatte etwas Magisches an sich. Dadurch, dass es dunkel war, schien sich Bobby auch noch mehr zu trauen – mehr als je zu vor. Er tastete sich behutsam von oben nach unten zu ihr und sie erwiderte seine Geste.
Er streichelte sie, sie streichelte ihn und sie lagen dicht beieinander – die Liebe stieg langsam auch in Stella auf. Alle beide genossen den Moment bis ins kleinste Detail.
„Er ist wirklich so ein liebenswürdiger Mann. So jemanden zum Kuscheln hätte ich mir nicht träumen lassen. Aber, dass es ausgerechnet er geworden ist.“
Das, was an diesem Abend geschehen war, veränderte Stellas Leben. Sie wusste nun, um was es ging und ob sie dies teilen möchte. Dort war jemand, der liebevoll war, sich um sie kümmerte und für den sie Gefühle hatte.
So kam es dazu, dass die Abende, nachdem er bei ihr in der Wohnung etwas gemacht hatte, länger wurden und sie diese mit Kuscheln verbrachten.
Bobby traute sich immer mehr zu und schon bald hatten sie ihre erste gemeinsame Nacht unbekleidet hinter sich gebracht.
Sie legten sich nach 19h gemeinsam ins Bett und er fragte sie jedes Mal, bevor er ein weiteres Kleidungsstück von ihr auszog: „Darf ich?“
Allein diese Geste verzauberte sie, denn sie mochte es, weil er wirklich sehr vorsichtig war mit allem, was er tat.
Ganz im Gegenteil zu den Worten von ihrer Mutter, die von seiner damaligen Freundin erfahren hatte, dass er wohl etwas grob war, was Liebe und so betraf.
Wo wir da von seiner damaligen Freundin sprechen,
er hatte sie damals verloren, kurz bevor er sie heiraten wollte und zog ihre drei Kinder alleine auf. Das muss ihm auch nicht leichtgefallen sein. Weil er ein Familienmensch war und nicht alleine sein wollte. Ein schlimmes Schicksal war das.
Jedenfalls war er kein Grobian. Vielleicht machte das auch sein Alter, weil er schon 59 und deswegen etwas ruhiger geworden war.
Stella genoss jeden einzelnen Moment mit ihm, bis sie eines Tages richtig miteinander schliefen.
Sie konnte es gar nicht in Worte fassen, weil sie diesen Moment so schön fand. Die Berührungen von ihm, seine Küsschen.
Wahrscheinlich war es für sie auch so schön, weil sie das bisher nur anders kennengelernt hatte und er es so gut umsetzte.
Hier mal einer dieser Tage zusammengefasst, am Abend, nach der Arbeit:
Bobby: „Das war ein leckerer Kuchen, den du für mich gemacht hast. Danke dir.“
Stella: „Das habe ich doch gerne für dich getan und es freut mich, wenn er dir schmeckt.“
Sie erhob sich von ihrem Stuhl, eilte schnell zu ihm, setzte sich auf seinen Schoß und überfiel ihn mit Küssen.
„Hey, was ist denn los mit dir?“
Bobby war erstaunt und zugleich etwas beschämt, doch letztlich lachte er über ihr Verhalten.
„Du bist ganz schön liebebedürftig, nicht wahr?“
Stella hörte auf mit ihren Kussattacken und sah ihn an.
„Na, von wem kommt das wohl? Das kommt von dir, du hast mich verändert, sodass ich es genieße und ich weiß, wie schön dieses Gefühl ist.“
Bobby lächelte sie an, dabei konnte man seinen verliebten Ausdruck nicht übersehen. Doch Stella fiel da noch etwas anderes auf, als er lächelte. Sie versuchte, ihre Frage nicht unhöflich zu stellen.
„Was hast du denn gemacht, dass dir ein Zahn fehlt?“
Ein wenig unprofessionell fand sie die Frage schon, denn er wirkte auch etwas angespannt.
Für einen Moment sagte er gar nichts, sah sie nicht an, sondern hielt sie nur an den Armen fest.
Sie flüsterte: „Wenn du mir es nicht sagen möchtest, ist es auch nicht schlimm. Ich mache mir nur Sorgen.“
Er sah sie weiterhin nicht an und antwortete leise: „Ich mag Ärzte und sowas nicht. Deshalb.“
Sie verstand und damit er sich nicht noch unwohler fühlte, wechselte sie geschickt das Thema.
„Du, das ist nicht einfach mit mir, dass man mich dazubekommt, dass ich so lieb bin. Du bist so zaghaft und vorsichtig.“
Danach nahm er sie noch fester in seine Arme und sagte leise: „Dankeschön, das hat noch nie jemand zu mir gesagt.“
Sie gaben sich einen Kuss und genossen diesen Moment, ehe sie ins Bett gingen.
Seit diesem Zeitpunkt blieb er auch über Nacht bei ihr und sie konnten die Stunden genießen – bis die beiden glücklich einschliefen, Hand in Hand.
Lange konnten sie diese schönen gemeinsamen Momente jedoch nicht weiterführen. Denn der Herr, dem diese Wohnung gehörte, gehörte leider doch nicht der freundlichsten Sorte an. Stella war er von Anfang an etwas komisch gewesen.
Es schien ihm nicht zu passen, dass Bobby so lange bei ihr war. Auch wenn das eigentlich keine Rolle spielte, weil er mit ihr nichts weiter zu tun hatte.
Das auch noch, obwohl er ihm bei dem Dach geholfen hatte und dem Auswechseln des Türschlosses.
Eines Tages erhielt Bobby eine Nachricht von dem Herrn: „Komm bitte nicht mehr hier her. Ich habe keine Würstchen mehr.“
Was die Würstchen damit zu tun hatten?
Manchmal bot er ihm an, wenn er von der Arbeit wiederkam, dass er ein Brötchen mit einem Würstchen essen konnte – für Bobby war das zwar nicht so der Knaller, doch er nahm das Angebot immer an (auch wenn da viel zu viel Senf drauf war).
Es ging nach dieser Nachricht nicht mehr lange gut. Stella hatte die erste Diskussion mit dem Herrn, welchen sie letztlich noch vom Gegenteil überzeugen konnte und er Bobby folgende Nachricht schrieb, nachdem er zuvor das geschrieben hatte:
„Von nun an bin ich nicht mehr auf deine Hilfe angewiesen, bleibe Zuhause. Ich brauche das nicht.“
Ja, er war sehr verärgert und dann verzichtete er auf „Hallo“ und „Tschüss“. Aber die Nachricht zur Wiedergutmachung war auch nicht viel besser:
„Hallo Bobby, ich hatte nur keine Würstchen mehr, deswegen war ich so. Du darfst wieder kommen.“
Die Ausrede war echt perfekt, was anderes ist ihm nicht eingefallen.
Als Bobby diese Nachricht erhielt, konnte er sich schon denken, dass das nur ein Hirngespinst von ihm war. Stella redete mit ihm darüber.
„Ich musste das zweimal lesen. Er hatte keine Würstchen mehr, das war der Grund?“
„Das war doch nur eine Ausrede“, lachte sie.
„Das habe ich mir auch gedacht, ist ihm wohl nichts Besseres eingefallen.“
Es dauerte jedoch nicht lange, nur zwei Tage später, da redete der Herr erneut mit ihr und dieses Mal in einem sehr ernsten Ton. Es schien wohl Eifersucht gewesen zu sein, weswegen er sich so aufführte:
„Ich glaube dir nicht mehr, dass dies nur ist wegen dem Kaffee und Kuchen. Ich glaube, dass da etwas zwischen euch ist. Ich habe meine Hand an die Wand gehalten und diese hat gewackelt. Von nun an bekommt er Hausverbot von mir.“
Stella wusste bei diesen Worten nicht, was sie mehr wunderte: die Sache, dass er sie am liebsten auch rausgeschmissen hätte, laut seinem Blick oder die Geschichte mit der wackelnden Wand.
Wie sollte das denn bitte gehen?
Stella war mit Bobby zwar zu diesem Zeitpunkt noch in der Wohnung neben ihm, doch das Schlafzimmer war der letzte Raum in der Wohnung, davor kam noch das Wohnzimmer. Das heißt, er hätte das durch zwei Wände gefühlt.
„So ein Schwachsinn“, sagte Bobby dazu.
Mehr konnte Stella dazu auch nicht sagen. Auf so eine blöde Idee konnte man doch nicht kommen.
Daher wollte sie sich damit nicht weiter befassen. Sie wusste nur, von nun an war es nicht mehr so einfach, wie es einmal gewesen war.
Wie sollte sie sich denn jetzt noch mit Bobby treffen?
Bei ihrer Mutter ging es nicht, die hatte immer noch den komischen Freund.
Bei ihr in der Wohnung ging es nun auch nicht, weil der Herr ein Problem mit ihm hatte.
Hieß das wirklich, dass sie sich nie wieder mit ihm abends treffen konnte?
Nein, das wollte sie nicht. Koste es, was es wollte.
Sie hatte sich in Bobby verliebt und er sich in sie, da sollte es nicht an einem Nachbarn scheitern, der ihnen das verbieten wollte.
Sie wusste, was sie tun konnte, auch wenn es riskant war und sie damit die Wohnung aufs Spiel setzte – doch das war es ihr wert.
Die geheimnisvollen Treffen, dass bis auf den Herrn niemand wusste, dass sie inzwischen ein Pärchen waren, wollte sie nicht aufgeben.
Denn ihre Beziehung war etwas Besonderes.
Wenn nicht sogar etwas ganz Besonderes.
Nach diesem Vorfall war nicht nur Bobby zutiefst enttäuscht. Doch er war eher der Typ, der dann nachgab, wenn es ein Verbot gab und es nicht weiter versuchte.
Stella wusste jedoch, wie sie es machen konnten, dass sie sich noch treffen konnten. Noch dazu gehörte sie zu den Kämpferinnen und ließ sich nicht sagen, was sie zu tun und zu lassen hatte.
Ein Glück hatte er es wenigstens geschafft, die Wohnung bis zum letzten Raum fertig zu renovieren, sodass dieses Hindernis überwunden war. Als Ausrede konnte sie das nun nicht mehr nehmen, dass er das noch fertig machen musste.
Selbst wenn, dann hätte es den Herrn auch nicht interessiert, was und warum.
Doch sie wusste, zu welchen Zeiten der Herr immer da war und zu welchen Zeiten nicht. Das war bei ihm einheitlich, wann das war. Tagsüber war er arbeiten und freitags fuhr er zu seinem anderen Zuhause.
So traf sie sich mit Bobby eines Tages in ihrer Wohnung, als er noch arbeiten war und erklärte ihm das weitere Vorgehen.
„Freitagabend können wir uns noch treffen, denn da fährt er immer in seine Wohnung. Meist kommt er dann Sonntag wieder. So hätten wir dann zwei Tage für uns. Das könnten wir nutzen.“
Bobby war sich da jedoch nicht so sicher, man merkte es ihm an. Auch wenn er es toll fand, wie sie versuchen wollte, eine Lösung zu finden und er die schönen Stunden auch nicht aufgeben wollte.
„Du weißt doch, dass ich nun Hausverbot bekommen habe und wenn er mich dann doch erwischt, dann bekommst du Ärger und das möchte ich nicht“, sagte er etwas zögernd.
„Du kannst mir vertrauen. Ich werde es dir nur schreiben, wenn ich es ganz sicher weiß, dass er nicht kommt“, entgegnete Stella.
Er war sich weiterhin unsicher, doch er sagte kurz:
„Na gut. Ich glaube dir.“
So wagten sie sich auch an den ersten Versuch. Stella versuchte herauszubekommen, ob er tatsächlich nicht am Freitag da sein würde, indem sie ihm eine Nachricht schrieb:
„Hallo, kommst du am Sonntag wieder?“
Besonders einfallsreich war das nicht von ihr gewesen, doch für so jemanden wie ihn, hatte es gereicht.
Die Antwort ließ etwas auf sich warten, doch sie kam:
„Ja, ich bin am Sonntag wieder da, muss noch etwas in Berlin erledigen.“
So einfach hatte sie sich das auch nicht vorgestellt, doch immerhin konnte sie so die Zeit mit Bobby genießen, auch wenn er an diesem Abend etwas angespannt war. Die beiden lagen im Bett.
„Du bist dir wirklich sicher, dass er nicht kommt?“
Diese Frage stellte er ihr mehrere Male, doch sie antwortete ihm auch mehrere Male:
„Mach dir keine Gedanken, das wird schon.“
Stella streichelte ihn auf der Wange, worauf er lächelte.
Es dauerte seine Zeit, bis er sich so beruhigte, dass sie eine schöne Nacht hatten und diese genießen konnten. Er hatte Angst, dass sie Ärger bekommen würde und das wollte er nicht, deswegen brauchte er eine Weile, um sich zu beruhigen.
„Ich freu mich, dass du da bist“, flüsterte Stella.
„Ich freu mich, dass wir uns noch sehen können. Ich wäre traurig gewesen, wenn es nicht mehr geklappt hätte. Trotzdem habe ich ein ungutes Gefühl, dass er kommen könnte“, flüsterte er zurück.
„Mach dir da keine Gedanken. Lass uns die Zeit genießen. Ich kann es kaum erwarten.“
Mit diesen Worten kuschelten sie sich dicht aneinander, sie waren inzwischen unbekleidet und fühlten ihre gegenseitige Wärme. Es war dunkel, der Mond war an diesem Tag nicht so hell wie sonst, doch trotzdem spürten sie das schöne Gefühl.
Ihre Hände strichen aneinander entlang, von oben nach unten und Stella legte sich schließlich auf ihn hinauf, sodass sie ihn voll und ganz spürte.
Sie genossen jede einzelne Sekunde, die sie gemeinsam haben durften. Beide spürten regelrecht, wie sich ihre Herzen erwärmten.
Stella war die erste, die den Schritt machte und das, obwohl sie erst nach ihm Gefühle bekommen hatte.
„Ich liebe dich“, flüsterte sie ihm zu und sah in seine blauen Augen.
Er zögerte etwas mit seiner Antwort.
„Ich darf sie nicht lieben. Sie ist viel zu jung für mich. Aber ich möchte sie lieben.“
Er sah nun auch in ihre blauen Augen und er fühlte, wie es in seinem ganzen Körper kribbelte. Dieses schöne Gefühl hatte er schon lange nicht mehr erleben können. Viel zu lange nicht mehr. Für ihn war das wie ein schöner Wunsch, der in Erfüllung gegangen ist nach all der Zeit der Einsamkeit.
„Ich liebe dich“, flüsterte er und gab ihr einen Kuss.
***
Die nächste gemeinsame Nacht, oder besser gesagt, der Abend verlief nicht ganz so romantisch, denn Stella bekam immer mehr den Eindruck, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Körperlich zumindest.
So war es nicht nur ein Zahn, der ihm fehlte, sondern inzwischen zwei. Auch wirkte er etwas erschöpfter als sonst. Ihm schien die Energie zu fehlen.
Sie sprach ihn darauf an, als sie noch angezogen im Bett saßen.
„Ich weiß, dass du Angst hast“, begann sie vorsichtig. „Aber es wird dadurch nicht besser. Eines Tages hast du keine Zähne mehr, aber viel schlimmer könnte es sein, dass du davon eine Blutvergiftung bekommst durch die Keime, die du im Mund hast.“
Sie sah ihn besorgt an. Er sah sie nicht an.
„Versteh mich nicht falsch. Ich mach mir Sorgen und möchte dir helfen, deswegen sage ich das. Ich komm auch mit dir mit und bin bei dir, das wird dir helfen.“
Er antwortete nicht darauf.
„Glaube mir, es ist wichtig, dass du etwas tust und nicht abwartest. Das kann gefährlich werden.“
Seinen Ausdruck konnte man nicht richtig einschätzten. Man wusste nicht, ob er verärgert oder traurig war.
„Du musst mich nicht küssen. Ich weiß das, dass es so ist, aber ich kann mich nicht überwinden“, sagte er leise.
Sie gab ihm einen Kuss als Beweis.
„Ich liebe dich trotzdem, aber ich mache mir Sorgen. Das solltest du schon verstehen.“
Er lächelte sie schwach an und sagte nichts dazu.
„Weißt du, es ist nicht einfach, in ein Krankenhaus oder zum Zahnarzt zu gehen. Das sind Dinge, die du nicht magst und die möchte ich dir auch nicht antun.
Doch manchmal muss es sein, wenn man noch lange leben möchte. Ich war auch mal in der Situation, dass es mir sehr schlecht ging und ich fast mein Leben verloren hätte.“
Er hörte ihr ruhig zu.
„Ich hatte damals zu viele Pilze gegessen. Ich hatte viel zu viel Appetit darauf und es übertrieben. Das wäre mir dann fast zum Verhängnis geworden, weil ich daran gestorben wäre, hätte man mir nicht im Krankenhaus geholfen.“
„Das war dir nicht leichtgefallen, das glaube ich. Aber ich bin froh, dass du noch da bist“, sagte er nun.
„Ich bin auch froh, dass du noch da bist, aber denke doch mal bitte darüber nach.“
Stella wusste, dass sie ihn nicht überzeugen konnte, doch es musste doch eine Möglichkeit geben, dass er sich mal untersuchen lassen würde.
Jedes Mal wich er ihren Fragen jedoch aus und sie wusste nicht mehr, wie sie an ihn rankommen sollte.
Vielleicht half da einfach noch etwas abwarten.
***
Stella hatte meist lustige Ideen drauf, wenn es darum ging mit amüsanten Dingen, Bobby etwas zum Lachen zu bringen. So hatte sie sich während der Zeit ausgedacht, dass sie nicht oben auf die Toilette gehen konnte, sondern nur unten.
Demnach ging sie jedes Mal nach unten in die Wohnung, nur um dort auf die Toilette gehen zu können. Egal, ob groß oder klein.
Doch irgendwann wollte er genauer wissen, warum sie das machte.
„Was ist denn hier in der Toilette, dass du extra jedes Mal nach unten gehst?“, fragte er sie.
„In der Toilette ist ein Piranha Fisch“, antwortete sie knapp.
„Ein Piranha Fisch?“, fragte er ungläubig nach.
Sie lächelte lediglich.
„Das gehe ich mir mal ansehen“, sagte er und stand darauf auf, um zur Toilette zu gehen.
Stella folgte ihm. Dort angekommen, öffnete er den Toilettendeckel. Nichts war zu sehen.
„Ich war doch hier auch schon auf Toilette, da ist kein Piranha Fisch drin“, meinte er und sah sie an. „Zumindest habe ich noch nie etwas gemerkt.“
Sie sagte weiterhin nichts, sondern lächelte nur.
„Du tust mich doch nur reinlegen“, neckte er sie.
Nun schmunzelte sie.
„Ich habe doch gesagt, ich gehe hier nicht mehr auf Toilette, weil der mich in meinen Po beißt.“
„Du bist mir eine.“
Er schüttelte belustigt mit dem Kopf.
„Magst es mir wohl nicht sagen, warum das so ist.“
Bobby piekte sie nun leicht in die Rippen, sodass sie lachte.
„Ich sagte doch, der beißt mich in den Po und das macht mich nicht froh“, sagte sie lachend.
Er kitzelte sie nun.
„So, so. Er beißt dich in den Po. Das kann ich auf andere Weise.“
Nun schupste er sie vorsichtig Schritt für Schritt ins Schlafzimmer und die beiden lagen schließlich im Bett und amüsierten sich noch eine ganze Weile, ehe sie glücklich zusammengekuschelt einschliefen.
***
Ein Erlebnis war noch an einem schönen warmen Sommerabend, wenige Tage danach. Stella befand sich im Pool, welcher durch eine Heizpumpe eine Wassertemperatur von 32 Grad hatte. Es war sehr warm und angenehm.
Bobby hatte sie zuvor geschrieben, dass er sich eine Badehose mitbringen sollte, worauf er nur „Okay“ antwortete.
Sie sah ihn in der Ferne mit seinem Fahrrad kommen und wusste, nun sollte sie sich etwas verstecken. Der Pool war zwar hoch, sodass sie nur den Kopf etwas ducken musste, doch ihr gelang der Versuch sofort.
Sie hörte seine Schritte, wie sie näherkamen und er in Richtung Schuppen lief. Da hob sie blitzschnell ihren Kopf und erschreckte ihn.
„Hallo lieber Onkel!“, rief sie fröhlich.
So, wie er sich immer erschreckte, war das ganz amüsant, denn er erschreckte sich wirklich mit Zucken und erschrockenem Ausdruck.
„Du warst da drin. Nun erschreck mich doch nicht so“, brachte er hervor.
„Du kannst dich aber so schön erschrecken, da macht das spaß“, entgegnete sie belustigt und spritzte etwas Wasser auf ihn.
„Du, pass bloß auf. Ich komm auch gleich da rein.“
Nachdem er sein Fahrrad im Schuppen abgestellt hatte, zog er sich seine Badehose an und kam zu ihr ins Wasser.
„Puh, das ist aber doch etwas kalt“, meinte er.
Ein wenig entsetzt sah sie ihn an.
„Das Wasser hat 32 Grad, das ist nicht kalt. Aber vielleicht hilft dir ja meine Wärme.“
Es dauerte noch einen kurzen Moment, bis er im Wasser war. Sie ließ ihm auch noch kurz die Zeit, sich etwas aufzuwärmen, ehe sie auf ihn zuging.
So ging sie langsam dichter an ihn heran und umarmte ihn.
„Genau, deine Wärme geht ins Herz“, sagte er leise.
„Das habe ich dir doch gesagt. Bei mir ist dir niemals kalt, denn da scheint im Herzen immer die Sonne, nicht wahr?“, verdeutlichte sie ihm.
„Dem kann ich nur zu stimmen.“
Die beiden tauchten letztlich ganz in das Wasser ein und küssten sich noch einmal, eher sie den Pool verließen und sich langsam auf den Weg in das Haus machen.
„Das war eine schöne Idee von dir gewesen, Süße“, bedankte er sich.
„Es ist immer schön, wenn du da bist“, entgegnete sie lächelnd. „Egal, wo wir beide auch sind.“
Als wenn der Herr sich dies jedoch schon gedacht hatte, so blieb er nun häufiger in seinem Haus und fuhr nicht mehr nach Berlin. Meist fuhr nur noch am Wochenende nach Berlin.
Für Bobby und Stella war das natürlich nicht einfach, weil so konnten sie nun nicht ihr Liebesleben ausleben. Zumindest nicht in echt, virtuell aber schon. Daher schrieben sie sich viele Nachrichten.
„Ich fühle mich schlecht, weil du auch so doll Ärger bekommen hast. Entschuldige“, schrieb er ihr eines Abends.
„Da mach dir mal keine Gedanken“, schrieb sie zurück. „Wir können uns noch schreiben, das wird uns niemand nehmen.“
Es dauerte einen kurzen Moment, bis die nächste Nachricht kam.
„Ich würde so gerne wieder bei dir sein. Es war so schön neben dir zu liegen, deine Wärme und Nähe zu spüren, dich zu streicheln und für dich da zu sein.“
„Ich fand es auch schön mit dir gestern. Da war sogar der Kuchen unwichtig. Nur wir beide und die Liebe“, antwortete sie darauf.
Doch ihn schienen ihre Nachrichten noch heißer gemacht zu haben, so schrieb er: „Ich bin ganz heiß, was machst du mit mir und ich schmelze in deinen Armen dahin. Das ist so schön.“
Sie erwiderte seine Worte.
„Ich möchte auch gerne bei dir sein. Kuscheln, küssen, drücken, in deinen Haaren wuscheln.“
An einem anderen Tag schrieb er ihr folgendes: „Mein Gedanke war bei dir, dass du mich anschreiben tust und der war richtig.“
Stella freute sich über seine Nachricht und antwortete sofort: „Das ist unsere Gedankenübertragung. Man merkt, wenn mit dem anderen etwas ist oder man bei ihm sein möchte – in genau diesem Moment.“
„Das sind wahre Worte von dir. Ich möchte meine Gefühle auch in der Ferne bei dir lassen“, schrieb er. Ehe sie ihre Nachricht eintippen konnte, kam noch eine von ihm: „Ich mag euch beide, mit vollem Herzen.“
Stella lächelte und antwortete ihm: „Es war schön, dass wir uns gestern wiedersehen konnten. Die Zeit vergeht dann immer viel zu schnell.“
„Das kannst du laut sagen. Ich habe dich eben liebgewonnen. Du bist etwas Besonderes.“
Sie schickte ihm darauf ein Küsschen und er ein großes klopfendes Herz mit dem Text: „Wenn du Liebe meinst, ich auch. Jeder Moment mit dir ist etwas Besonderes, das kann ich nur so sagen.“
War Bobby jedoch bei seiner Schwester zu Besuch, so musste er sich mit dem Schreiben zurückhalten, weil sie ihn sonst fragte, was er da tat.
„Mit wem schreibst du dich denn da immerzu?“
- „Mit meiner Süßen.“
Natürlich hatte er so nicht geantwortet, sondern so: „Das ist nur die Tochter der Nachbarin, mit der ich mich schreibe.“
Seine Schwester wagte einen Blick über seine Schulter und entdeckte dabei ein Bild von ihr im Kleid.
„Das sieht aber schön aus“, sagte sie erstaunt dazu.
Bobby war das jedoch etwas unangenehm, darauf zu antworten, so sagte er: „Ja, sie schickt mir das manchmal und dann freue ich mich darüber.“
„Das ist doch nett, wenn sie das macht. Dann hast du auch mal jemanden, mit dem du reden kannst.“
Er sagte nichts weiter dazu, aber dachte sich etwas.
„Gar nicht so einfach, es vor ihr zu verstecken. Da muss ich wirklich sehr aufpassen.“
Am nächsten Tag, den er bei seiner Schwester verbrachte, hatte er ein anderes Problem. Denn nun funktionierte bei ihr das Internet nicht und so konnte er Stella keinen guten Morgen Gruß bestellen, was ihn sehr ärgerte.
„Was bist du denn heute so nervös? Rennst schon die ganze Zeit hin und her“, fragte ihn seine Schwester, als sie merkte, wie er unruhig von Raum zu Raum lief.
„Ach, nichts“, brummte er lediglich.
Sie fragte nicht weiter nach, weil sie wusste, dass man mit ihm schlecht reden konnte, wenn er nicht gut drauf war.
Er ärgerte sich weiter darüber, doch er konnte nichts daran ändern, da weder er noch seine Schwester Bescheid wusste, wie man die Verbindung zum Internet wieder herstellen konnte, sollte es mal ausfallen.
So musste er sich bis zum Abend gedulden, als er wieder Zuhause war. Dort angekommen, erreichten Stella drei Nachrichten von ihm auf einmal.
„Gute Nacht wünsche ich dir“, „Einen schönen guten Morgen wünsche ich dir“ und „Es tut mir leid. Habe schlechte Verbindung.“
Sie antwortete ihm: „Schön, dass du wieder daheim bist. Es war bestimmt ärgerlich, dass du keine Verbindung hattest.“
Erstaunt antwortete er: „Woher wusstest du das, dass ich keine Verbindung hatte?
Ja, das war nicht nur ärgerlich. Mir hat etwas gefehlt und das war das Schreiben mit dir. Das war richtig blöd. Ein komisches Gefühl.“
Sie antwortete ihm: „Das war Gedanken-übertragung. Daher habe ich das gewusst.“
Darauf schickte sie noch eine Nachricht hinterher.
„Nun können wir uns wiedersehen. Wir können uns liebhaben, kuscheln, drücken, anfassen, festhalten und den anderen spüren. Das ist noch schöner, als schreiben.“
Er lächelte, während er die Antwort schrieb: „Da ist jemand, der für mich da ist, der lieb zu mir ist und diesen jemanden möchte ich auch liebhaben. Das ist kein anderer als du, meine Süße.“
Selbst wenn der Herr doch in Berlin war und es eigentlich keinen Grund gab, dass die beiden sich nicht sehen konnten, so gab es doch einen Grund. Leider konnten es einige Dorfbewohner nicht lassen, dass sie Bobby beobachteten, während er so spät von seinem Zuhause wegfuhr. Sie taten ihm zwar weiter nichts, doch ihm war es unangenehm, dass er beobachtet wurde.
So erklärte er dies eines Tages Stella, welche sich selbst nichts daraus machen würde, doch Verständnis für ihn hatte. Daher wollte er auch künftig nur dann sein Haus verlassen, wenn ihn wirklich niemand sehen konnte, wie er es verließ.
Er schrieb ihr eine Nachricht: „Darf ich zu dir kommen?“
„Natürlich, darfst du kommen. Ich warte auf dich“, antwortete sie ihm in Vorfreude.
So ging er hinaus, um sein Fahrrad zu holen, doch als er es nach vorne schieben wollte, da hörte er ein Geräusch. Einer der Nachbarn gegenüber war am Blumengießen.
„Na gut, das wird ja nicht so lange dauern.“
Demnach wartete er einige Minuten ab, bis der Nachbar verschwunden war. Doch kaum war er weg, hörte er seinen Nachbarn nebenan, wie dieser hinausging und scheinbar das Gleiche tat.
„Na toll. Als wenn die sich abgesprochen hätten.“
Wieder wartete er einige Minuten ab, bis er fertig war und machte sich dann auf den Weg zu seinem Tor. Rechtzeitig hörte er jedoch Stimmen. Auf dem Gehweg standen zwei Leute und unterhielten sich miteinander. Er ging vorsichtig wieder zurück und stellte sein Fahrrad ab. Doch dieses Mal ging er wieder in sein Haus, um Stella zu schreiben.
„Ich weiß nicht, was hier heute los ist. Zwei Nachbarn haben schon die Blumen gegossen und zwei andere stehen nun auf der Straße und reden miteinander. Es dauert noch etwas“, schrieb er ihr.
Sie antwortete: „Ist doch nicht schlimm. Ich laufe dir nicht weg.“
So vergingen die Minuten und sie vergingen. Bobby konnte von seinem Küchenfenster aus sehen, dass die Leute noch dastanden und miteinander redeten.
Es war gegen 21h als er zu ihr fahren wollte, doch inzwischen war es schon 22h.
„Wie kann man denn nur so lange miteinander reden und das auch noch um die Zeit?“
Er beschloss, Stella wieder eine Nachricht zu schreiben.
„Es tut mir leid. Die Leute quatschen immer noch. Das ist sowas von blöd.“
„Das braucht dir doch nicht leidtun. Du kannst ja nichts dafür, wenn sie noch reden. Warte ab und dann werden wir sehen“, antwortete sie.
So verging eine weitere halbe Stunde bis er sich auf den Weg machen konnte. Er fuhr etwas schneller als sonst und war auch etwas aus der Puste, als er bei Stella ankam.
„Nanu. Hast du dich jetzt so sehr beeilt, dass du keine Luft mehr bekommst?“, fragte diese erstaunt, als er in ihrem Flur stand.
„Man kann es nicht wissen“, antwortete er luftholend, „ob nicht doch noch jemandem eingefallen wäre, dass er zu dieser Zeit Blumen gießen muss oder mit jemanden reden muss.“
Sie schmunzelte und griff seine Hand, nachdem er sich seine Schuhe ausgezogen hatte.
„Dann komm schnell mit mir mit in mein Bett und niemand kann uns mehr etwas tun.“
Er lächelte.
„Natürlich, wie könnte ich so einen Wunsch nur abschlagen?“, freute er sich und folgte ihr.
Eines schönen, noch recht warmen Tages im Herbst, hatte Stella es sich vorgenommen, die ganzen übriggebliebenen Äste und Blätter zu verbrennen.
Sie machte das nun schon zum zweiten Mal und es machte ihr Spaß. Nachdem Bobby mit seiner Arbeit fertig war, kam er zu ihr und schaute ihr dabei zu.
Ihr kam da ein Gedanke, den sie aussprach: „Wir beide könnten doch ein bisschen gemeinsame Zeit am Feuer verbringen, das wäre romantisch.“
Mit seiner Antwort zögerte er nicht. Er ging nahe von hinten an sie heran und umarmte sie.
„Mit dir kann es nur schön werden, Süße“, flüsterte er ihr ins Ohr.
Sie genoss diesen schönen Moment, denn sie spürte die Wärme in ihrem Herzen. Sie fühlte seine Liebe und sie fühlte, wie glücklich sie war.
„Das ist so ein schönes Gefühl, da möchte ich am liebsten gar nicht mehr gehen.“
Doch so schwer es ihr auch fiel, sagte sie: „Das ist süß von dir. Du kannst mich gerne öfter umarmen. Ich werde uns jetzt mal zwei Stühle holen und dir hole ich ein Bier.“
Mit diesen Worten lösten sich seine Hände langsam von ihr und er sagte: „Das mache ich nur für dich.“
Darauf ging Stella los. Bobby passte auf das Feuer auf und es dauerte nicht lange, da kam sie auch schon wieder. Sie stellte die beiden Stühle hin, sie setzten sich und er trank sein Bier.
„Du möchtest nichts trinken?“, fragte er nach.
Sie antwortete und wedelte dabei leicht mit einem Eis in ihrer Hand: „Ich esse lieber ein Eis, denn das mag ich sehr gerne.“
„Das ist auch gut“, lächelte er.
Doch ihm fiel da eine Geschichte ein.
„Wo du Eis sagst, fällt mir eine Geschichte ein mit mir und meinem Ei ohne S. Ich erzähle sie dir.“
„Mach das gerne. Die Geschichte vom Ei ohne S“, freute sie sich.
„Ich wollte mir mal eines Abends ein Ei kochen und dann habe ich dabei die Zeit vergessen. Ich weiß gar nicht mehr, was ich eigentlich gemacht habe. Als ich dann wieder in die Küche ging, um nach dem Ei zu schauen, da war es plötzlich weg.“
Er machte eine Pause und Stella konnte so nachfragen, wo das Ei abgeblieben war.
„Das geht doch nicht, dass ein Ei aus dem Kochtopf verschwindet. Das kann doch nicht laufen.“
Er schmunzelte.
„Ich war da auch erst überfragt, aber dann habe ich festgestellt, dass es an der Decke geklebt hat, weil es schon so lange gekocht hat und dann ist es dort gelandet. Das war eine Schweinerei, das wieder wegzumachen.“
Stella lachte nun darüber.
„Das glaube ich dir gerne. Manchmal vergisst man das, was man tun wollte.“
So redeten sie noch eine ganze Weile über dies und das bis Stella plötzlich in der Ferne etwas auffiel. Das sah aus wie ein Stern, der nah war und leuchtete.
„Siehst du das da hinten?“
Sie deutete mit ihrer Hand dorthin. Er wusste sofort, was das war und erklärte es ihr.
„Das ist ein Licht. Das kommt von einer Leuchtpistole. Sowas benutzen die bei der Bundeswehr.“
„Was du so alles weißt“, staunte Stella.
„Das kommt daher, weil ich auch gedient habe. Ist zwar schon eine Weile her, aber ich kann mich noch daran erinnern, wie kalt es war. Die Stulle, die wir dort bekommen haben, die hatte sich durch die Kälte schon fast gebogen“, begann er zu erzählen. „Musik durften wir auch nicht haben. Wir haben uns dafür heimlich ein kleines Radio besorgt und trotzdem etwas gehört. Es gab auch mal einen Tag, an dem ein Kamerad mit etwas Alkohol an. Da konnte natürlich keiner widerstehen und den Ärger gab es zum nächsten Tag dann auch.“
„Wie schön“, bemerkte Stella.
Er erzählte weiter.
„Das beste Erlebnis war jedoch, dass mal ein Kamerad eine Schießübung in der Nacht machen sollte. Wenn er etwas sehen sollte, dann sollte er schnell reagieren. Er war ängstlich, hatte es rascheln gehört und abgedrückt. Allerdings hat er einen General getroffen und keinen Feind. Das war dann für ihn nicht so gut gewesen.“
Stella schmunzelte.
„Ja, das ist bestimmt nicht lustig für ihn gewesen.“
„Ein Glück, dass er nur sein Ohr getroffen hatte“, fügte er noch hinzu.
So erzählte er ihr noch weiter von seiner Dienstzeit, bis die beiden merkten, dass es inzwischen schon 23h geworden war. Das Feuer war auch schon fast abgebrannt und so machten sie sich auf den Weg in das warme Haus.
Diesen Abend waren sie jedoch zu müde, für die weitere Liebe, so lagen sie dicht beieinander und schliefen schnell ein.
Stella war es schon etwas länger aufgefallen, dass sich jemand bevorzugt abends gegen 20h auf dem Feld herumtrieb, was nahe ihrer Wohnung lag.
Fast jeden Abend lief dort jemand mit einer Taschenlampe umher und verschwand dann hinter drei freistehenden Bäumen.
Was der dort nun tat, das wusste sie auch nicht. Vielleicht suchte er nach was oder er hatte für sich ein schönes Plätzchen zum Ausruhen gefunden.
Irgendwann beschloss sie, dem Vermieter von dieser Sache zu erzählen, welcher sich jedoch keinen Kopf darüber machte und sagte: „Wer weiß.“
Mit dem „Wer weiß“ gab sich Stella nicht zufrieden.
Sie kannte es von ihm schon, dass er nicht der hilfsbereite war und sich für andere interessierte, eher im Gegenteil.
So erzählte sie es Bobby, als dieser sich eines Abends wieder zu ihr auf den Weg machen wollte.
„Sei vorsichtig, wenn du kommst. Hier treibt sich fast immer jemand mit der Taschenlampe herum. Was der aber genau hier macht, kann ich dir nicht sagen“, schrieb sie ihm eine Nachricht.
Bobby antwortete ihr: „Ich schau mal nach, wenn ich zu dir komme, wer das sein kann.“
„Sei vorsichtig“, schrieb sie ihm noch, ehe er sich auf den Weg zu ihr machte.
Bei ihr angekommen und als er sein Fahrrad abgestellt hatte, hörte er, dass sie aus dem Haus kam.
„Ich möchte dich hier nicht alleine lassen. Nicht, dass dir etwas passiert“, begann sie.
Er lächelte.
„Mach dir keine Sorgen. Ich geh schauen, wer das ist und dann komme ich wieder.“
Stella war etwas unwohl, doch sie wusste, dass ihm nichts passieren würde. So sah sie ihm aus der Ferne nach, wie er aufs Feld ging und es auch nicht lange dauerte, bis er wieder vor ihr stand.
„Weißt du, wer das ist?“, wollte sie wissen.
„Er hat einen Hund, geht wohl mit dem im Dunkeln spazieren und trägt eine Jacke mit der Aufschrift „Security“. Wer das sein soll, kann ich dir nicht sagen“, antwortete er mit dem Blick zum Feld.
Stella überlegte laut: „Ein Security Mann? Der könnte nur zu den Leuten gehören, die erst kürzlich wieder weggezogen sind. Der wird die Jacke wohl nur zum Spaß tragen.“
Sie sahen sich einen Moment an, ehe Stella wieder zu Wort kam: „Ist auch nicht weiter wichtig. Wenn du sagst, dass er einen Hund hat, dann wird er wohl nur mit diesem spazieren gehen. Auch wenn es seltsam ist, dass er das im Dunkeln machen muss.“
Bobby meinte: „Lass und reingehen und den Abend genießen. Der wird uns schon nicht dabei stören. Lass ihn da herumgeistern.“
„Das sind genau meine Worte“, bestätigte sie.
So gingen die beiden in das Haus und genossen einen weiteren schönen Abend.
Jedes Jahr, sobald es Sylvester war, freute sich Stella, denn dies war der schönste Tag für sie.
An Sylvester konnte sie mit Bobby alleine sein und feiern. Sie tranken etwas Alkohol, spielten ein Videospiel und zum Abschluss schossen sie Raketen in die Höhe. Der Abend wurde für beide zum reinsten Vergnügen.
Es begann damit, dass er um 20h bei ihr erschien und sie etwas zum Abend aßen. Während er sich eine Brotscheibe mit Käse und etwas Wurst gemacht hatte, nahm sie sich nur eine Toastscheibe mit Käse.
„Möchtest du nicht noch mehr essen? Ein halbes Toastbrot ist doch zu wenig. Der Abend wird lang und da braucht man Energie“, fragte er sie.
Sie antwortete ihm humorvoll: „Das Meer kann ich nur trinken und selbst wenn, dann ist das zu salzig.“
Er schmunzelte.
„Du weißt, was ich meine“, sagte er mit gespielter ernster Tonlage.
„Du weißt doch, dass ich viel trinken möchte und wenn ich so viel esse, dann passt nicht viel trinken rein. Das ist der Spaß zu Sylvester.“
Er schüttelte nur mit dem Kopf.
Nachdem sie ihr Essen beendet hatten, begaben sie sich in das Wohnzimmer. Dort schaltete Stella ihren Computer und den Beamer an. Jedes Mal, wenn sie in diesem Raum saß und ihre Technik benutze, dann war sie glücklich. Es war schon immer ihr Traum gewesen, ein eigenes Heimkino für Spiele zu haben.
Sie nahm aus dem Schrank eine rote Fernbedienung heraus und übergab sie Bobby. Sie nahm sich eine grüne Fernbedienung. Dies war der Controller für das Spiel.
Nachdem sie alles eingestellt hatte, begannen die beiden mit dem Spielen. Sie spielten ein Bingo Spiel und eine Abenteuerreise.
Sie lachten viel und amüsierten sich prächtig – genau aus diesem Grund mochte nicht nur Stella diesen Abend so sehr, auch Bobby fand es schön. Glück hatte er auch noch, denn er stellte sich trotz seiner geringen Erfahrung gut an und gewann recht häufig.
Stella sagte lachend: „Manche Minispiele sind aber auch sehr speziell, da kann man nicht gewinnen. Du aber schon.“
Er antwortete ebenfalls lachend: „Ach komm, du machst da schon was, dass ich gewinne, sonst würde ich wahrscheinlich nicht gewinnen.“
Sie wand sich dem Spiel ab und sah zu ihm.
„Dann liegt das wohl an der Liebe. Da hast du einen besonderen Bonus.“
Mit diesen Worten gab sie ihm einen Kuss.
„Wie schön das doch ist. Den Bonus genieße ich gerne noch viel, viel länger“, träumte er nach dem Kuss vor sich hin.
„Das darfst du“, lächelte sie.
Die Zeit verging – viel zu schnell, wie die beiden fanden, denn schon war es kurz vor 24h und damit Zeit, nach draußen zu gehen, um das Feuerwerk zu zünden.
„Oh“, begann Stella, „Wir sollten nach draußen gehen. Es ist ja schon so weit.“
Sie erhob sich von der Couch mit den Worten und er tat es ihr gleich.
„Dann lass uns ins neue Jahr starten“, verkündete er.
Sie gingen nach draußen. Stella nahm die Raketen mit und steckte sie in eine Flasche, sodass diese leicht starten konnten. Bobby nahm sein Feuerzeug in die Hand, zündete sie an und die erste Rakete schoss in die Höhe.
Nach einigen weiteren Raketen hatte Stella noch eine Batterie. Diese brachte sie rasch nach draußen und stellte sie hin. Nachdem auch Bobby, diese angezündet hatte und sie den Anblick genossen, träumten sie beide in Gedanken, während sie sich umarmten: „Was für ein schöner Start in das neue Jahr. Ich freue mich sehr, dass ich Stella kennenlernen durfte.“
„Was für ein schöner Start in das neue Jahr. Ich freue mich sehr, dass ich Bobby kennenlernen durfte“, dachte Stella ebenso.
Stella passierte eines Tages ein Missgeschick. So war sie etwas unachtsam gewesen und hatte sich so doll an der einen Pferdebox gestoßen, dass sich eine große Beule gebildet hatte, welche infiziert war und schmerzte. Für sie bedeutete das, dass sie wohl wieder eine Woche ins Krankenhaus gehen musste.
Sie war bei Bobby in der Küche und erzählte ihm davon.
„Du schneidest dir fast die Hand ab und es heilt von alleine und ich stoße mich und schon muss ich wieder operiert werden. Das ist wirklich blöd“, begann sie.
Er tröstete sie.
„Mach dir da mal keine Gedanken. Du gehst da hin und ich kümmere mich um deine Pferde. Wichtig ist, dass du schnell gesund wirst.“
Sie setzte sich nun auf seinen Schoß, worauf er sie liebevoll streichelte.
„Du hast Recht. Angst habe ich nicht davor, es nervt mich nur, dass ich so häufig krank bin. Leider bin ich nicht der gesündeste Mensch“, sagte sie nun.
Bobby streichelte sie weiterhin.
„Bleib ruhig. Das wird schon. Schreib mir, wenn du kannst und dann bin ich auch unbesorgt.“
Sie blieb noch einen Moment angekuschelt bei ihm, ehe sie sich auf den Weg zu ihrer Mutter machte, welche sie anschließend ins Krankenhaus brachte. Dort angekommen stellte man schnell fest, dass sie um eine Operation nicht drumherum kam. So fand diese auch am nächsten Tag statt.
Am nächsten Tag, als sie vorbereitet für die Operation war, hatte sie ihr Handy mitgenommen und unter dem Kissen versteckt. So machte sie ihm ein Foto, als sie noch im Aufwachraum lag.
„Ich bin gleich dran“, schrieb sie dazu.
„Alles Gute für dich und melde dich“, antwortete er.
Es dauerte nicht lange, da war die Operation dran und sie hatte es hinter sich gebracht. Etwa vier Stunden später wurde sie langsam wach, suchte sich ihr Handy aus dem Kopfkissen, machte ihm ein Foto von ihrer Wunde und sich selbst und schrieb: „Es ist alles gut. Ich bin zwar noch etwas müde und da ist viel Blut, doch das wird schon.“
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Schön, dass du dich gemeldet hast. Ruh dich aus und schlafe noch, das braucht dein Körper.“
So verbrachte sie tatsächlich eine ganze Woche im Krankenhaus, bis sie dann nach Hause konnte. Doch um ihre Pferde konnte sie sich noch nicht kümmern, da die Wunde noch blutete und zu schwere Arbeit das ganze Prozedere nur erschweren würde.
So befand sie sich alleine in ihrer Wohnung.
„Ich bin wieder Zuhause, doch ich darf leider noch nicht schwer Arbeiten. Würdest du dich noch um die Pferde kümmern?“, fragte sie ihn per Handy.
„Natürlich mache ich das. Ruhe du dich noch aus, wenn du das brauchst“, antwortete er ihr.
So vergingen drei Tage, bis Stella langweilig wurde und sie gerne selbst mitanpacken wollte, doch sie merkte, als sie ihr Fahrrad holen wollte, dass sie das doch noch nicht konnte.
„Sowas Blödes. Ich bin kein Mensch, der gerne in der Stube hocken tut. Ich muss was tun.“
Da kam ihr jedoch ein anderer Gedanke.
„Ich könnte Bobby anschreiben, ob er kommen möchte, das wäre eine Ablenkung für mich.“
So schob sie das Fahrrad wieder zurück und humpelte in die Wohnung.
Ihre Gedanken setzte sie dort in die Tat um und so schrieb sie ihm eine Nachricht: „Möchtest du zu mir kommen? Ich vermisse dich und möchte so gerne kuscheln.“
Es dauerte dieses Mal einen Moment, bis sie eine Antwort von ihm bekam, welche nicht so erfreulich für sie war, doch sie konnte es nachvollziehen.
„Das würde ich gerne. Doch ich muss heute noch etwas Papierkram machen. Schauen wir mal, was morgen ist, ja?“
Etwas enttäuscht schrieb sie: „Ist nicht schlimm. Dann schauen wir mal morgen.“
Leider klappte es auch am darauffolgenden Tag nicht, da er noch mit dem Papierkram beschäftigt war und so wurde es noch einen Tag später, bis er zu ihr kam. Stella freute sich trotzdem sehr darüber. Sie hörte, wie er durch die Wohnungstür hereinkam und ihr Schlafzimmer betrat. Sie saß im Bett.
„Ich danke dir, dass du gekommen bist“, begrüßte sie ihn und gab ihm einen Kuss.
„Dafür brauchst du dich nicht zu bedanken. Ich wäre auch schon eher gekommen, doch das ging leider nicht“, antwortete er. „Darf ich mich denn zu dir setzen?“
„Natürlich darfst du das. Es blutet nicht mehr so schlimm“, bestätigte sie ihm und rutschte etwas zur Seite.
Er setzte sich hin und streichelte sie etwas, jedoch wagte er keinen Blick zu ihrem Bein.
„Was machst du nur für Sachen, Süße. Du machst mir Sorgen“, begann er nun.
Sie sah ihn an.
„Es hätte auch noch schlimmer sein können. Ist doch alles gut. Ich bin doch wieder da“, lächelte sie.
„Ich weiß, es ist nicht einfach mit dir und du hast schon einige schwere Sachen erlebt, doch glaube mir, du solltest niemals aufgeben. Für mich war es auch schwer. Das, was damals geschehen war und ich hätte es gerne rückgängig gemacht“, sagte er leise.
Ihr schien es, als wäre er von seinen Emotionen überwältig worden, so wie er redete.
„Was ist denn los mit dir, lieber Onkel?“, begann sie vorsichtig. „Ich weiß auch, dass du schlimme Sachen erlebt hast und das nicht einfach war. Aber mach dir keine Sorgen. Ich werde wieder gesund und du wirst mich nicht verlieren, denn ich bin eine Kämpferin.“
Er sah sie an.
„Das will ich doch hoffen, meine Süße. Ich möchte dich noch ganz lange haben.“
„Das verspreche ich dir“, sagte sie zu ihm und gab ihm erneut einen Kuss.
Es kam der Tag, an dem Bobby tatsächlich eine Arbeitsstelle ergattern konnte. Viel verdiente er dafür nicht und die Arbeit, die er dort machte, war auch nicht gerade leicht. Doch Stella freute sich darüber, als er es ihr erzählte.
„Ein Neffe hat mir angeboten, bei ihm auf Arbeit mitzuhelfen. Dort wird momentan ein Helfer gebraucht. Das geht wohl um Getreide, wie ich mitbekomme habe“, erklärte er ihr.
„Das freut mich für dich. Dann hast du ein bisschen mehr Geld. Hoffentlich ist das nur nicht zu anstrengend für dich“, freute sie sich für ihn.
Da fiel ihr jedoch eine Sache ein.
„Wie kommst du denn überhaupt dahin, wenn es zwei Ortschaften entfernt ist? Du hast kein Auto“, wollte sie wissen.
„Ich habe doch mein Moped“, antwortete er. „Daher muss ich leider etwas früher als sonst losfahren. So gegen 6.30h sollte das reichen, dass ich um 7h da bin.“
„Oh. Das tut mir leid, dass du da so früh aufstehen musst. Früh ist es auch noch etwas frisch“, meinte sie.
Er zuckte mit den Schultern.
„Da muss ich durch. Das werde ich schon schaffen.“
Wieder kam Stella dazu ein Gedanke.
„Er fährt früh an meiner Wohnung vorbei, dann könnte ich rausgehen und ihm zuwinken. Darüber würde er sich bestimmt freuen.“
Sie sprach ihre Gedanken nun aus.
„Du fährst früh an mir vorbei. Die Wohnung ist zwar etwas abseits gelegen, doch du kannst mich bestimmt sehen, wenn ich rauskomme und dir zuwinke.“
Er sagte im ersten Moment gar nichts.
„Du musst doch nicht extra für mich so früh aufstehen, Süße“, waren seine Worte.
„Ich bin meist schon so gegen 6h wach, daher ist das kein Problem. Außerdem kann ich dir so einen schönen Tag wünschen“, erwiderte sie.
Er lächelte.
„Das ist aber lieb von dir.“
Ihre Worte setzte sie auch schon am nächsten Tag um, als er mit seinem Moped vorbeifuhr. Sie winkte ihm zu und sie erkannte, dass er tatsächlich etwas langsamer wurde, seinen Kopf drehte und ihr Winken erwiderte.
„Das ist schön, wenn jemand an den anderen denkt“, dachte er sich glücklich, während er weiterfuhr.
So ging das einige Wochen bis er ihr eines Tages etwas erzählte: „Gestern Abend ist mein Moped auf halbem Weg stehengeblieben. Da musste ich es schieben. Ich war erst gegen 22h wieder hier. Ich war dann so müde, dass ich vergessen habe, dir eine gute Nacht zu wünschen. Das tut mir leid.“
Stella war im ersten Moment erschrocken.
„Das braucht dir doch nicht leid zu tun. Das tut mir leid, dass du den halben Weg über laufen musstest. Oh weh. Da kann ich mir vorstellen, wie erschöpft du da sein musstest und trotzdem bist du den nächsten Morgen wieder gefahren.“
Sie gab ihm einen Kuss.
„Wie hast du denn das Moped so schnell repariert?“
„Ich hatte nicht das passende Werkzeug mit. Als ich wieder Zuhause war, da ging das dann ganz schnell“, antwortete er. „Es war ärgerlich, aber gut.“
Nun gab er ihr einen Kuss.
„Ich habe an dich gedacht, daher war es nicht ganz so schlimm.“
Draußen war es Sommer geworden und es war sehr warm – da konnte man nicht viel tun, ohne, dass man anfing zu schwitzen.
Stella war da die Idee gekommen, mal einen ganzen Tag und eine Nacht bei Bobby zu verbringen. Die beiden hatten sich abgesprochen und der besagte Tag rückte näher.
Stella nahm sich ihr Fahrrad aus dem Schuppen und fuhr mit diesem zu seinem Grundstück. Sie war aufgeregt, denn sie wusste, dass es ganz sicher ein schöner Tag werden würde.
Vor seinem Tor angekommen, stieg sie ab, öffnete dieses, schloss es wieder und schob ihr Fahrrad auf den Hof. Er kam ihr schon entgegen.
„Lass mich das machen. Du kannst schon reingehen“, sagte er und nahm ihr das Fahrrad ab.
Während er es in Richtung Schuppen schob, ging sie hinein und zog sich ihre Schuhe aus. Dann ging sie in das Wohnzimmer, setzte sich auf die Couch und wartete auf ihn. Es dauerte nicht lange, da hörte sie ihn wieder hineinkommen.
„Wollen wir ein bisschen auf der Couch kuscheln?“, fragte sie ihn auffordernd und lächelte dabei.
Er schmunzelte: „Du bist so süß, da könnte ich so ein Angebot niemals abschlagen.“
So legten sich die beiden auf die Couch und lagen eine ganze Weile aufeinander ohne Worte zu wechseln.
Dabei schliefen sie jedoch ein.
***
Stella bekam einen Traum, einen seltsamen Traum.
Sie befand sich in einem Wald, neben ihr stand ein weißes Pferd. Dieses sah sie mit seinen großen Augen an und schien zu nicken.
„Wo bin ich hier? Wo kommt dieses Pferd her?“
Für sie wirkte das alles sehr realistisch. Sie streckte ihre Hand aus und das Pferd leckte einmal darüber. Danach ging es los. Es drehte sich jedoch einmal kurz um und schien sie aufzufordern, ihr zu folgen.
Sie folgte dem Pferd. Erst jetzt wurde ihr auch bewusst, dass es dunkel war und sie einem Weg folgte, einem Weg, der tiefer in den Wald hineinging.
Wo würde sie der Weg nur hinführen?
Sie vertraute dem Pferd und lief mit ihm mit, Seite an Seite. Schon bald entdeckte sie etwas in der Ferne. Sie blinzelte. Dort stand ein schwarzer Kater und kam direkt auf sie zu. Sie spürte, dass keine Gefahr von ihm ausging, daher setzte sie ruhig ihren Weg fort, bis der Kater direkt vor ihr stand und sich setzte. Auch das Pferd blieb stehen und wartete ruhig das Geschehen ab.
Der Kater begann zu sprechen. Sein Schwanz wedelte dabei ruhig von einer Seite zur anderen.
„Wenn dir jemand in deinem Herzen fehlt, fehlt ein Teil von dir, der eine tiefe Wunde hinterlässt.
Diese Wunde wird heilen, doch sie wird auch lange schmerzen. So schwer es sich anhört. Du bist damit nicht alleine. Der ein oder andere hat das gleiche erlebt wie du und er teilt genau in diesem Moment deine Tränen mit dir – die Tränen der Verzweiflung, die Tränen, der Hoffnung, die Tränen der Sehnsucht.“
Stella wollte etwas sagen, doch das konnte sie nicht mehr, als war es ihr nicht möglich, zu sprechen.
„Was soll das nur bedeuten?“
***
In diesem Moment erwachte Stella aus ihrem Traum. Sie sah Bobby neben sich liegen, welcher noch schlief. Vorsichtig tastete sie nach seiner Hand. Sie war warm.
„Was war das nur für ein seltsamer Traum gewesen? Es ist doch alles gut. Warum soll etwas passieren? Eine Wunde, die heilen wird, aber auch lange schmerzt. Passiert mir etwas?“
Ihre Gedanken ließen ihr keine Ruhe, doch sie wollte ihre Verwirrung nicht auch noch mit Bobby teilen, daher ließ sie ihn schlafen.
„Ich sollte aufhören, daran zu denken. Ich bin heute bei ihm und möchte einen schönen Tag mit ihm haben und den sollte ich mir nicht nehmen lassen.“
Nun gab sie ihm vorsichtig einen Kuss auf die Lippen, sodass er langsam wach wurde. Stella saß über ihm und lächelte ihm zu, als sei nichts gewesen.
„Das ist schön, wenn man wach wird und dann ist da meine Süße bei mir“, sagte er glücklich.
„Es ist schön, wenn man wach wird und dann ist der liebe Onkel bei mir“, verbesserte sie.
Nun gab er ihr einen Kuss.
„Ich habe uns schon etwas zu Essen vorbereitet. Komm mit in die Küche“, sagte er nun.
„Da sage ich doch nicht nein.“
Mit diesen Worten erhob sie sich und ließ ihm den Vortritt.
„Warte nur einen Moment, dann kannst du hinterherkommen“, sagte er zu ihr. „Nicht davonlaufen, ja?“
Sie lachte.
„Das werde ich ganz sicher nicht.“
Es dauerte nicht lange, da holte er sie in die Küche. Auf dem Küchentisch standen zwei Teller mit Spaghetti Bolognese, liebevoll von ihm hergerichtet.
„Das sieht doch lecker aus“, freute sich Stella und setzte sich auf den Stuhl.
Auch er setzte sich.
„Dann wünsche ich dir guten Appetit.“
„Ich dir auch“, sagte sie lächelnd.
Sie rutschte mit ihrem Stuhl dichter an ihn heran und piekte die Gabel in seine Nudeln.
„Lass uns gemeinsam naschen.“
Sie hielt ihm die Gabel hin und er verstand sofort, was sie meinte. Er biss in das eine Ende der Nudel und sie in das andere Ende bis sich am Ende ihre Lippen berührten.
„Eine schöne Idee von dir, Süße“, amüsierte er sich.
„Das ist die Liebe, nicht wahr?“, verbesserte sie.
Etwas verlegen sah er sie an.
„Ja, da könntest du recht haben. Die Liebe und die Gefühle zwischen uns.“
***
Am Abend als sie beide zusammen in seinem Bett lagen, da fühlte sich Stella fast wie Zuhause. Es kam ihr gar nicht fremd vor, obwohl sie das erste Mal bei ihm war, doch sie hatte sich inzwischen schon so sehr an ihn gewöhnt, dass er für sie wie ein jahrelanger Freund wirkte.
„Es ist so schön, dass da jemand ist, dem man sich anvertrauen kann, dem man alles erzählen kann, der für einen da ist. Ich möchte ihn nicht mehr hergeben.“
Sie überlegte, ob er wohl auch so dachte.
Was für eine Frage.
Natürlich dachte er so, doch sie hatte immer wieder das Gefühl, dass es ihm etwas unangenehm war wegen dem hohen Altersunterschied. Denn er wollte sich nicht wirklich auf der Straße mit ihr zeigen. Er hielt sich dort immer etwas zurück, was Nähe anging und seiner Schwester hatte er davon auch nichts erzählt.
Gut, Stella hatte es ihrer Familie auch noch nicht erzählt, doch sie fand das Geheimnisvolle auch irgendwie toll. Daher wollte sie daran auch nichts ändern. So ein Erlebnis war einmalig und immer wieder aufs Neue überraschend.
„Ich wünsche dir eine gute Nacht“, sagte sie schließlich.
„Die werde ich mit dir bestimmt haben, eine gute Nacht“, freute er sich.
Die beiden waren von dem Tag etwas müde und so dauerte es nicht lange, bis sie einschliefen.
So konnten sie ihre Romanze tatsächlich zwei Jahre fortsetzen, ohne bei ihr erwischt zu werden oder dass sie jemand bei ihm bemerkte, doch das, was dann geschah, war wohl der Liebe zu verdanken.
Zwei Jahre waren vergangen, als die beiden glaubten, niemand hätte von ihrer heimlichen Liebe mitbekommen – doch da hatten sie sich geirrt. Denn schon im ersten Jahr, sprach es sich in der Ortschaft rum, warum Bobby abends so spät mit seinem Fahrrad unterwegs war.
Eine Nachbarin war da so sehr hinterher, dass sie ihn heimlich beobachtete und dies an einen anderen Nachbarn petzte und so ging das Gespräch die Runde.
Das kam natürlich auch nicht an Stellas Mutter vorbei. Als Stella bei ihr war, da redete sie ein ernstes Wort mit ihr.
„Warum kommt Bobby zu dir?“, begann sie mit einem ernsten Ausdruck.
Stella erahnte sich etwas dabei, doch sie hatte Bobby versprochen, es niemandem zu erzählen. Ihre geheimnisvolle Beziehung sollte so bleiben, wie sie war.
„Er wollte bei mir duschen“, antwortete sie.
„Das tut er dann bis 4.30h? Du brauchst mir nicht solche Märchen erzählen. Das kaufe ich dir nicht ab. Ich sag dir nur eins, wenn das hier alle Leute mitbekommen und drüber reden, dann hat das Konsequenzen.“
Stella antwortete nicht. Sie verließ wieder das Haus und fuhr in ihre Wohnung, um Bobby das zu schreiben, damit er Bescheid wusste.
„Man hat uns entdeckt“, schrieb sie ihm kurz.
Er war schockiert, dass das halbe Dorf Bescheid wusste, dass er heimlich zu ihr fuhr und so antwortete er ihr auf ihre Nachricht: „Da bin ich platt, dass sie Bescheid wissen. Weiß nicht, was ich da sagen soll.“
Stella tröstete ihn: „Wir schaffen das und lassen uns nicht davon abhalten. Es ist so schön mit unserer Liebe, das möchte ich nicht aufgeben.“
Da kam auch schon die Antwort von ihm: „Da denke ich genauso.“
Doch Stellas Mutter machte es ihr nicht leicht, beziehungsweise, die Nachbarin, die Bobby beobachtete und so kamen immer wieder Strapazen, was beiden nicht guttat.
Stella traf schließlich die Entscheidung, dass sie erstmal nur zu ihm kam, in der Hoffnung, dass sie niemand sehen würde. Dadurch kehrte dann auch tatsächlich wieder Ruhe ein. Denn, wenn sie spät um 21h durch das Dorf fuhr, schien das niemanden zu interessieren. War es jedoch Bobby, so wurde er sofort gesehen.
Eines Abends saßen die beiden bei ihm vor dem Fernseher und redeten über das Thema.
„Ich möchte auch gerne, dass du wieder zu mir kommst. Lass passieren, was passiert. Meine Familie wird sich irgendwann wieder beruhigen und dann ist gut“, meinte sie.
Doch Bobby war da nicht so wie sie. Er hatte Schuldgefühle, zumal er viel älter war als sie. Diese Schuldgefühle machten ihm auch zu schaffen.
„Ich weiß, es ist blöd, dass sie mich erwischt haben. Aber ich weiß nicht, ob es richtig ist, dann wieder zu dir zu kommen“, antwortete er lediglich.
Sie kannte ihn schon lange genug, um zu wissen, was in seinem Kopf vor sich ging. So legte sie ihren Kopf auf seinen Schoß und sah ihn an.
„Hab keine Angst. Lass es uns genießen. Wen interessieren denn die anderen? Wichtig ist, dass wir beide zusammenhalten. Wenn meine Familie spinnt, dann ist das mein Problem und ich werde schon irgendwie damit zurechtkommen“, flüsterte sie nun.
Er wand seinen Blick dem Fernseher ab und sah zu ihr.
„Ich würde es gerne, aber wenn du Ärger bekommst, dann möchte ich das auch nicht“, antwortete er leise.
Einen Moment sahen die beiden sich lediglich an, bis Stella die Stille unterbrach.
„Ich habe dich lieb“, flüsterte sie.
Er nahm ihre Hand und streichelte sie behutsam am Kopf.
„Ich habe dich auch lieb, meine Süße“, flüsterte er zurück. „Ich vertraue dir und werde dann wieder zu dir kommen. Ohne dich ist es so leer in meinem Haus. Wir beide haben da ganz schön was angestellt, nicht wahr? Ich vermisse dich und du vermisst mich.“
Er lächelte.
„Deswegen sollten wir uns nicht unterkriegen lassen und unsere Liebe weiter ausleben“, bestätigte sie.
Sie erhob sich vorsichtig und ihre Lippen kamen sich ganz nah.
„Dieses schöne Gefühl nicht mehr zu haben, würde unsere Herzen brechen“, flüsterte sie, ehe die beiden sich küssten.
Bobby gehörte nicht zu den reichsten Leuten, eher im Gegenteil. Er hatte nicht viel Geld, er fühlte sich mit seiner Situation nicht wohl. Viel lieber wäre er arbeiten gegangen und hätte etwas mehr gehabt, doch inzwischen war er dazu schon zu alt und ihn wollte niemand mehr nehmen.
Er hatte in seinem Haus nicht einmal eine Heizung, sondern nur Öfen und musste sich es im Winter mit diesen warm machen. Das war immer etwas mehr Arbeit, doch über die Jahre hatte er sich daran gewöhnt.
Eines Tages wollte Stella ihn auch mal wieder besuchen, doch da blockte er sie permanent ab mit: „Es geht nicht. Ich fühle mich nicht so.“
Doch als er sie schon dreimal abgeblockt hatte, da kaufte sie ihm das nicht mehr ab und sie machte sich auf den Weg zu ihm.
Er war nicht sehr begeistert, als sie vor seiner Tür stand, doch er ließ sie trotzdem hinein.
„Du siehst aber nicht so aus, als wenn du dich nicht fühlst“, begann sie vorsichtig.
Ihm schien das nicht zu gefallen, da er nicht weiter darauf reagierte.
Sie ging voran in die Küche und als erstes fiel ihr etwas auf. Auf dem Ofen stand ein Eimer Wasser und im Spülbecken hatte sich eine Menge Geschirr angesammelt. Normalerweise war das bei ihm nicht so mit dem Geschirr. Wenn, dann stand nur ein bisschen herum und nicht gleich so viel. Der Wassereimer war auch etwas seltsam.
Sie musterte diesen und ehe sie etwas fragen konnte, da offenbarte er ihr: „Ich wollte nicht, dass du kommst, weil ich kein Wasser habe. Mir ist das unangenehm.“
Entsetzt sah sie von dem Wassereimer zu ihm.
„Warum hast du dann nichts gesagt? Du weißt doch, dass ich dir helfen werde. Du kannst doch nicht ohne Wasser leben. Du möchtest doch auch baden und brauchst was zum Trinken und zum Kochen.“
Sie umarmte ihn.
„Ich helfe dir. Du bist nicht alleine.“
Ihm war das peinlich und er sagte gar nichts weiter dazu. Er sah sie lediglich an. Am liebsten hätte er gewollt, dass sie nicht gekommen wäre. Ihm war das viel zu unangenehm.
***
Ein paar Stunden später, nachdem Stella zu ihren Pferden gegangen war, um diese zu versorgen, klopfte es an seiner Tür. Zu seinem Erstaunen stand dort Stellas Großvater.
„Stella hat mir erzählt, was los ist. Ich habe dir einen Schlauch von drüben über den Zaun gelegt. Du brauchst nur den Hahn aufdrehen, dann kannst du dir Wasser nehmen. So kannst du doch nicht leben.“
Bobby nuschelte: „Danke, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.“
„Du brauchst dich nicht bedanken. Du kannst es benutzen.“
Mit diesen Worten ging Stellas Großvater wieder und es dauerte nicht lange, bis Stella dafür erschien.
Sie lief glücklich auf ihn zu, doch mit seinem Verhalten hatte sie nicht gerechnet.
Seine Stimme klang zum ersten Mal etwas unfreundlich und ernster: „Ich habe es nur dir gesagt. Warum hast du es gleich weitererzählt?“
„Ich wollte dir helfen, deswegen habe ich es Opa gesagt, weil ich wusste, dass er das machen würde. Du kannst doch so nicht leben“, verteidigte sie sich.
„Trotzdem ist das mein Problem“, erwiderte er.
Er sagte nichts weiter dazu, doch man merkte ihm an, dass er verärgert war. Stella verstand sein Verhalten einerseits nicht, anderseits schon. Denn es war ihm unangenehm und peinlich.
Sie trat dichter an ihn heran und umarmte ihn. Er erwiderte ihre Umarmung jedoch nicht.
„Du tust mir so leid. Ich möchte dir so gerne helfen, dafür bin ich da, lieber Onkel. Sei mir doch da nicht böse.“
Sie löste sich von ihm und sah ihn traurig an, in der Hoffnung, dass er sie verstehen würde.
Doch er sagte weiterhin gar nichts. Das war auch einer der Punkte, die sie nicht so an ihm mochte, dass er sich nichts sagen lassen wollte und dann schnell böse wurde.
Aber es war sein Charakter und sie akzeptierte das, dass er so war. Sie selbst war auch nicht gerade die einfachste Person.
Enttäuscht drehte sie sich um und sagte: „Dann lasse ich dich jetzt erstmal alleine. Das möchtest du so.“
Mit diesen Worten ging sie zu seiner Haustür, öffnete diese, eilte nach draußen, schnappte sich ihr Fahrrad und fuhr mit einem unwohlen Gefühl zu ihrer Wohnung.
„Warum hat er nur so reagiert? Das tut mir weh. Ich wollte ihm doch nur helfen“, dachte sie sich auf ihrem Weg. „War es verkehrt gewesen, was ich gemacht habe?“
***
Einige Stunden später, piepte es auf ihrem Handy. Sie rechnete erst nicht damit, was es sein könnte, doch sie schaute trotzdem nach und da war eine Nachricht von Bobby.
„Es tut mir leid, wenn ich vorhin etwas böse zu dir war, Süße.“
Es war zwar nur dieser kurze Text, doch Stella war erleichtert, dass er ihr überhaupt geschrieben hatte. Sie konnte sein Verhalten nicht wirklich verstehen und es tat ihr auch immer noch etwas weh.
So antwortete sie ihm: „Alles gut.“
Mit einem Küsschen hintendran.
Das Küsschen bekam sie auch von ihm wieder.
Doch trotzdem war ihr etwas unwohl. Ein Gefühl, was sie bei ihm noch nie hatte.
Die Tage waren vergangen und das Erlebnis war für beide vergessen.
Es gab eine Sache, die Stella immer wieder zeigte, wie schön es doch war, dass sie Bobby an ihrer Seite hatte. Denn der Humor von beiden passte zusammen. Sagte der eine etwas, so hatte der andere die passende Antwort parat. Dazu eine kleine Geschichte.
Der Nachbar, der 200m entfernt wohnte, hatte Bobby gebeten, seine Hasen zu füttern, da er nicht da war. So wie Bobby war, hatte er sich der Aufgabe gewidmet, egal, was auch für ein Wetter war. Die letzten Tage hatte es meist geregnet und es war windig – kurz gesagt, dass Wetter war nicht schön.
Demnach sahen sich die beiden auch weniger und waren auf ihre Handys angewiesen.
Eines Abends schrieb ihm Stella:
„Ich bin heute auch schon Daheim, so für dich als Info. Hast du Hasi von mir gestreichelt?“
Die Antwort kam erst eine Stunde später, da er erst zu diesem Zeitpunkt Zuhause war.
„Bin auch Daheim, so für dich als Info. Nein, Hasi wollte heute nicht gestreichelt werden.“
- „Das ist doch eine Ausrede. Dann gibt es morgen von Miezi ein Küsschen.“
„Nöööö, lieber von dir. Ein Küsschen.“
- „Hast du doch heute schon abgesahnt, das Küsschen von mir.“
„Was? Ich habe doch nichts abgesahnt. Nur Kaffee und Kuchen bekommen.“
- „Ein süßes Foto hast du abgesahnt.“
„Ja, ja, wenn du meinst.“
- „Sprach die Prinzessin zu dem Prinzen: „Ich möchte keinen Prinzen, nur das Pferd.“
„Da kam der Taucher, sagte: „Hallo“ und dann war er weg. Blubb Blubb.“
- „Das ist schon toll mit uns beiden“
„Echt wohl?“
- „Echt wohl.“
Stella unternahm an diesem Tag einen Ausritt in der freien Natur, um die Seele baumeln zu lassen, was ihr auch guttat.
An diesem Tag nahm sie sogar die größere Runde. Ihr Pony war entspannt und so lief sie in einem gemütlichen Schritt den Weg entlang, bis sie den Ausblick auf das weite Feld hatte.
Dort hielt sie ihr Pony an und atmete tief durch. Erst danach bemerkte sie, dass sich auf dem Feld etwas bewegte.
War das eine Katze?
Nein, das war viel zu groß für eine Katze.
Tatsächlich hatte sie einen Storch entdeckt, welcher ganz gemütlich auf dem Feld entlanglief und ihr keine weitere Beachtung schenkte.
Ihr kamen dazu Gedanken.
„Ob das nicht eine Vorhersage sein soll? Ach, was denke ich denn da, nur weil ich einen Storch gesehen habe.“
Als sie wieder Daheim war, sattelte sie ihr Pony ab, brachte es wieder auf die Wiese und ging zu Bobby. Er öffnete ihr die Tür und ließ sie hinein. Die beiden gingen in die Küche, um gemeinsam Mittag zu essen.
„Du kannst dir nicht vorstellen, was ich vorhin auf dem Feld gesehen habe“, begann Stella und schob sich den ersten Löffel mit Grießbrei in den Mund.
„Was hast du denn gesehen?“, fragte er nach.
Nachdem sie ihren Grießbrei hinuntergeschluckt hatte, erzählte sie es ihm.
„Ich hatte mich heute entschieden, die große Runde zu reiten und da lief ein Storch auf dem Feld entlang.“
Bobby hielt einen Moment inne und schluckte seinen Grießbrei hinunter. Erstaunt sah er sie an.
„Ob das wohl ein Zufall war? Als ich vorhin draußen im Garten war, da habe ich zwei Vögel auf dem Dach gesehen und die haben sich geliebt.“
„Ob dann da was im Gange ist bei uns?“, stellte sie die entscheidende Frage.
Etwas verlegen sah er sie nun nicht an.
„So weit haben wir es doch noch nicht getrieben und von alleine kommt sowas nicht“, sagte er leise.
Stella lächelte ihn an.
„Aber unsere Gefühle wären groß genug dafür, nicht wahr? Was die Liebe schon so ausmacht.“
Glücklich aß sie nun weiter an ihrem Grießbrei, während ihm die Gedanken durch den Kopf gingen.
„Nachwuchs ist etwas Schönes. Doch ich kann ihr das doch nicht antun. Nicht so ein alter Mann wie ich. Nachher bekommt sie dann nur noch Ärger.“
Er sah sie wieder an.
„Ich lasse sie ein bisschen träumen, das kann nicht verkehrt sein. Ich darf es auch.“
„Ja, da hast du recht. Du hast mein Herz zum Klopfen gebracht und ich habe es auch bei dir und dieses schöne Gefühl, das möchte man nicht mehr vermissen“, sagte er nun.
Auf seine Worte erhob sich Stella von ihrem Stuhl ging zu ihm und gab ihm einen Kuss.
„Ganz genau, wir beide genießen die Zeit und nichts und niemand kann uns daran hindern. Egal, was auch passiert. Träume sind erst recht nicht verboten.“
Stella befand sich in ihrer Wohnung, wartete bereits auf ihn und sah aus dem Fenster, wann er endlich mit seinem Fahrrad im Laternenlicht erscheinen würde.
Es dauerte und dauerte – für sie natürlich, denn sie war ungeduldig, ihn zu sehen.
Als sie ihn dann endlich sah, begann ihr Herz etwas schneller zu schlagen. Es dauerte etwas, bis sie hörte, wie er die Treppenstufen hinaufkam, doch sie erwischte den richtigen Moment.
Sie lauerte hinter der Tür und als er diese öffnete, schritt sie schnell auf ihn zu und gab ihm einen Kuss.
„Du sollst mich doch nicht-“
Sie löste sich schnell von dem Kuss.
„Ich soll dich nicht küssen? Das glaube ich nicht.“
Stella gab ihm wieder einen Kuss, was er nun genoss.
Er schloss die Tür hinter sich und trat ein, danach zog er sich seine Schuhe aus und drehte sich zu ihr um.
„Ich gehe mich für dich schick machen“, sagte er und ging darauf los in das Bad.
Lächelnd sah er sie an und sie folgte ihm in das Bad.
Dort wollte er mit seiner Rasur beginnen. Er ließ Wasser ins Waschbecken laufen und trug sich den Rasierschaum auf. Sie sah ihm dabei zu bis sie ihn langsam von seinem Hemd beginnend hinunter zur Hose streichelte.
„Hey, was machst du denn da, so kann ich mich doch gar nicht rasieren“, sagte er belustigt und zappelte.
„Ich möchte dir Gefühle machen“, lächelte sie ihn an.
Er erwiderte ihr Lächeln und antwortete: „Dann lass mich schnell meinen Bart rasieren, dann bin ich auch für dich da.“
„Wie schade, ich hätte dir auch gerne hier die Hose ausgezogen“, sagte sie spielerisch und zog daran.
„Aber doch nicht, wenn ich mich rasiere, dann kann ich mich doch gar nicht wehren“, lachte er.
Trotzdem folgte sie seinen Worten und ging in das Schlafzimmer. Dort schaltete sie die kleine Nachttischlampe ein, legte sich hin und wartete auf ihn. Es dauerte nicht lange, bis sie ihn kommen hörte. Doch dieses Mal machte er etwas, was er zuvor noch nicht gemacht hatte.
Er kam direkt von der linken Seite des Bettes zu ihr, obwohl er sonst immer von der rechten Seite gekommen war und lag ihr ganz nah.
Erstaunt sah sie ihn an. Seine Hand fühlte sie schon unter ihrem Schlafanzug. Seine Augen schienen vor Liebe zu funkeln.
„Das scheint heute dann wohl ein ganz besonderer Abend zu werden, nicht wahr?“, flüsterte sie.
„Das wird es“, flüsterte er zurück.
Genau das wurde es auch. Die Gefühle der beiden wurden immer intensiver bis diese sie überwältigten und sie spürte, dass es passiert war.
Etwas, was hätte nicht passieren dürfen, weil keiner der beiden wusste, wie es enden würde.
Auch Stella war sich unsicher, würde das wirklich gutgehen?
Sie wusste, dass es mit seiner Familie nicht einfach war und mit ihrer auch nicht, doch nun war es geschehen und es gab kein Zurück mehr.
In dieser Nacht war es auch schon fast Vollmond gewesen. Ob das wohl ein gutes Zeichen war?
„Er wird ein lieber Vater sein, das weiß ich. Und ich weiß, dass ich das durchstehen werde, egal, wie schwer es wird“, sagte sie sich gedanklich.
Ihm erzählte sie es erst, als sie sich einen Schwangerschaftstest besorgt hatte und dieser positiv ausfiel. Seine Reaktion war geteilte Meinung. Einerseits freute er sich, dass sie schwanger war, doch anderseits wusste er nicht, wie sein Umfeld darauf reagieren würde.
„Glaubst du, dass das gutgehen wird?“, fragte er sie eines Tages, als sie bei ihm im Haus war.
„Das wird es. Wir beide stehen das durch“, sagte sie sehr selbstsicher. „Auch, wenn es nicht einfach werden wird.“
Er betrachtete das Ultraschallbild von dem Baby. Noch sah es aus, wie ein kleines Gummibärchen.
„Es ist schon irgendwie niedlich und ein tolles Gefühl, aber ich habe Angst, dass sie Ärger bekommt. Eines Tages wird sie es sagen müssen. Ich weiß, dass es für mich besser ist, wenn es niemand erfährt.“
Demnach beschloss er für sich, es weiterhin niemandem zu erzählen.
Die Schwangerschaft erwies sich bei ihr als etwas schwierig, denn sie hatte ab der 6. Woche fast alle zwei Wochen eine Blutung und wenn man eine Blutung schon so früh hatte, dann war das normalerweise ein besorgniserregender Grund. Denn das Baby könnte eine Fehlgeburt werden.
Sie ist also alle zwei Wochen hin zur Kontrolle – jedes Mal war sie froh, dass das Baby noch da war und lebte.
„Es kämpft und ich werde auch für es kämpfen.“
Das Ganze ging bis zur 22.Woche, danach war dann endlich Ruhe und sie konnte sich auf das Baby freuen.
Das dachte sie zumindest, denn es gab noch eine weitere Komplikation, da sie durch das viele bluten auch viel Blut verloren hatte.
So stellte sich nun heraus, dass sie zu wenig Blut im Körper hatte – viel zu wenig und dass sie darauf sofort ins Krankenhaus musste wegen einer Bluttransfusion.
Darauf schrieb sie Bobby eine Nachricht: „Es tut mir leid, dass ich dir das schreiben muss, doch ich muss ins Krankenhaus. Ich habe zu viel Blut verloren und das muss jetzt nachgefüllt werden.“
Er antwortete ihr: „Das tut mir leid für dich. Du schaffst das schon. Wenn es sein muss, muss es sein.“
So dauerte es rund eine Woche bis sie wieder nach Hause konnte, um ihm davon zu erzählen.
Inzwischen wusste sie, dass es ein Junge war – außerdem war das sein erster Junge. Er hatte in einer vorherigen Beziehung drei Mädchen, doch diese interessierten sich inzwischen nicht mehr für ihn, weil seine damalige Frau ihn als schlechten Vater dargestellt hatte.
„So hat er mit mir nochmal das Glück, diese schönen Momente zu erleben“, dachte sie sich glücklich.
Für ihn waren es auch schöne Momente, wenn auch seine Unsicherheit nicht zu übersehen war. Stella hingegen hatte Glücksgefühle entwickelt. Sie freute sich auf ihren kleinen Sohn und verdrängte das, was kommen würde.
Er streichelte ihren Bauch, wenn es möglich war und er hatte sogar mal das Glück ein Stupsen von ihm zu spüren, als er seine Hand darauf hielt.
„Er hat mit dir geredet“, erklärte sie ihm.
„Das glaube ich auch“, schmunzelte er.
Allerdings war es irgendwann nicht mehr zu übersehen, dass Stella einen Bauch hatte und so musste sie wohl oder übel ihrer Familie etwas gestehen.
Die Reaktion war jedoch auch die, mit der sie gerechnet hatte: Ihre Mutter redete tagelang nicht mehr mit mir und ihre Großeltern meckerten sie an, was sie sich dabei gedacht hatte.
Trotzdem blieb sie tapfer und stand das durch, egal wie böse die anderen auch waren.
Bobby tröstete sie, so gut er es konnte. Sie war dadurch noch öfter bei ihm als sonst, denn sie wusste, dass sein Beisein ihr sehr helfen würde. Sie würden sich alle eines Tages beruhigen.
Bis zur Geburt hatte sich ihre Mutter beruhigt und stand ihr nun bei, doch ihre Großeltern waren da anderer Meinung. Sie grüßten Bobby nicht mal mehr, wo er sehr darunter litt.
Normalerweise freuten sich auch die Familienmitglieder, wenn es hieß, dass Nachwuchs auf dem Weg war, doch die Situation war so verzwickt, dass es angespannt war.
Die Geburt an sich verlief dafür reibungslos.
Stella hatte die Nacht zuvor gemeinsam mit ihm in ihrer Wohnung verbracht, als früh etwas mehr Blut als gewöhnlich in der Toilette war.
„Heute ist es soweit“, wusste sie gedanklich.
Er wartete in der Küche auf sie und bereitete das Essen vor. Die erste Tasse Kaffee war schon fertig.
Nachdem sie langsam die Küche betreten hatte, begann sie: „Es geht heute los.“
Erstaunt sah er sie an. Er wusste sofort, was sie meinte.
„An einem Sonntag? Unser kleiner Mann wird an einem Sonntag geboren“, freute er sich.
Stella lächelte: „Ich bin auch aufgeregt, doch lass uns noch in aller Ruhe etwas frühstücken. Die Zeit haben wir noch.“
Er stimmte ihr zu und so aßen sie noch in Ruhe ihr Frühstück, ehe Stella ihre Mutter anrief, dass sie mit ihr ins Krankenhaus fuhr.
„Es wird alles gut“, sagte sie, als sie an der Tür stand.
„Das will ich doch hoffen. Wenn du kannst, dann schreibe mir.“
Mit diesen Worten gab er ihr einen Kuss.
„Bis bald.“
Er blieb noch zurück in ihrer Wohnung und beobachtete, wie sie in das Auto ihrer Mutter einstieg. Erst als dieses langsam in der Ferne verschwand, da verließ er die Wohnung und machte sich auf den Weg nach Hause.
Dort angekommen, dachte er erst noch einige Minuten nach, ehe er etwas tun wollte.
„Ich bekomme einen kleinen Sohn, etwas, was ich mir vor einigen Jahren noch so gewünscht habe. Doch ich bin mir so unsicher. Ich habe Angst, dass sie Ärger bekommt. Sie hat schon Ärger bekommen wegen mir. Ich fühle mich daher etwas schuldig.“
Er sah sich in seinem leeren Haus um.
„Wenn sie aber nicht da ist, dann fehlt mir etwas. Ich bin nicht gerne alleine und bald habe ich zwei Süße, um die ich mich kümmern kann.“
Nun begann er damit, sich anderweitig zu beschäftigen, um auf andere Gedanken zu kommen.
Die Zeit, bis sie sich das erste Mal meldete, verging. Es war noch am frühen Abend, als sein Handy plötzlich piepte. Er zögerte nicht und sah sofort nach. Das war eine Nachricht von Stella: „Ich liege jetzt in den Wehen. Es dauert nicht mehr so lange.“
„Mache in Ruhe, Süße“, schrieb er ihr zurück.
Er freute sich so, dass er sich eine Flasche Bier nahm und darauf anstieß.
„Es wird alles gut gehen.“
Danach dauerte es auch nicht lange, bis sein Handy erneut piepte, doch dieses Mal gleich mehrmals. Neugierig sah er Fotos von dem kleinen Baby und darunter: „Das ist Alfred. Er ist jetzt da.“
Er konnte sogar das Fiepen von seinem kleinen Sohn hören, da sie eine Sprachnachricht dazu aufgenommen hatte.
Da war er richtig stolz.
„Erholt euch gut, meine Süßen. Ich freue mich schon, wenn ihr nach Hause kommt“, schrieb er glücklich.
Da war es auch wieder, dieses Gefühl von Familie, dieses Gefühl der Freude und der Sehnsucht, dieses Gefühl, was er schon so lange vermisst hatte.
„Hoffentlich bleibt dieses schöne Gefühl noch sehr lange.“
***
Nachdem sie wieder Zuhause war, dauerte es einige Tage, bis er sie besuchen konnte, denn sie durfte mit dem Kleinen noch nicht nach draußen und sollte sich noch etwas schonen. Die Geburt war anstrengend für Stella gewesen und sie hatte dabei sogar gezittert. Ihr Körper war etwas ausgelaugt gewesen, doch sie hatte es gut überstanden und nur das zählte.
Als der Tag dann kam, war er sehr aufgeregt.
Stella wartete ruhig, bis er ihre Wohnung betrat. Sie saß auf ihrem Bett, hielt ihn in ihren Armen und lächelte ihm entgegen. Dabei fiepte der kleine Junge leise. Er bekam Tränen in die Augen, als er ihn sah.
Darauf setzte auch er sich auf das Bett und sie übergab ihn vorsichtig in seine Arme.
„Ich fühle mich ganz anders“, sagte er leise. „Es ist ein so schönes Gefühl. Das kann ich gar nicht beschreiben.“
„Ein kleiner Mensch, der auf jemanden angewiesen ist, ein kleiner Mensch, der dir Freude und Glück schenkt. Er ist aus Liebe entstanden“, flüsterte sie.
Bobby lief eine Träne über das Gesicht.
„Ich bin wirklich überwältigt, dass ich es noch nicht glauben kann. Mein Leben ist wieder etwas Besonderes geworden. Da sind nun zwei, für die ich da sein kann und die für mich da sind.“
Auch nach der Geburt ihres Sohnes dauerte es eine ganze Weile, bis ihre Großeltern Bobby wieder akzeptierten.
Er hatte seiner Familie weiterhin nichts erzählt von seinem Sohn, weil er befürchtete, dass das blöd enden könnte. Stella befürchtete eher, dass er sich vor etwas fürchtete und ihm das unangenehm war, weil er nicht wusste, was er sagen sollte, daher drängte sie ihn auch nicht dazu und überließ ihm die Entscheidung.
Was sie trotzdem zusammenhielt, das war ihr Sohn. Stella kam es so vor, dass sie sich noch mehr zu ihm hingezogen fühlte, als sonst. Genau aus dem Grund, weil da noch so ein kleiner Mann war, der nun auch Liebe und Fürsorge brauchte – noch dazu sah er Bobby sehr ähnlich mit seinen blonden Haaren.
Sie trafen sich trotzdem noch in ihrer Wohnung und sie ging sogar mit dem Kinderwagen heimlich zu ihm – dieses Gefühl, was sie dort hatte, hatte sie auch nicht vergessen. Es war das Gefühl von Familie, als er neben seinem Bett mit dem Kinderwagen stand.
Er wechselte ihm die Windel, wusch ihn, spielte mit ihm, ging auch mal bei ihr auf dem Hof mit ihm im Kinderwagen spazieren und trug ihm vorsichtig in seinen Armen. Die Liebe zu ihm war nicht zu übersehen.
Eines Tages in ihrer Wohnung, da lagen sie sogar nachmittags zu dritt im Bett und kuschelten miteinander. Eines anderen Tages spielten sie gemeinsam mit ihm im Wohnzimmer und sahen dabei zu, wie er so langsam lernte, sich etwas bewegen zu können.
Der kleine Mann hatte übrigens nicht gekrabbelt, er hatte das auf seine eigene Art gemacht, indem er mit seinem Popo gerutscht ist. Das konnte man nur glauben, wenn man es auch gesehen hatte, doch es war unheimlich niedlich.
Als Stella mal wieder bei ihm war und ihr Sohn friedlich im Kinderwagen in seinem Schlafzimmer schlief, da lag sie mit ihm gemeinsam auf der Couch. Sie sahen sich einen Film an und kuschelten miteinander. Doch sie hatte dabei gar nicht gemerkt, wie müde sie war und sie eingeschlafen war, so spürte sie plötzlich seine Hand an ihrer Wange.
„Es ist Zeit fürs Bettchen“, lächelnd sah er sie an.
Nun bemerkte sie auch, dass er sie zugedeckt hatte. „Oh, ich wollte eigentlich gar nicht einschlafen.“
„Ist doch nicht schlimm“, entgegnete er.
Er schob ihren Kopf vorsichtig beiseite von seinem Schoß und sie fühlte, wie seine Hände um ihren Körper glitten, demnach hob er sie hoch und trug sie samt Kuscheldecke in das Bett.
Dort nahm er ihr die Kuscheldecke wieder ab, deckte sie mit der Bettdecke zu und sagte:
„Ich mache nur noch den Fernseher aus und dann können wir beide gemeinsam träumen.“
Stella nickte lediglich, da sie trotzdem noch etwas verschlafen war.
Er setzte seine Worte in die Tat um, zog sich vorher um und kroch ins Bett. Doch bevor sie die gemeinsame Nacht genießen konnten, meldete sich Alfred, dass er Hunger hatte.
Das Fläschchen stand auf dem Nachtschrank.
„Ich mache das schon. Bleib du liegen“, sagte Bobby, beugte sich über sie hinüber und nahm das Fläschchen schon in die Hand.
Er setzte sich wieder auf und schon hörte sie, wie der Kleine trank.
„Mama und Papa kümmern sich um dich. Du bist nicht alleine“, sagte er leise.
Stella war stolz über seine Worte und glücklich, sodass sie ihn, als er das Fläschchen wieder abgestellt hatte, zu sich hinunterzog und ihm einen langen Kuss gegeben hatte.
„Du bist so ein lieber Papa“, sagte sie leise.
„Das werde ich auch immer für unseren Sohn bleiben“, antwortete er leise zurück.
***
Doch es gab wieder einen Tag, an dem es für Bobby nicht so gut lief. Er hatte Geldschwierigkeiten und mit niemandem darüber geredet, nicht einmal mit ihr. Doch im Gegensatz zu damals, als er kein Wasser hatte, hatte er dieses Mal nicht versucht, sie abzuhalten, dass sie nicht kommen sollte und das auch noch mit ihrem Sohn.
Ihr fiel dies jedoch gleich zu Anfang auf, dass etwas nicht stimmte. Die Lampe von dem Lichtschalter im Flur brannte nicht. Sie ahnte da etwas, doch sie wollte es nicht gleich aussprechen.
Wieder kam Mitleid in ihr auf. Er war so arm und arbeitete doch so hart für andere – dafür wurde er auch noch bestraft ohne Wasser und ohne Strom.
So ein liebenswürdiger Mensch, wie konnte das nur sein?
„Ich möchte ihm helfen. Er tut mir so leid.“
Doch dieses Mal wusste sie nicht, wie sie ihm helfen konnte und ob er dann nicht wieder über sie schimpfen würde, was sie da machte.
Sie brauchte jedoch nicht lange zu warten, da sagte er es ihr schon: „Ich habe keinen Strom. Das tut mir leid.“
Sie wand sich von ihrem Sohn im Kinderwagen ab und sah zu ihm.
„Mir tut das leid, du bist so arm dran. Dabei bist du so ein lieber Mensch. Du hast das nicht verdient. Ich bleibe bei dir, egal, was du auch nicht hast. Ich teile dein Leid mit dir, dann bist du nicht so alleine.“
Sie umarmte ihn.
„Ich werde dieses Mal nichts sagen, wenn du es nicht möchtest“, flüsterte sie.
Er schüttelte nur mit dem Kopf und sagte nichts weiter. Es war ihm mal wieder sehr unangenehm und er wäre dieser Situation am liebsten ausgewichen, doch inzwischen wusste er, dass er sich nicht vor ihr verstecken konnte.
„Ich hätte gerne mehr Geld für meine beiden Süßen, doch ich kann es mir nicht mal leisten, den Strom zu bezahlen. Ich komme mir so schlecht vor.“
Ihm tat dies weh, er würde gerne mehr für die beiden da sein, auch im finanziellen Sinne. Doch er konnte ihr nicht von all seinen Sorgen erzählen.
Dagegen waren die Probleme mit dem Wasser und dem Strom klein. Sein größeres Problem war, dass er Schulden hatte – diese Schulden kamen auch noch von der Krankenkasse, weil er da nicht versichert gewesen war und ihm mal etwas widerfahren war, worüber er nicht sprach.
„Ich kann es ihr nicht sagen. Ich kann ihr das nicht antun. Auch wenn ich lieber ehrlich zu ihr sein würde. Aber sie ist so liebenswürdig, daher hat sie es nicht verdient, jemanden wie mich lieben zu dürfen.
Ich bin arm, alt und verschuldet. Daher darf ich auch nicht mehr zum Arzt gehen. Mich nimmt niemand. Weil ich das nicht verdient habe.“
Sie löste sich nun von ihrer Umarmung.
„Ich möchte dir so gerne helfen, doch ich weiß dieses Mal nicht, wie. Ich kann dir nur helfen, indem ich da bin und dir meine Liebe schenke“, sagte sie leise und lächelte ihr an.
Er sah ihr in die Augen und erwiderte ihr Lächeln: „Ich danke dir, meine Süße.“
Mehr konnte er ihr jedoch nicht sagen. Auch wenn es ihm nicht leichtfiel.
Es vergingen weitere zwei Jahre. Stella kam es noch gar nicht so lange vor, doch sie merkte, dass Bobby sich verändert hatte. Er wollte plötzlich nicht mehr in ihre Wohnung kommen und auch nicht mehr, dass sie zu ihm kommen sollte, denn er sagte ihr immer wieder, dass es ihm nicht so gutginge und er schwer Luft bekommen würde.
Sie wusste nicht so recht, ob es dieses Mal wirklich so war oder ob er wieder ein finanzielles Problem hatte.
So fragte sie ihn oft nach und ließ nicht locker, ob sie nicht mal zum Arzt fahren sollten, weil sie sich Sorgen machte.
„Ich habe Angst um dich. Ich möchte, dass du noch lange bei uns bleibst. Deswegen drängele ich auch so. Ich merke doch, dass mit dir etwas nicht stimmt.“
Sie saß den Tag bei ihm in der Küche, ihr Sohn saß auch dort und spielte mit seinem Spielzeugauto.
„Es geht mir gut. Ich bin wohl nur überarbeitet. Außerdem weißt du, dass ich Krankenhäuser und Ärzte nicht leiden kann“, entgegnete er lediglich.
„Das geht nicht darum. Du weißt doch, was ich dir mal erzählt habe. Ich mache mir Sorgen. Du bist dünner geworden und du hast schon fast gar keine Zähne mehr. Als ich dich kennengelernt hatte, da sahst du gesünder aus. Sag mir, was mit dir nicht stimmt. Ich möchte dir nur helfen.“
Irgendwann wurde er jedoch böse, als ich ihn damit zu sehr bedrängte. Er wusste sich nicht anders zu helfen, daher reagierte er so.
„Ich sagte doch, dass ich keinen Arzt brauchte“, sagte er etwas forsch.
Was sollte Stella nur tun?
Ihr lief unbewusst eine Träne über das Gesicht, was er bemerkte. Da blieben seine Gefühle nicht kalt und er stand auf, um sie zu umarmen.
Er sagte jedoch nichts weiter dazu, lediglich sie sagte unter ihren Tränen: „Ich liebe dich und möchte dich nicht verlieren, bitte denk daran. Ein Leben ohne dich, würde mir das Herz brechen.“
Sie wusste, dass irgendetwas war, doch sie konnte ihn nicht mit Gewalt dazu zwingen.
„Ich werde euch beiden Süßen nicht alleine lassen. Das kann ich nicht“, flüsterte er ihr ins Ohr.
„Ich hoffe es. Ich habe ein ungutes Gefühl und das ist nicht gut“, dachte sie sich.
Stella versuchte es trotzdem immer wieder, doch er wich ihren Fragen aus. Demnach gab sie es für diesen Tag auf. Sie wollte noch ein paar schöne Stunden mit ihm haben, auch wenn diese längst nicht mehr so schön waren, wie noch vor einigen Jahren.
„Ich kann es mir nicht erklären, doch es stimmt etwas mit ihm nicht. Es tut mir weh. Ich mache mir Sorgen um ihn. Aber mir sind die Hände gebunden. Ich kann nichts für ihn tun.“
Noch dazu, schien er etwas angespannt bei der Arbeit zu sein. Inzwischen hatte Stella sich umentschieden, wieder in dem Haus von ihrer Mutter zu wohnen, da diese ihren Freund nicht mehr hatte.
Das Haus war groß, doch ein Teil davon war seit ihrem Einzug noch nicht ausgebaut. Diesen wollte sie sich nun herrichten.
Bobby half ihr nun dabei, den Dachboden auszubauen. Zumal auch der Herr, der ihr die Wohnung zur Verfügung gestellt hatte, etwas unbeständig geworden war und sie nach langer Überlegung diese Entscheidung traf, obwohl Bobby ihr ihre Traumwohnung renoviert hatte.
Doch manchmal ist das Zuhause dort, wo man am meisten gebraucht wird und nicht dort, wo man sich am wohlsten fühlt.
Sie erhoffte sich, dass er dadurch auch etwas ruhiger werden würde, doch es trat eher das Gegenteil auf. So, wie er sich aufführte, kannte sie ihn gar nicht. Es war nicht derselbe Mann, den sie vor vier Jahren kennengelernt hatte.
Die beiden hatten normalerweise Spaß bei der Arbeit und halfen sich gegenseitig, doch auf einmal schien die fröhliche Stimmung, die die beiden hatten, wie weggeblasen zu sein und Bobby schimpfte nur vor sich hin.
Stella blieb gelassen, denn sie erhoffte sich, dass er sich eines Tages wieder fangen würde, doch ihre Hoffnungen schienen aussichtslos zu sein. Es vergingen Wochen und sogar Monate und sein Verhalten schien sich nicht zu ändern. Nicht einmal mit ihrem Sohn konnte sie ihn aufmuntern. Selbst dann reagierte er nicht zufrieden.
Wenn sie ihm eine einfache Frage stellte, dann regte er sich auf, als wenn sie eine dumme Bemerkung gemacht hätte und das war ihr unangenehm, sodass sie sich irgendwann nicht mehr traute, ihm eine Frage zu stellen.
„Wozu brauchst du denn jetzt diese Schrauben dafür? Gehen da nicht auch die anderen?“, fragte sie.
Seine Antwort in einer nicht so freundlichen Tonlage: „Weil das so ist. Das müsstest du auch wissen.“
Vor zwei Jahren hätte er ihr noch geantwortet:
„Die Schrauben haben einen Senkkopf und die anderen einen Rundkopf, deswegen.“
Ihr tat es weh, dass er sich plötzlich so verhielt und sie versuchte alle möglichen Dinge, ihn wieder etwas aufzuheitern, doch keine Sache davon hatte Erfolg. Es brachte nicht mal was, dass sie ihren Sohn mit reinnahm und er ihm mithalf, indem er seinen kleinen Hammer nahm und hämmerte.
Obwohl er das zuvor noch als niedlich empfunden hatte, so störte ihn das plötzlich.
„Warum ist er jetzt hier? Das ist eine Baustelle und das kann gefährlich für ihn werden.“
Er wirkte sehr gereizt, als wenn irgendetwas wäre, was ihm nicht passte.
„Ich weiß nicht, was ich noch tun soll. Er verändert sein Verhalten nicht.“
Stella war verzweifelt, doch sie gab nicht auf. Sie wusste, dass irgendwas war und er sich beruhigen würde. Es brauchte nur Zeit.
Doch ihre Hoffnungen, dass er sich verändern würde, blieben vergebens. Es wurde sogar so schlimm, dass ihre Mutter von dem Streit mitbekam und sich einmischte, doch auch von ihr ließ er sich nicht beruhigen. Seine mürrische Laune verschaffte Stella auch Kummer, sodass sie ihm eines Tages nicht mehr bei der Arbeit helfen konnte, weil sie es nicht ertragen konnte, wie er mit ihr schimpfte.
Ihr fehlte ihr alter Bobby.
„Was ist mit ihm passiert? Es muss etwas sein, aber er lässt sich nicht helfen, egal, wer ihn fragt.“
Ihr kamen Vermutungen auf. Er wusste es selbst, dass etwas mit ihm nicht stimmte und er deswegen ungewollt so ein Verhalten hatte.
Sie kannte das von ihrem verstorbenen Onkel, welcher zum Schluss Schmerzen hatte und nichts dafürkonnte, dass er so war. Schmerzen können die Psyche sehr beeinflussen.
Sie war jedoch trotzdem zu ihm gekommen und sie war da, auch wenn er böse war, denn sie wollte ihn nicht aufgeben. Auch wenn es ihr sehr schwerfiel.
„Es wird schon wieder. Ich nehme ihn so, wie er auch ist, weil ich ihn liebe und der Gedanke viel schlimmer wäre, ihn nie mehr sehen zu können.“
***
Stella lag abends alleine in ihrem Bett und war unruhig. Sie hatte einen Traum. Es war wieder dieser Wald. Dieser Wald, indem sie schon vor einigen Jahren war. Der gleiche Traum, den sie auch dort hatte – obwohl, dieses Mal verlief er etwas anders. Sie lief zwar wieder mit diesem Pferd den Weg entlang und wartete, dass ihr dieser schwarze Kater entgegenkommen würde, doch von diesem war weit und breit nichts zu sehen.
Sie lauschte, ob sie ihn hörte, doch alles war ruhig, nicht einmal der Wind war zu hören.
Stattdessen kam sie an einem See an. Sie sah sich genauer um. Wieder war es dunkel und sie konnte nur durch das Mondlicht erkennen, was um sie herum war. Das Wasser schimmerte durch das Mondlicht, doch als sie genauer hinsah, da entdeckte sie, dass dort etwas in dem See war, was so leuchtete.
Sie konnte es nicht genau erkennen.
War das ein Käfig oder was sollte das darstellen?
Es sah aus, wie ein gläserner, langer Kasten.
Sie blinzelte.
Warum sah sie das überhaupt und warum war es unter dem Wasser?
In diesem Moment kamen ihr urplötzlich wieder die Worte von dem Kater in den Sinn, doch es schien ihr, als würde er erneut sprechen, obwohl er gar nicht vor ihr stand.
„Gib niemals auf. Es ist nur ein neues Kapitel, was in deinem Leben anfängt, doch es ist noch längst nicht das Ende.“
Eines Freitags wollte Bobby zu seinem Neffen fahren, um diesem bei dem Ausbau seines Hauses zu helfen. Dieser Freitag war auch ein schöner Freitag gewesen. Stella hatte ihm geholfen beim Arbeiten und sie haben sogar wieder miteinander gelacht.
Ihre Hoffnungen bauten sich wieder auf, dass er doch wieder so werden würde, wie er einmal war.
Doch es sollte wohl ein Schicksalsschlag kommen.
An diesem Tag fuhr er auch noch etwas früher weg, weil er ein Nikolausgeschenk für seinen Sohn besorgen wollte.
„Ich freue mich, wenn du am Montag wieder da bist“, sagte sie noch zu ihm.
„Das werde ich schon. Was soll denn passieren?“, lächelte er. „Bis Montag ihr beiden Süßen.“
Er stieg in das Auto, welches ihm seine Schwester geliehen hatte und fuhr los. So nebenbei gesagt: Für ihn war es ein schönes Gefühl, dass er ein Auto haben durfte. Das munterte ihn etwas auf, da er nun unabhängig war und viel einfacher mal etwas erledigen konnte, als nur mit Moped.
Stella machte sich auch auf den Weg in ihre Wohnung und beschäftigte sich mit ihrem Sohn.
Etwa eine Stunde später, nachdem er dort angekommen war, erhielt sie von ihm noch die Nachricht, dass alles gut war.
„Ich bin gut angekommen, Süße.“
Sie antwortete: „Das freut mich, dann überarbeite dich nicht die letzten Tage.“
Auch am nächsten Tag schrieb er ihr früh und abends, dass bei ihm alles in Ordnung war.
„Ich wünsche euch einen schönen guten Morgen, ihr beiden Süßen“, war die Nachricht vom Morgen.
„Ich weiß, es ist etwas spät bei mir geworden, aber ich schreibe dir trotzdem noch gute Nacht. Schlaft gut“, war die Nachricht am Abend.
Stella war die Zeit über meist in ihrer Wohnung und spielte mit ihrem Sohn. Sie nutzte die Zeit, um sich zu erholen und Zeit mit dem Kleinen zu verbringen.
Doch dann kam der Tag, der alles verändern sollte. Ein Tag, der hätte schlimmer nicht werden können. Früh erhielt sie noch einen lieben Gruß von ihm und auch zur Mittagszeit ließ er nochmal kurz etwas von sich hören.
„Ich wünsche euch beiden einen schönen guten Morgen und einen schönen ersten Advent.“
Bald war Weihnachten und sie hatte zu ihm auch gesagt, dass sie dann erstmal aufhören sollten mit der Arbeit, damit er sich auch etwas ausruhen konnte und sie wieder mehr Zeit mit ihrem Sohn verbringen konnten. Darauf freuten sich beide schon.
Sie antwortete ihm mit einem Foto von ihrem Sohn neben einem Tannenbaum: „Wir wünschen dir auch einen schönen ersten Advent, lieber Papa.“
Doch bis zum späten Abend kam kein Wort von ihm.
Sie dachte, vielleicht müsste er dort noch etwas helfen, weil das schonmal so gewesen war und er erst am Montagabend zurückgekommen war, doch mit diesem Gedanken hatte sie sich mehr als nur geirrt.
Am Tag danach bekam sie auch früh und abends keine Antwort mehr von ihm. Dies fand sie nun etwas seltsam, doch da er in letzter Zeit ihr gegenüber auch etwas seltsam war, dachte sie nicht nach und redete sich das ein, dass es so war.
Erst als sie dann am nächsten Morgen immer noch keine Nachricht von ihm erhalten hatte, da schrieb sie ihn an. Sie erhielt keine Antwort. So beschloss sie, bis zum Abend zu warten und ihn dann anzurufen, da sie sich inzwischen Sorgen machte, wo er wohl sein mochte. Sie hatte auch bei ihm Zuhause vorbeigeschaut, doch dort waren die Jalousien noch unten, demnach war er noch nicht da.
Ihr kamen Gedanken.
„Ein wenig seltsam ist das schon. Er hatte sonst immer einen Tag später geschrieben. Da stimmt etwas nicht.“
Sie nahm sich ihr Handy und schaute darauf. Keine Nachricht, die darauf wartete, gelesen zu werden. So beschloss sie, ihn anzurufen.
Doch sie brauchte ihn nicht mehr anzurufen. In diesem Moment klopfte jemand an die Haustür. Sie hörte, wie ihre Mutter hinging, diese öffnete und sie kurz darauf zu weinen anfing.
Warum weinte ihre Mutter denn? War etwas mit ihren Großeltern geschehen?
Sie ahnte nichts Gutes, doch damit hatte sie bei Weitem nicht gerechnet.
Stella ging die Treppe hinunter, doch sie brauchte ihre Mutter nicht zu fragen, was geschehen war. Erst dachte sie erneut, es sei etwas mit ihren Großeltern, da diese in letzter Zeit auch Schwierigkeiten mit ihrer Gesundheit hatten.
Als sie vor ihrer Mutter stand, hielt diese ihr einen Zettel hin, welchen sie sich durchlas. Noch ahnte sie nicht im Geringsten, welche schlimme Nachricht sie nun erfahren würde.
„Hallo ihr Lieben. Es tut mir leid, dass ich mit diesen schlechten Nachrichten zu euch kommen muss. Bobby ist am Sonntag leider an einem Herzinfarkt gestorben. Ich wünsche trotz allem eine schöne Adventszeit.“
Stella brach in Tränen aus.
Hatte sie das wirklich richtig gelesen?
Nein, das konnte nicht sein. Nicht so plötzlich. Nicht so unerwartet.
Nein!
Was war da nur geschehen?
Sie war nicht in der Lage zu sprechen und ließ ihren Tränen freien Lauf.
***
Im Nachhinein wusste sie nun, warum er sich nicht getraut hatte, es seiner Familie zu erzählen, dass er einen Sohn hatte.
Seine eigenen Töchter haben ihn ausgelacht und über ihn hergezogen, als sie das erfuhren hatten.
„Wie lächerlich. Er hatte nichts Besseres zu tun, als sich an ein viel zu junges Mädel ranzumachen“, diese Worte haben sie gesagt.
Auch viele Jahre zuvor war das Schicksal nicht auf seiner Seite gewesen: Er hatte sein Haus und seine Familie verloren, danach eine neue Frau mit Kindern gefunden, doch wieder hatte er sie verloren, da sie verstarb. Viele Jahre später, nachdem er ihre Kinder angenommen und sie großgezogen hatte, war er wieder alleine – doch es sollte nicht so sein, als er Stella kennenlernte, als sei es das nächste Schicksal gewesen. Er hatte in Stella seine Liebe gefunden und mit ihr einen kleinen Sohn und er hatte Angst, auch dieses Mal wieder alles zu verlieren – doch dieses Mal hatte sich das Schicksal gewendet.
Letztlich war er selbst derjenige, der gegangen war.
Auch wenn er arm war und sich kaum über Wasser halten konnte, hatte sie ihm alles gegeben, was sie ihm geben konnte, was er verdient hatte, was er nicht kannte und nie bekommen hat.
Er hatte es nicht verdient, so plötzlich zu sterben und er hat es vor allem nicht verdient, auch nach seinem Ableben so behandelt zu werden.
Stella wollte es sogar, dass er in der Ortschaft, wo er gewohnt hatte, seine letzte Ruhe finden sollte. Sie bot es seiner Familie sogar an, dass sie die Kosten übernehmen würde, wenn sie ihn dort haben könnte, doch leider lehnten sie das ab.
Das tat ihr sehr weh, weil sie das nicht verstehen konnte. Es tat umso mehr weh, weil sie einen geliebten Menschen verloren hat und in den letzten Momenten nicht bei ihm sein konnte.
Es war ein Schmerz für sie, den sie nicht in Worte fassen konnte, ein Schmerz, den nur sie zu tragen hatte und der sie nahezu auslaugte.
Sie machte sich Vorwürfe.
Sie wusste jedoch auch, dass sie nicht die Möglichkeit gehabt hätte, ihm zu helfen, da keiner aus seiner Familie Bescheid wusste, was sie und ihren Sohn anbelangte.
Warum kam es nur so plötzlich? Was war da passiert? Hatte er Angst? War er alleine?
Doch all diese Fragen konnte ihr niemand mehr beantworten, dafür war es zu spät.
Sie machte sich weiterhin Vorwürfe. Sie wusste, dass er Angst gehabt hatte und dieses Gefühl schmerzte.
„Es tut mir von Herzen leid, Bobby, dass ich dich alleine gelassen habe …“
… und sie hatte ein gebrochenes Herz.
Von Tag zu Tag fiel es ihr schwerer. Ihr kam es so vor, als würde sie sich aufgeben, als würde das Leben aus ihr schwinden, langsam und unerträglich.
Sie konnte nichts mehr essen. Überall, wo sie hinsah, da sah sie ihn. Sie hörte seine Stimme, sein Lachen, fühlte seine Nähe, roch seinen Geruch.
„Ihr seid meine Süßen, ich lasse euch nicht allein“, sprach seine gedankliche Stimme zu ihr.
„Warum hast du uns doch alleine gelassen?“
Ihre Tränen schienen kein Ende nehmen zu wollen. Sie weinte und weinte, bis sie zu wimmern begann und ihre Tränen in einen Traum übergingen. Einen Traum, den sie in der Länge noch nie hatte.
***
Wieder war das der Wald, indem sie sich befand. Langsam kam ihr das auch schon vertraut vor. Sie lief den Weg nicht entlang, denn sie saß bereits auf dem Pferd. Sie hatte ihr Ziel dieses Mal auch genau vor Augen. Es war der See mit dem magischen Leuchten. Sie wusste, dass dies der Ort war, zu dem sie wollte.
Die Hufe des Pferdes flogen im Galopp nahezu über das Gras und der Wind blies durch ihre blonden Haare.
„Ich werde es herausfinden, komme was wollte. Ich wünsche mir so sehr, dass es nur ein schlimmer Traum wäre, doch es fühlt sich so echt an.“
In dem Tempo dauerte es nicht lange, bis sie den See erreichte. Das Pferd hielt von sich aus an, sodass sie absteigen konnte.
Je näher sie dem See kam, desto stärker klopfte ihr Herz. Sie spürte, dass dort etwas war, was sie sehen wollte. Einen Moment sah sie sich um. Der Kater, der ihr beim ersten Mal begegnet war, schien nun auch wieder da zu sein. Es schien, als würde er auf dem Wasser sitzen. Doch er war es nicht, den sie sehen wollte.
Nah genug dort angekommen, erkannte sie nun, was sie erwartete. Sie hatte es bereits in ihren vorherigen Träumen immer wieder gesehen. Es ging nicht um sie, es ging um Bobby. Dieser Kasten war kein Kasten, es war ein gläserner Sarg.
Sie hielt die Luft an, denn dieser schien nun auf dem Wasser zu schweben. Da der Kater scheinbar auch auf dem Wasser saß, zögerte sie nicht lange.
Vorsichtig setzte sie einen Fuß auf das Wasser und es wunderte sie nicht, dass sie dort entlanglaufen konnte, als sei das Wasser aus Glas.
Langsam und mit klopfenden Herzen ging sie auf den Sarg zu. Was sie dort erblickte, ließ ihren Körper erschaudern. Ihr stiegen die Tränen in die Augen.
Ehe sie etwas sagen konnte, hörte sie den Kater sprechen: „Dein gebrochenes Herz braucht Zeit, um zu heilen, doch es findet erst Ruhe, wenn es weiß, dass es wirklich vorbei ist.“
Er trat etwas zur Seite und sah sie an.
„Verabschiede dich von ihm. Erst dann wirst du deine Ruhe finden und ein neues Kapitel in deinem Leben kann beginnen. Du schaffst das.“
Stella sah den Kater lediglich an. Sie konnte allerdings die Träne, die ihr über das Gesicht lief, nicht verbergen und sie konnte auch nicht sprechen.
„Bobby“, flüsterte sie lediglich kaum hörbar.
Sie ging nah genug an den Sarg heran und sah sich ihn an. Darin lag tatsächlich Bobby. Doch er hatte so einen friedlichen Ausdruck, als wenn er schlafen würde. Es wirkte sogar, als würde er lächeln.
Er war in einem weißen Gewand eingekleidet, von oben bis unten, was wie ein großes Nachthemd für ihn wirkte. Erst jetzt nahm sie es wahr, dass auch sie selbst in einem weißen langen aufgebauschten Kleid steckte, als sie ihren Arm sah.
Was hatte das nur zu bedeuten?
War sie hier, weil auch sie ihr Leben verloren hatte?
Sie fühlte nun nach seiner Hand. Sie war eiskalt und leblos. Mit ihrer anderen Hand strich sie über seinen Kopf, welcher ebenso eiskalt war.
Die Tränen liefen ihr über das Gesicht und tropften auf das weiße Gewand. Sie versuchte, Worte zu finden, doch es gelang ihr nicht.
Letztlich hockte sie sich auf den Boden. Weiterhin seine Hand festhaltend und die andere auf seinem Kopf ruhend. Sie ließ ihnen Tränen noch einige Minuten freien Lauf, ehe sie langsam anfing, Worte zu sprechen.
Dieser Moment war so unbegreiflich für sie, dass sie sich jede Minute die verging, umso mehr wünschte, sie würde aufwachen und er würde unter ihr liegen. So wie damals, als sie bei ihm war.
„Es tut mir so leid, dass ich nicht für dich da war“, ihre Stimme zitterte. „Ich habe dich mit deiner Angst alleine gelassen, dabei habe ich dir versprochen, für immer da zu sein, sollte es mal so weit kommen.
Du musstest so erbärmlich und einsam sterben. Das tut mir so weh, weil du sowas nicht verdient hast.“
Sie gab ihm einen Kuss.
„Du hast ein schweres Leben hinter dir und es nicht leicht gehabt. Du hast gekämpft und nicht aufgegeben. Doch, was ist nun passiert, dass du so schnell gegangen bist? Ich weiß, du wolltest das nicht, aber ich weiß, dass du Angst hattest. Ich weiß auch nicht, ob du es wusstest, dass du gehen wirst.“
Sie gab ihm einen zweiten Kuss.
„Ich verspreche dir, dass ich immer auf unseren Sohn aufpassen werde. Du lebst in ihm weiter, das weiß ich.“
Sie wischte sich ihre Tränen fort, ehe sie wieder seine Hand nahm. Einen Moment dachte sie noch darüber nach, was wohl in Zukunft geschehen würde. Klare Gedanken bekam sie da jedoch nicht. Sie konnte sich nicht vorstellen, was wohl in Zukunft geschehen würde. Im Moment war dies unvorstellbar.
„Ich liebe dich, Bobby. Ich werde dich niemals vergessen und ich wünsche dir eine gute Nacht. Eines Tages werden wir uns wiedersehen.“
Sie gab ihm einen letzten Kuss und nun spürte sie, wie plötzlich ein Glücksgefühl in ihr aufstieg.
Obwohl sie vor wenigen Minuten noch geweint hatte, so spürte sie nun ein kleines Gefühl der Freude. Sie wusste es selbst nicht genau, warum das auf einmal so war, doch dieses Gefühl fühlte sich so schön an, dass sie ihn anlächelte – so wie an dem Tag, als sie das erste Mal gemeinsam im Bett lagen.
„Ich freue mich, dass ich dich sehen konnte. Was Schöneres hätte es heute nicht für mich geben können“, flüsterte sie, ehe langsam ihre Umgebung verblasste.
Da die Geschichte über 250 Seiten hat, endet es hier und ihr könnt euch die Buchversion ansehen. Diese findet ihr ganz am Anfang